| Artist | CALUM SCOTT |
| Title | Avenoir |
| Homepage | CALUM SCOTT |
| Label | CAPITOL RECORDS |
| Leserbewertung |
CALUM SCOTT erlangte 2015 Bekanntheit durch seine Teilnahme an ‚Britain’s Got Talent‘. Er wurde zwar nur Sechster, entschied sich jedoch, seinen Job als Rathausangestellter aufzugeben und sich auf die Musik zu konzentrieren. 2016 gelang ihm mit „Dancing On My Own“ tatsächlich ein Hit, der sich annähernd 10 Millionen Mal verkaufte. 2018 erschien sein Debütalbum „Only Human“, das in UK und den USA Goldstatus erreichte und das mit sechsfach Platin ausgezeichnete „Your Are The Reason“ enthielt. Darüber hinaus arbeitete er mit dem deutschen DJ FELIX JAEHN zusammen, „Love Myself“ und „Rain In Ibiza“ heißen die beiden gemeinsamen Nummern. 2022 kam die zweite Studio-Langrille „Bridges“; vergangenes Jahr bereiste der heute 37-jährige praktisch die ganze Welt: auf Headliner-Tour durch Nordamerika und als Support für ED SHEERAN in Asien und Europa. Nun ist der dritte Streich „Avenoir“ erschienen – der Titel ist ein Begriff aus John Koenigs „The Dictionary of Obscure Sorrows“ – einem Kompendium erfundener Wörter, das „Avenoir“ als „den Wunsch, dass Erinnerungen zurückfließen könnten“ definiert.
„‘Avenoir‘ ist wie das Leben selbst – vorwärtsgehend, aber mit dem Blick zurück“, erklärt Calum. „Es geht um Reue, Liebe und das Wunder des Ungewissen. Darum, das Jetzt zu umarmen und die Magie im Nichtwissen zu finden.“ Keine Frage, es geht um große Gefühle und die existenziellen Fragen des Lebens, die Mr. Scott mit gefälliger Popmusik verbrämt. Da dürfen wie beim Opener „Lighthouse“ natürlich sanfte Klavierakkorde ebenso wenig finden wie halliger Gesang und auch das nachfolgende „At Your Worst“ findet mit eingängigen Melodien rasch ins Ohr. Derweil bittet das muntere „Roots“ auf den Pop-Dancefloor, bevor es mit „God Knows“ doch arg kitschig wird. Auch mit dem geigenverhangenen „My World“ schmachtet der Gute ein wenig zu sehr, da kommen die Violinen von „Unsteady“ doch eine Spur lebhafter daher. Aber es hängt halt opulente Romantik in der Luft, deshalb darf ein Song namens „Die For You“ wohl nicht fehlen. Für „One More Drink“ macht Calum gemeinsame Sache mit der US-amerikanischen Countrysängerin LAUREN ALAINA, das allein verleiht dem Stück einen Hauch Country, wenngleich es weiter sehr, sehr sehnsuchtsvoll bleibt. Ein zweites Duett gibt es mit dem finalen „I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)“, das aus dem Dance-Pop-Klassiker der vor 13 Jahren verstorbenen WHITNEY HOUSTON einen symphonischen Schmachter macht. Den Amis gefällt’s: im Juni 2025 wurde die Single allein in den USA von der Record Industry Association of America (RIAA) mit achtfachem Platin ausgezeichnet. Mir sagt das sacht groovende „Peripheral Vision“ mit dezentem R’n’B-Einschlag eindeutig mehr zu und wenn mit „Mad“ einmal mehr eine Klavierballade auf dem Programm steht, kann ich zumindest anerkennen, dass das Thema Vaterschaft für einen homosexuellen Mann wie Calum vermutlich ziemlich schwierig und entsprechend gefühlsbeladen ist.
Für den Titeltrack „Avenoir“ verzichtet CALUM SCOTT auf Vocals und lässt den orchestralen Sound allein wirken. Das macht aus dem Lied noch mehr einen Soundtrack für eine Liebesschnulze als dies bereits bei den übrigen Songs der Fall ist. Das gesamte Album strotzt nur so vor Emotionen und hier und da hätten ein paar Ecken und Kanten dem Sound durchaus gutgetan. Für das Duett mit WHITNEY HOUSTON wurden übrigens ihre erstmals ihre Original-Stems verwendet. Die Technik macht’s möglich, müsste nur noch geklärt werden, ob wirklich alles gemacht werden muss, was technisch möglich ist. Wer auf der Suche nach musikalischer Untermalung für wahrlich ergreifende Momente ist, darf gern bei Mr. Scott und „Avenoir“ zugreifen, ich brauche jetzt erst einmal was zum Ohren durchpusten.

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