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BRYAN ADAMS - The Bare Bones Tour/ Live at Sydney Opera House (DVD)

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Artist BRYAN ADAMS
Title The Bare Bones Tour/ Live at Sydney Opera House (DVD)
Homepage BRYAN ADAMS
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
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Als BRYAN ADAMS vor vielen Jahren seine Karriere begann, wirkte er ein wenig wie BRUCE SPRINGSTEEN für Arme. Er kam auch rockig daher, aber der Boss machte alles deutlich richtiger als er – viel rauer, viel authentischer (was Springsteen bis heute beibehalten hat). Dann kam das Jahr 1991, und damit ein Film in die Kinos, der mal wieder die Geschichte von Robin Hood erzählte, diesmal mit Kevin Costner (in jener Zeit, als der im Kino einfach nichts falsch machen konnte) in der Titelrolle. Den Song zum Film lieferte ausgerechnet BRYAN ADAMS, dessen musikalischer Stil bis dahin eigentlich gar nicht zu diesem Film-Genre passte. Aber siehe da, der Herr lieferte eine Ballade ab, wie sie schmalziger nicht hätte sein können (und die darin nur von WHITNEY HOUSTON mit ihrer Version des Dolly-Parton-Songs „I Will Always Love You“ übertroffen wurde, ausgerechnet auch als Filmmusik für einen Streifen mit Kevin Costner, in diesem Fall „Bodyguard“). Der Mann zog alle musikalischen Register und schuf mit „(Everything I Do) I Do It For You“ einen Welthit, der für sich genommen noch verzeihbar gewesen wäre, hätte Herr ADAMS nicht begonnen, den Rest seiner Karriere mit dem Klonen dieses Hits zu bestreiten, der seitdem alle paar Jahre mit einem anderen Text und einem neuen Titel erscheint – zumindest kommt einem das so vor, denn der rockige BRYAN ADAMS ist dabei auf der Strecke geblieben.

Die musikalischen Eintönigkeit hat ihn inzwischen eingeholt, neuere Songs laufen im Radio eher selten, und er hat sich in eine Sackgasse manövriert, viele Fans der ersten Jahre haben sich nach 1991 zweifellos mit Grausen von ihm abgewendet, und selbst wenn er jetzt den Tränendrüsenauslöser im Schrank lässt, kann er diese Leute nicht mehr zurückgewinnen, wenn er zu alten Zeiten zurückkehren würde – und wer ihn erst als Schmusesänger kennengelernt hat, wird davon auch nichts wissen wollen. Was macht man also? Man… reduziert. Nein, nicht im Preis, sondern im Arrangement. Opulent produzierte Songs werden auf das Allernötigste reduziert, und das ist entweder eine Gitarre oder ein Klavier. Eventuell auch noch beides zusammen. So wie bei BRYAN ADAMS und dem vorliegenden DVD-Mitschnitt seiner „Bare Bones Tour“, in diesem Fall ein Auftritt in der Oper von Sydney aus dem September 2011 (warum man so was zwei Jahre lang bis zur Veröffentlichung liegen lässt, ist mir zwar schleierhaft, aber… na ja). ADAMS steht auf der Opernbühne, die Gitarre umgehängt, manchmal noch eine Mundharmonika zwischen die Lippen geklemmt. Die Bühne minimal beleuchtet, keine Videowände, keine Effekthascherei, sondern einfach nur BRYAN ADAMS und seine Lieder.

Befreit von Streichern und jener Extraportion Pathos wird das alles unglaublich hörbar, sogar der unsägliche Robin-Hood-Song und auch so Schmachtfetzen wie „Please Forgive Me“ oder „Have You Ever Really Loved A Woman“. Da kommt erstaunlicherweise der wahre BRYAN ADAMS zum Vorschein, und es macht sogar Spaß, die Songs zu hören, bei denen man vor Jahren noch schnell das Radio ausgeschaltet hat, weil man das alles schon tausendmal gehört hat. Das, was diese DVD zu bieten hat, das hat man nicht tausendmal gehört, das ist neu und anders und – zu meinem großen Erstaunen – tatsächlich gelungen. Wenn man sich endlich mal auf die Texte konzentrieren kann, dann wird übrigens auch eines deutlich. ADAMS ist kein Springsteen für Arme, sondern eher schon ein Springsteen für den Doppelverdiener-Haushalt mit zwei Autos, einem Abo von „Schöner Wohnen“ und einer Golfclub-Mitgliedschaft auf Lebenszeit.

Rund 100 Minuten dauert der Auftritt, der nicht enttäuscht. Enttäuschend ist allerdings die Tatsache, dass diese DVD ganz ohne jedes „Making of“ daherkommt. Das ist sogar ärgerlich, denn es wäre sicher interessant gewesen, ADAMS zu dieser ganz anderen Interpretation seiner Songs zu befragen und vielleicht die bekannten Hits einmal mit ihren reduzierten Versionen zu vergleichen.

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