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BRIGHTER DEATH NOW - Kamikaze Kabaret

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Artist BRIGHTER DEATH NOW
Title Kamikaze Kabaret
Homepage BRIGHTER DEATH NOW
Label COLD MEAT INDUSTRY
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

„Ich bin Bill. Ich bin ein kleiner Junge. Ich war böse heute. Zumindest behauptet das mein Vater. Oder der, welcher vorgibt mein Vater zu sein. Der, welcher mit mir spielen will, nach dem Abendessen. Mutter will auch mitspielen…“ Nach der kurzen, verstörenden und Ton gebenden Einleitung, geht es im „Kamikaze Kabaret“, das letzte Vergehen von BRIGHTER DEATH NOW (was keiner Vorstellung mehr bedarf), auch kurzfristig ans Eingemachte. Im gewohnten BDN-Stil schmettert „Oh Baby“, quasi ein Hardcore Techno Stück, auf das Mittelohr ein. Übersteuertes 4/4-Schlagwerk bahnt sich seinen Weg durch die vielen Filter, ein besessener Roger Karmanik proklamiert von den schmuddeligen Hinterhöfen aus, im Dunst der gerade frisch verscharten Leiche: vermutlich der blau angelaufene mit Prellungen bedeckte Bill, welcher gerade noch in den angespannten Händen zitterte und flehte.

Das ganze Album hört sich demzufolge an wie eine Sammlung diverser Mord- und Totschlaggeschichten, wie eine Reihenfolge ekstatischer Kenntnisnahmen begangener Morde. In jedem Stück ist der Hörer in einem Wirbel sich überschlagender grauenvoller Tatsachen begriffen, einem unaufhaltsamen Strom der Zwangsgewaltanwendung, aus dem es kein Entkommen gibt, als zur nächsten Gräueltat zu schreiten, das nächste Stück zu hören. Musikalisch ist sich BDN durchaus treu geblieben: dröhnend pulsierende Rhythmusschleifen bilden den Nährboden der gefolterten Stimmbänder Karmaniks, die in schamanischer Weise, das Grauen austreibend, zum Einsatz kommen und für eine hypnotische gar apathisch entrückte Stimmung sorgen („Destroy“). Stücke wie „Testing“ oder „Big Happy Family“ erinnern von der Musik wie vom Gesang her an das goldene Zeitalter TGs und könnten es mit so manchen HAUS ARAFNA Stücken aufnehmen. Gut recherchierte und nahtlos akustisch eingearbeitete Tondokumente hier und da verstärken das Gefühl des Schmuddeligen, was auch dem eingefleischten Adept von Filmreihen wie „TRACES OF DEATH“ oder „GESICHTER DES TODES“ (die Variante für Neophyten des Mondos) eine Gänsehaut bescheren dürfte. Man kann innerhalb dieses Albums deutlich eine Evolution erkennen: Sind die ersten Tracks noch stark am klassischen BDN Sound orientiert, so mutiert dieser über dem Wege des Industrials alter Schule hinzu neuen und fremden Tongefilden, wie im letzten Stück „Take me away“. Hier ziert die Stimme Roger Karmaniks nicht so viele Effekte wie gewohnt, auch sind die Drums weniger gefiltert und die Musik klarer… ein Aufbruch zu neuen Horizonten?

Kompromisslose True-Crime-Electronik also, die aber nicht wie bei SLOGUN einem Schlag ins Gesicht gleicht und auch irgendwie Fiktion bleibt, sondern eher das Nachwirken des Grauens mitsamt der psychischen Verarbeitung darstellt. Kein frisches Blut, das aus den Wunden quellt, sondern eher Verwesung und Moder. Keine berstende Gewalt, sondern unterbewusster, schleichender Mordtrieb. Als Urgestein des Genres ist es natürlich schwer Vergleiche zu ziehen, aber wenn BDN mit jemandem verglichen werden sollte, auch wenn es musikalisch nicht ganz stimmt, dann sind es wohl ATRAX MORGUE und andere aurikulare Triebtäter auf SLAUGHTER PRODUCTIONS. All diejenigen, denen das Messer in der Hand brennt, oder auch denen, deren Fantasie vor geronnenem Blut nur so klebt, sei dieses Werk besonders ans Herz gelegt. Ein weiteres Opus des Labelchefs der schwedischen Tiefkühltruhe COLD MEAT INDUSTRY, von welchem sich so manche Band auf eben diesem Label eine Scheibe abschneiden könnte.

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