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BRDIGUNG - Tot aber lebendig

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Artist BRDIGUNG
Title Tot aber lebendig
Homepage BRDIGUNG
Label ANTIROCKSTAR
Leserbewertung
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8.1/10 (9 Bewertungen)

„Her mit dem Thron, Krone und Zepter, wir sind wieder da!“ – bescheiden treten BRDIGUNG zwei Jahre nach „Kein Kompromiss“ nun nicht gerade auf. Aber warum auch, die Kempener sind jung und wild und haben mit ihrem 2008er-Werk ihre Ambitionen deutlich unter Beweis gestellt. „Tot aber lebendig“ meldet man sich nun zurück und nimmt nun erst recht keinen Blatt mehr vor den Mund. Große Schnauze, nichts dahinter? Von wegen!

Schon direkt die schlicht als „Intro“ betitelte instrumentale Einleitung ist das erste Highlight unter 14 Klangwerken und eine der schönsten, die ich bei den diesjährigen Veröffentlichungen gehört habe. Anfangs mit Xylophon-Klängen und Geige, später dann noch von weiteren klassischen Instrumenten unterstützt, nimmt das Ganze schon fast epische Formen an, bis BRDIGUNG dann mit den donnerndem Schlagzeug aus der Idylle hervorbrechen und bei einem heißen Gitarrensolo die Saiten qualmen lassen. Wer hier schrebbeligen Rabaukenpunk erwartet, wird wohl enttäuscht, das Quartett kombiniert immer noch punkige Geschwindigkeit mit rockiger Kraft und Melodie und einem Hauch Metal. So zieht der Opener „Wieder da“ schon gehörig in Sachen Verbissenheit an und ruft die zu Beginn erwähnte Forderungen aus. Doch thematisch stellt man sich selber ansonsten eher weniger in den Mittelpunkt. Stattdessen zeigt man die gesellschaftlichen und politischen Missverhältnisse aus eigener Sicht auf und verpackt sie in musikalisch ansprechende Gewänder. Das ungemein straffe „Nichts dazu gelernt“ prescht mit knallenden Drums und fixen Gitarrenparts voran und prangert die sich wiederholende Geschichte von Krieg und Tyrannei an und die Lethargie der Menschen, die das drohende Unheil zwar erkennen, doch nichts degegen tun. Von einem passenden Sample eingeleitet („Die Supernanny“ lässt grüßen) wird „Party jeden Tag“, das die „Jugend von heute“ beschreibt und mit Textpassagen wie „Wir sind eure Suppe voller Scheiße, guten Appetit“ ein wenig an die BÖHSEN ONKELZ zurück denken lässt. Auch vor sehr sensiblen Themen macht man nicht halt, so dass man bei „Immer öfter“ seine Meinung zur Sterbehilfe andeutet und an die Menschenwürde appeliert. Hier und auch an anderen Stellen geht man zwar sehr direkt vor, frech und unverschämt, doch nie wirklich niveaulos. Untermalt wird das ganze dann mit einem satten Punkrock-Sound, bei dem vor allem das tighte Drumming wirklich überzeugt. Doublebass-Salven schießen durch die Kompositionen, Groove-Passagen unterstützen den sauber erzeugten Druck und teilweise wirklich schöne Soli sorgen für die nötige Frische. Doch auch gesanglich ist man vielen der unzählbaren Punk-Kollegen voraus. So vertont man die Lyrics zwar mit kratzig gröhlendem Organ, findet dabei aber genau die richtige Mischung, um auch stimmlich die Melodien zu unterstützen. Beachtlich auch, wie man schön das Gesangsmuster von Song zu Song anpasst und variiert, was auch dem Abwechslungsreichtum des Albums zu gute kommt. In diesem Punkt folgt man da beispielsweise Größen wie den TOTEN HOSEN, bei denen „Campino“ ja auch diesbezüglich bemüht ist und an welchen man beim Stück „Sinfonie des Verderbens“ an manchen Stellen kurz denken muss. Gesanglich, doch vor allem Gitarrentechnisch, erinnert „Zeichen des Himmels“ dann an die Spaßmetaller J.B.O., während mit „Verlorene Hoffnung“ auch eine nachdenkliche, fast angstbeladene Ballade um eine tragische Liebe ihren Platz innerhalb der fast 48 Minuten Gesamtspielzeit auf der Scheibe gefunden hat.

„Tot aber lebendig“ ist für ein Punk-Album „überraschend“ anspruchsvoll ausgefallen. Während man lyrisch den Genregesetzen über weite Strecken absolut treu bleibt und entsprechend typisch über Land und Leute herzieht, frischt man den Sound mit rockigen und metallischen Einflüssen angenehm auf. Das macht das Endergebnis nicht neu, dafür aber sehr angenehm hörbar, was auch an der guten Produktion liegt. Gerade rockig genug, um ein breites Publikum anzusprechen – und definitiv punkig genug, dass sich BRDIGUNG noch ungestraft den Iro färben dürfen.

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