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BRAUSEPÖTER - Nerven geschädigt

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Artist BRAUSEPÖTER
Title Nerven geschädigt
Homepage BRAUSEPÖTER
Label TUMBLEWEED RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Die Geburtsstunde von BRAUSEPÖTER liegt im Jahr 1978, damals gründeten Martin Lück (Gesang, Gitarre & Orgel), Bernd Hanhardt (Bass & Gesang) und Klaus „Kemper“ Feldmann (Schlagzeug) die New-Wave-Punk-NDW-Kapelle, nachdem sie bereits gemeinsam in einer Schülerrockband namens GETTING BETTER gespielt hatten. Legendär ist der Auftritt auf dem ZickZack-Festival in Hamburg anno 1980 gemeinsam mit ABWÄRTS und den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, den BRAUSEPÖTER im Hagel entflammter Wurfgeschosse unerschrocken durchzogen. Mit „Bundeswehr“ hatten die Ostwestfalen Ende der Siebziger ihren größten Hit, der 2008 dank VouTube zu neuen Ehren kam und möglicherweise auch dazu beitrug, dass es die Kapelle seit 2010 wieder in Originalbesetzung gibt.

Mit „Nerven geschädigt“ ist die mittlerweile dritte Platte seit der Reunion erschienen und wer glaubt, er habe es hier mit einer lustigen Punk-Combo zu tun, merkt schnell, dass die Herren BRAUSEPÖTER vielleicht in einem ähnlichen Alter sind wie Campino, Farin Urlaub & Co., ansonsten aber eindeutig in anderen Gefilden unterwegs sind. Nennen wir den Sound auf „Nerven geschädigt“ lieber Indie-Post-Punk mit New-Wave-Einflüssen, der die Spaß-Karte am ehesten beim schrammeligen „Dienstag Mittag“ zieht und okay, dieser eröffnende Gitarrenakkord, der sich durch „Ganzes Leben längst vorbei“ zieht, könnte sogar bei den TOTEN HOSEN geklaut sein. Ansonsten startet der Dreier mit seinem Opener „Ewig Ding“ mit einer jaulenden Farfisa-Orgel und Klangfolgen, die mich denken lassen, dass so wohl TOCOTRONIC klingen könnten, wenn sie einen Soundtrack für einen Quentin-Tarantino-Film liefern sollten. Währenddessen lässt es der Titeltrack „Nerven geschädigt“ straight krachen, bevor das dezent depressive „Seele“ seltsam tiefenentspannt übernimmt und das temperamentvolle „Ganzer Körper brennt“ dem New Wave frönt. „Pogo ganz allein“ heißt es am Ende bezeichnenderweise. Vielleicht sind die Wegbegleiter vergangener Jahrzehnte „Leider ohne dich“ unterwegs und begeistern sich inzwischen für funkiges Gebläse?

Nun, ich wage zu behaupten, dass es BRAUSEPÖTER ziemlich egal ist. Im Zweifel pogen sie eben allein zu „Nerven geschädigt“ und haben einfach Bock auf ihre abseitige Mucke mit den zahlreichen Ecken und Kanten, die Einfallsreichtum und Individualismus beweisen. Damit kommt man nicht ins Formatradio, aber in die Herzen musikverrückter Grenzgänger.

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