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BRAUSEPÖTER - Selbstauslöser

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Artist BRAUSEPÖTER
Title Selbstauslöser
Homepage BRAUSEPÖTER
Label ÜBERFALL RECORDS
Leserbewertung
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8.8/10 (6 Bewertungen)

1974 gründeten Martin Lück, Bernd Hanhardt und Kemper gemeinsam die Schülerrockband GETTING BETTER. Vier Jahre später brachten Punk, New Wave und der damals noch seltene Entschluss, von nun an nur noch deutsche Texte zu schreiben, neues Leben in die Band, die sich fortan BRAUSEPÖTER nannte. Legendär ist der Auftritt auf dem ZickZack-Festival in Hamburg anno 1980 gemeinsam mit ABWÄRTS und den EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN, den BRAUSEPÖTER im Hagel entflammter Wurfgeschosse unerschrocken durchzogen. Bis zur Auflösung 1982 kam es neben zahlreichen Gigs zu einer Single auf ZickZack („Liebe Glück, Zufriedenheit“) und einem Videoclip im ARD-Programm („Bundeswehr“). Genau dieser Videoclip ist es, der auf Youtube dem Vergessen entrissen, 2009 international für Aufsehen sorgt: der Song wird als Link durch die Blogs gereicht, zwei Labels, eins aus Münster und eins aus New York, bringen den Song als Single heraus. Beim „Maximum Rocknroll“ aus San Francisco zeigt man sich begeistert, BRAUSEPÖTER (aus dem ostwestfälischen Rietberg übrigens!) werden zum Hit beim US-Radiosender WFMU. 2010 findet die Band zurück auf die Bühne und kommt wieder richtig in Fahrt. Live entwickeln sie mitreißende Energie und zwingenden Groove. Ein bisheriger Höhepunkt war ein Clubkonzert, das inkl. Zugaben das Publikum fünf Stunden lang begeisterte.

Nach der bereits erschienenen Werkschau über die frühen Tage ist es nun an der Zeit für ein neues Album – nach wie vor in der Urbesetzung von 1974. Auf dem komplett in Eigenregie aufgenommenem „Selbstauslöser“ gibt es elf nagelneue Songs zu hören, die Songwriter Martin Lück seit der Reunion der Band geschrieben hat. Punk und New Wave nehmen natürlich weiterhin einen wesentlichen Raum bei den drei Herrschaften ein, doch scheuen sie sich auch nicht, neue Inspirationen in ihren Sound aufzunehmen, wie schon der flirrende Opener „Du bist so langweilig (und du steckst mich damit an)“ druckvoll unterstreicht. „Und ich weiß auch nicht warum“ schließt sich dem nahtlos an, ehe Ohrwürmer wie „Einmal um die Welt“ und „Ilse-Marie“ Pop-Appeal beweisen. Ein Hauch Progrock umweht das schräge „Ich hör jetzt nur noch Pink Floyd“, während „Schmutzig“ ebenso wie „Marcie Marcie“ dem Indie-Rock eine gute Portion Blues verpasst. Melancholisch wird’s derweil mit „Alles was ich hab“, bevor mit „Mach mir die Hölle heißt“ wieder kräftig gejammt wird. „Spiel’s noch mal, DJ“ ist ein leicht sentimentaler Blick zurück und wer bei „Geh mir weg mit Edith“ an die RAMONES denkt, liegt definitiv nicht verkehrt, denn die Nummer ist eine dezent-abstruse Coverversion von „I Wanna Be Sedated“. Bleibt noch der BRAUSEPÖTER-Klassiker „Keiner kann uns ab“, der bei einer gemeinsamen, spontanen Live-Session mit ISOLATION BERLIN eingespielt wurde.

Dass diese junge Berliner Combo die Nummer von Anfang an in ihrem Repertoire hatte, zeigt, dass BRAUSEPÖTER durchaus ihre Spuren hinterlassen haben, auch wenn man lange nichts von ihnen gehört hat. Ob sie mit „Selbstauslöser“ auch den Nerv ihrer alten Fans getroffen haben, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall ist das Album ohne kommerzielles Studio und ohne Unterstützung der Musikindustrie entstanden. Der Spaß an der Freude stand im Vordergrund und das hört man der Mucke auch an.

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