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CÄTHE - Verschollenes Tier

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Artist CÄTHE
Title Verschollenes Tier
Homepage CÄTHE
Label DEAG MUSIC
Leserbewertung
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7.8/10 (5 Bewertungen)

CÄTHE macht Musik. Mit allen Sinnen und ohne Kompromisse. Im Zweifel auch ohne Krankenversicherung und indem sie Freunde um Flaschenpfand bittet, um über die Runden zu kommen. Wobei diese Zeiten seit 2011 vorbei sein sollten, denn da ist ihr Debüt „Ich muss gar nichts“ erschienen, das es immerhin bis auf Platz 56 geschafft hat. Den Autorenpreis der GEMA in der Kategorie „Komposition Rock“ gab es zudem und Auftritte bei „Inas Nacht“, in der „Harald-Schmidt-Show“ und in Morgenmagazinen sorgten für jede Menge Medienpräsenz und steigerten den Bekanntheitsgrad der Wahl-Hamburgerin. Jetzt meldet sie mit ihrem zweiten Album „Verschollenes Tier“ zurück und siehe da: auch dieser Silberling enterte bereits die Charts.

Da hat es vermutlich einer Menge Leuten die ausdrucksvolle Stimme von Frau Catharina Sieland angetan, die ihre Songs natürlich eigenhändig schreibt und damit genau den richtigen Ton findet. Sogar für das Artwork ihrer Platte zeichnet sie verantwortlich; so ist das kleine Mädchen auf dem Cover sie selbst und die Bilder im Booklet zeigen Ausschnitte aus einer Art gezeichnetem Tagebuch der letzten Jahre. Doch zurück zur Musik… Die startet mit „Hoch oben nah dem Sturm“ mit viel Druck, Rhythmus und ebenso prägnanten wie versponnenen Melodien, die sich auch beim folgenden „Geister“ wiederfinden. An dem Song „Tabula Rasa“ kann sich so manche singende Dame, die meint, ihre Beziehungsproblematiken musikalisch verarbeiten muss, ein Beispiel nehmen. Kein Pathos, kein Gejammer und keine rosarote Verklärtheit – bei CÄTHE geht’s deutlich straighter zur Sache und dabei kommen die Emotionen keinesfalls zu kurz. Das ruhige „Gelbe Kartons“ erzählt von der Zeit, als sich die DDR-Grenzen öffneten – CÄTHEs Heimat bis zu ihrem siebten Lebensjahr, bevor sie kurz vor der Wende mit ihrer Familie nach Baden-Württemberg auswanderte. Knackig präsentiert sich hingegen „Kleingeld“, während dem rhythmusverliebten „Alien“ eine gewisse Melancholie inne ist. Das treibende „Funken“ kommt mit viel Gebläse daher, ehe der Titeltrack wieder leise Töne anschlägt. Es geht abermals um die Kindheit und eben um das „Verschollene Tier“, das in der Künstlerin schlummert und beim Musik machen und auf der Bühne wieder rauskommt. „Die Leute“ gefällt mit viel Abwechslung, um dann „Tu was du willst aber tu es langsam“ wortwörtlich umzusetzen. Die Gitarre klingt ein angenehm bluesig und so verfällt man schon bald in den Kopfnicker-Modus, und auch „Einer ist immer der Arsch“ bringt in seiner verqueren Reduziertheit ein wenig Südstaaten-Flair mit. Das schöne „Auf die Dächer“ nimmt wieder Fahrt auf, wohingegen das zu Herzen gehende „Waffen niederlegen“ und das abschließende „Mein Herz mit dir bin ich frei“ mit feiner Instrumentierung und ohne unnötige Hast den bunten Reigen gekonnt beenden.

Der zweite Longplayer ist für jeden Künstler eine Herausforderung. CÄTHE hat sie mit „Verschollenes Tier“ bravourös gemeistert. Die Mucke strotzt vor Intensität und Tiefgang und ich bin mir sicher, dass die 30-jährige alles andere als eine Eintagsfliege ist. Von der Dame werden wir noch viel Gutes hören!

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