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BROR GUNNAR JANSSON - They Found My Body In A Bag

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Artist BROR GUNNAR JANSSON
Title They Found My Body In A Bag
Homepage BROR GUNNAR JANSSON
Label PLAYGROUND MUSIC
Leserbewertung
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9.5/10 (2 Bewertungen)

Gestern habe ich über die französische Band SKÁLD geschrieben, die nordischen Neo-Folk macht. Heute habe ich einen Schweden auf dem Zettel, dessen drei ersten Alben erfolgreich in Frankreich veröffentlicht wurden. So läuft das in der globalisierten Welt, in der eben auch BROR GUNNAR JANSSON zuhause ist! Daheim ist der 33-jährige Spross einer Musikerfamilie (in vierter Generation!) in Göteborg und musikalisch bewegt sich der Vollblutmusiker, der live auch als Ein-Mann-Band (gleichzeitig Megafon, Gitarre und Schlagzeug!) fungiert, in Blues-, Country- und Folk-Gefilden.

Die vierte Langrille des Herrn Jansson hört auf den Namen „They Found My Body In A Bag“ und thematisiert reale skandinavische Kriminalfälle. Der Albumtitel und der schrammelige Blues-Song „Body In A Bag“ beziehen sich beispielsweise auf einen ungelösten Fall aus dem Jahr 1984, als am Stadtrand von Stockholm mehrere Taschen mit Körperteilen einer weiblichen Leiche entdeckt wurden. Jaulende Gitarren und eine solide Rhythmusfraktion übernehmen beim nachfolgenden „Stalker“ das Sagen, während „Stay Out All Night Long“ als Hommage an JOHN LEE HOOKERS ersten Hit „Boogie Chillen“ aus 1948 knackig nach vorn drängt und „Trains And Nights“ leise Töne anschlägt, die zudem mit weiblichem Gastgesang und einem Cello veredelt werden. Zuvor gab das instrumentale „Det Stora Oväsendet“ der mittelalterlichen ‚Hexenverfolgung‘ mit sphärischen Bluesmelodien Raum, wohingegen der Garagen-Rocker „Tere’s A Killer On The Loose“ erneut in die Vollen geht und es sich bei „ Will You Help Me When I’m Old?“ in ähnlicher musikalischer Darreichungsweise einmal nicht um Nordic.Noir-Inhalte dreht, sondern um das schwierige Unterfangen, jemanden in einer Bar abzuschleppen. Zum Schluss gibt es mit „Driving Through Norrland, Listening To Earth“ noch ein minimalistisches Stück ohne Gesang zu hören, das sich vor der Drone-Doom-Kapelle EARTH aus Seattle verneigt, gleichzeitig aber auch PINK-FLOYD-Fans gefallen dürfte.

SKÁLD waren gestern definitiv kein Mainstream und auch BROR GUNNAR JANSSON wird nicht den Anspruch haben, mit „They Found My Body In A Bag“ die Chartsspitze zu erklimmen. Dabei sind die Lieder des echten Nordmannes deutlich massenkompatibler als der Nordic Folk der Franzmänner, die sich in diesen Zeilen allerdings im Grunde auch nur aufgrund der zeitlichen Nähe des Schreibprozesses wiederfinden. Wer mehr über die True-Crime-Storys wissen möchte, wird übrigens im Booklet fündig. Dort sind noch einige Infos vermerkt. Etwa über den Opener „Machine“, der sich mit dem Mord an der schwedischen Journalistin Kim Wall auseinandersetzt, die 2017 von dem dänischen Konstrukteur Peter Madsen an Bord seines selbstgebauten U-Bootes bestialisch gequält und umgebracht wurde.

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