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CANDLEMASS - Ancient Dreams (Re-Release)

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Artist CANDLEMASS
Title Ancient Dreams (Re-Release)
Homepage CANDLEMASS
Label PEACEVILLE RECORDS
Leserbewertung
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Eine echte Heldentat dürfen sich im Februar 2008 Peaceville ans Revers heften. Mit der Wiederveröffentlichung der beiden CANDLEMASS Meilensteine „Ancient Dreams“ (1988) sowie den „Tales of Creation“ (1989) dürfte den Engländern nicht nur einige Aufmerksamkeit zuteil werden, auch in der Kasse sollte es einigermaßen befriedigend klingeln. Zumindest der Zeitpunkt ist glücklich gewählt, hatten die schwedischen Doom Götter doch in den letzten Jahren mit einem phänomenalen Comeback die Szene erschüttert: natürlich im Zeitlupentempo, schließlich weiß man, was sich gehört. Dieses Comeback erhielt eine ganz besondere Würze durch den endlosen Knatsch mit dem früheren (semi-) legendären Sänger/ Mönch/ Diva/ Stinktier Messiah Marcolin, dem die Band auf der einen Seite viel zu verdanken hat, da er mit fantastischer Performance auch nicht ganz so inspirierte Stücke veredelte, der der Band jedoch auch einen ersten Split und das Verschwinden in der Versenkung nach „Tales of Creation“ bescherte.

„Ancient Dreams“: Weiß Gott, an dieser Scheibe lässt Leif Edling nicht viel Gutes: „We did a lot of things wrong on Ancient Dreams”, so heißt es in den Liner Notes. Hier sollte man den Doom-Großmeister vor sich selbst schützen, dieses Urteil fällt nicht nur zu hart aus, es geht in die ganz falsche Richtung. Beginnend mit der wunderbaren Covergestaltung – das Frontcover ziert „Youth“ von Thomas Cole – entfaltet sich auch hier eine Großtat dieser unterschätzten Musikrichtung. Kick-off ist das etwas flottere „Mirror Mirror“, ein enorm kraftvolles Stück mit einer düsteren Fantasy Geschichte. Dieses Stück entwickelte sich zu einem der Bandklassiker, mehr muss angesichts der Vielzahl grandioser Stücke im Bandkatalog wohl nicht gesagt werden. Die Spannung wird hochgehalten durch das nachfolgende „A Cry from the Crypt“, das zwar nicht so spektakulär doomt, dafür jedoch einen sehr einfangenden und einprägsamen Refrain enthält. Einer meiner absoluten CANDLEMASS Lieblingssongs ist „Darkness in Paradise“, das auch textlich zeigt, dass es nicht ganz richtig ist, diese Band auf den Gestus übergroßer Traurigkeit zu reduzieren. Der Titel spricht ja schon von beidem: von Dunkelheit und dem Paradies und diese Ambivalenz wird auch durch den Schluss des Songs deutlich: „My fate is waiting to show me the Light…I believe“. Ansonsten klingt dieser Song wie eine Mikro-Werkschau der großen Qualitäten dieser Band. Beginnend mit einer wunderbaren und mitreißenden Lead-Gitarre, serviert auf nanometerpräzisem Rhythmus, verstummen die Saiteninstrumente und Marcolin wird in der 1. Strophe lediglich vom Schlagzeug begleitet. Dieser Raum wird von ihm einzigartig genutzt, förmlich hört man, wie seine Stimme die aufziehende Dunkelheit zu erhellen versucht, womit Text und Musik eins werden. Im Anschluss werden diese musikalischen Vorgaben des Songs – also die beginnende Lead-Gitarre und der dominierende Strophengesang Marcolins – mehrmals aufgegriffen und variiert, gekrönt vom Zusammenspiel im Chorus. Insgesamt nicht weniger als ein perfekter Doom-Song. Zugegeben: derart olympisch trumpfen die Schweden auf „Ancient Dreams“ nicht durchgehend auf, mit „Incarnation of Evil“ gibt es sogar einen recht überflüssigen Song. Dieser wird von Edling sehr passend beschrieben: „It’s so lame!“ Zudem ist das abschließende Medley einiger bekannter BLACK SABBATH Schoten reichlich überflüssig und hat mit diesem Album eigentlich so gar nichts zu tun. Auf der anderen Seite stehen mit dem Titelstück sowie dem Geschwindigkeitsausrutscher „The Bells of Acheron“ weitere Stücke, die wirklich famos gelungen sind. Auch der eigentliche Abschluss „Epistle 81“ ist viel besser als er von Edling gemacht wird. Zustimmung findet jedoch noch ein weiterer Kritikpunkt: der Mix ist der Klasse dieses tollen Longplayers nicht gewachsen, auch das Remaster fällt im Vergleich zu den „Tales of Creation“ doch hörbar ab.

Als Fazit sei zunächst gerne wiederholt, dass Peaceville sich mit diesen Wiederveröffentlichungen um die Szene schon fast verdient machen. Lange kann und darf man in CANDLEMASS Fachkreisen darüber diskutieren, ob der Zweitling „Nightfall“ vielleicht doch das größte, beste und schönste Album der Schweden ist. Oder auch, ob sie erst jetzt mit Rob Lowe von SOLITUDE AETURNUS ihre beste Phase eröffnen. Überflüssig ist jedoch jeder Zweifel an diesen Scheiben. Die sind wie aus einem Guss und absolute Klassiker des Genres, die den Ruf der Band als unangefochtene Inhaber des Doom Throns über Jahrzehnte begründete, lediglich die andere Band des neuen Sängers darf sich eventuell an der Rückenlehne des Throns mit abstützen.

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