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CANDLEMASS - Tales of Creation (Re-Release)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist CANDLEMASS
Title Tales of Creation (Re-Release)
Homepage CANDLEMASS
Label PEACEVILLE RECORDS
Leserbewertung
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Nur kurz nach den „Ancient Dreams“ zeigt auch diese Scheibe CANDLEMASS in absoluter Hochform. Die besondere Ambition dieses Albums zeigt sich schon an der lyrischen Gestaltung: nichts weniger als ein Konzeptalbum über die Entstehung des Lebens sollte es jetzt sein. Hier ist auch der Ansatzpunkt für den einzigen Hauch von Kritik, die an dieser Veröffentlichung ganz vielleicht statthaft ist. So schön das Artwork auch ist – die lesenswerten Lyrics in Mikroschrift auf dunkelgrünem Hintergrund sind ein Grund zur Freude – jedoch nur für Augenärzte und nachfolgend für Optiker. Jedoch ist dies nur ein Mückensackhärchen in der außerordentlich schmackhaften Suppe. Um kurz beim Artwork zu bleiben: dieses ist höchst stimmungsvoll, das eigentliche Cover ziert ein Gemälde Gustav Dores, „Let there be Light“, und man kann sich nur schwer vorstellen, dass diese Platte eventuell ein noch besseres Cover hätte haben können, echter Eyecatcher und inhaltlich völlig passend. Lediglich die Photos der Musiker im Innern zeigen modische und stylische Verbrechen der absoluten 80er Oberklasse, und sollten von einer großen Mönchskutte des Schweigens bedeckt werden – Geruch hin oder her. Aber egal, entscheidend ist schließlich die Musik und da gibt es zunächst ein schönes und atmosphärisch dichtes Intro mit Spoken Word Einlage, die den geneigten Hörer in die Geschichte und in die Stimmung einführt. Der eigentliche Opener heißt „Dark Reflections“ und ist für CANDLEMASS-Verhältnisse recht flott geraten. Wenn Leif Edling diesen Track in den Liner Notes jedoch als „Uptempo-Track“ bezeichnet, ist dies aber ein klein wenig übertrieben, für die allermeisten Metal Bands wäre dies immer noch ein Stück im (höchstens) mittleren Galopp. Im Folgenden wird das Tempo dann deutlich gedrosselt auf die gewohnte CANDLEMASS Geschwindigkeit und es können die bekannten Trademarks der Band ohne jede falsche Hektik akustisch bestaunt und vergöttert werden: förmlich von der Decke triefendes Pathos, musikalisch getragen durch das wunderbare und bleischwere Zusammenspiel von Rhythmusgitarre und Bass und einem Schlagzeuger, der zwar langsam, aber nie langweilig spielt. Auf diesem Fundament können Leadgitarrist Lars Johannsen mit gelegentlichen aber umso eindrucksvolleren Solos und natürlich Marcolin mit seinem einzigartigen Vibrato glänzen. Dies alles wäre aber nur die halbe Miete, wären da nicht die wunderbaren Kompositionen des Alleinkomponisten Edling, der immer gleiche Elemente nimmt und immer wieder Faszinierendes und Neues daraus macht. Jeder Song hat seinen eigenen Charakter und Wiedererkennungswert, Ausfälle gibt es keinen einzigen. Dafür können mit „Under the Oak“, „The Edge of Heaven“ und dem Rausschmeisser „A Tale of Creation“ absolute Highlights benannt werden. Damit bleibt unter dem Strich ein fantastisches Album, dem die große Karriere leider nicht folgte, statt dessen wie gesagt die Auflösung und erst viele Jahre später die Wiedervereinigung mit dem verrückten Mönch. Dies ist jedoch eine ganz andere Geschichte…

Als Fazit sei zunächst gerne wiederholt, dass Peaceville sich mit diesen Wiederveröffentlichungen um die Szene schon fast verdient machen. Lange kann und darf man in CANDLEMASS Fachkreisen darüber diskutieren, ob der Zweitling „Nightfall“ vielleicht doch das größte, beste und schönste Album der Schweden ist. Oder auch, ob sie erst jetzt mit Rob Lowe von SOLITUDE AETURNUS ihre beste Phase eröffnen. Überflüssig ist jedoch jeder Zweifel an diesen Scheiben. Die sind wie aus einem Guss und absolute Klassiker des Genres, die den Ruf der Band als unangefochtene Inhaber des Doom Throns über Jahrzehnte begründete, lediglich die andere Band des neuen Sängers darf sich eventuell an der Rückenlehne des Throns mit abstützen.

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