| Artist | CALIBAN |
| Title | Ghost Empire |
| Homepage | CALIBAN |
| Label | CENTURY MEDIA |
| Leserbewertung |
Ich muss deutlich sagen, dass bei allen guten Songs und mitreißenden Live-Shows „I am Nemesis“ seit langem ein CALIBAN-Album war, das mir in Gänze wieder wirklich gut gefallen hat. Die Kombination aus Eingängigkeit, Wucht, Melodie und Härte funktioniert dort wirklich optimal. Dort versucht die deutsche Metalcore-Institution mit „Ghost Empire“ anzuknüpfen und den nächsten Schritt zu machen.
Dies ist allerdings nur bedingt gelungen. So geht die Band hörbar weiter ihren Weg, was besonders an den Vocals zu bemerken ist. War der melodische und cleane Teil bisher Gitarrist Denis vorbehalten, so tendiert auch Shouter Andy nun des öfteren in die melodische Schiene seines sonst so extremen Stils. Das wirkt hin und wieder ein wenig gezwungen. Schon beim Opener „King“ bekommt man dies präsentiert. Rollt der Track anfangs im SOULFLY-Stil nach vorne und überzeugt durch thrashige Riffs und treibende Rhythmen, hätte meiner Ansicht nach ein klassisch cleaner Refrain besser gepasst. Ähnlich beim folgenden „Chaos – Creation“ oder dem doch recht plakativen „Devil’s Night“. Viel besser gelungen kommt da doch das wuchtige und mit atmosphärischen Keys unterlegte „Cries and Whispers“ daher, wo das typische CALIBAN-Rezept genutzt wird. Natürlich könnte der Song auch auf „I am Nemesis“ stehen und natürlich soll man nicht stehen bleiben. Dem Experiment stehe ich aber dennoch skeptisch gegenüber, sind die Songs an sich doch ohne Zweifel auf dem Niveau des Vorgängers. Damit hatten CALIBAN einen wirklich guten Stil gefunden. Jetzt muss man sich mit Ähnlichkeiten zu BRING ME THE HORIZON rumschlagen und das ist wirklich eher weniger ein Kompliment. Genauso wenig, wie das überall gefeierte, aber im Grund grottenschlechte „Danke“-Lied an die Fans „yOUR Song“, das gezwungen klingt, wie nur irgendwas! Ein Kompliment abholen, können sie die Ruhrpottler allerdings für das sehr auf Hit getrimmte, aber dafür nicht weniger gelungene „nebeL“. Diese in Deutsch gehaltene Club-Rakete pumpt erstmal mächtig nach vorne und trumpft dann mit einem derart mitreißenden Refrain von CALLEJON’s BastiBasti derart auf, dass man fast befürchten muss, dass das Ding komplett durch die Decke geht!
Als Fazit können Fans von „I am Nemesis“ mit „Ghost Empire“ nichts verkehrt machen. Und ohne Frage werden viele an den melodischeren Gesängen ihre Freude haben. Mein Fall ist dieser Versuch allerdings nicht so ganz.
(Fafnir)
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Nach 15 Jahren beständiger Präsenz im vorderen Drittel des deutschen Metal(cores) muss das unangefochtene Doppelteam der treuen Fanschar eigentlich nichts mehr beweisen. Und doch haben HEAVEN SHALL BURN mit dem letztjährigen „Veto“ selten eindrucksvoller ihre Relevanz unter Beweis gestellt. Gerade nach dem starken „I Am Nemesis“ war ich nicht ganz ungespannt, was für ein Werk die Kollegen von CALIBAN dem entgegenstellen können. Offensichtlich würde das nunmehr neunte Album „Ghost Empire“ den Härtetechnisch ausbalancierten Stil seines Vorgängers weiterführen, nicht ohne noch ein paar Neuerungen parat zu halten.
Dem düsteren Album-Thema entsprechend bollert das schon vor Release präsentierte „King“ noch recht unspektakulär stringent in die Vollen. Doch neben dem standardgemäßen Cleanpart von Gitarrist Denis lässt nun auch Hauptvokalist Andreas Dörner erstmals ein paar rau gesungene Verse einfließen. Was im ersten Moment ungewohnt erscheint, fällt schon im Gangshout-Gemenge des folgenden „Chaos-Creation“ kaum noch auf, und dabei weder wirklich positiv noch negativ ins Gewicht. Mehr Aufmerksamkeit erhält nach den ersten cleanen Gehversuchen dafür die auch schon auf „I am Nemesis“ angedeutete Hinwendung zur Muttersprache, dieses Mal aber in voller Länge (wenn man das „Sonne“-Cover mal ausklammert). Obwohl Andy textlich ein wenig zu holpern scheint, gerät „nebeL“ zwischen klassischeren Hardcore-Gitarren und einem ausgewogenen Anteil Melodie doch noch zu einem der stärkeren Momente der Scheibe, was zu einem wesentlichen Teil auch dem fetten Refrain von CALLEJON-Stimme Basti Sobtzick angerechnet werden darf. Zurück im Standard-Englisch kann das anschließende „I am Ghost“ ebenfalls punkten, indem es die weiter oben gelobte Mischung aus Stakkato-Hämmern und entschleunigten Momenten der Ruhe formidabel in der Waage hält. Zwischen diesen kleinen Sternstunden verdüstern allzu frequente Downtempo-Anleihen, die sich teils verdächtig nah an die (Tour-) Kollegen EMMURE schmiegen, und ein aggressives Fast-Forward-Repertoire den postapokalyptischen Himmel, die auf technischem Niveau natürlich kritiklos bleiben, aber doch das überwiegend positive Gefühl bei „I Am Nemesis“ vermissen lassen. Das wohl als Live-Hymne forcierte „yOUR Song“ etwa klingt mit den fixen Blast-Beats und dem großen Choral schon recht gezwungen, obgleich der Platz auf der Setlist sicher sein dürfte. Aufhorchen lässt „Cries and whispers“ mit verwegenen Gitarren im kleinen Western-Kosmos, auch das bedrückende „Good Man“ (diesmal mit CALLEJON-Gitarrist „Kotsche“ als sanfte Unterstützung am Mikrofon) verweilt vorerst im Ohr. Ohne qualitativ völlig abzusinken, bleibt der Funke in den letzten Zügen allerdings aus.
Wie zu erwarten haben CALIBAN den völlig zu begrüßenden Weg von „I Am Nemesis“ mit „Ghost Empire“ bis zur logischen nächsten Etappe beschritten, kassieren für Experimentierfreudigkeit gewiss einige Anerkennung, können an die Stärke des Vorgängers jedoch nicht ganz anknüpfen. Wer an selbigem Gefallen fand, ihn verehrte, ja wer sich selbst Fan der deutschen Traditionskombo schimpft, tätigt mit dem Erwerb der neuen Scheibe aber keinesfalls einen Fehlkauf. Und wer darüber hinaus noch mit der Special Edition liebäugelt, der erhält neben einer hier nicht besprochenen Tour-DVD den elektronisch durchtränkten Bonustrack „Falling downwards“, der mit Matt Heafys (TRIVIUM) großartiger Stimme der Standard-Version auch sicherlich gut getan hätte.
(Sebastian Palmer)

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