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CATHEDRAL - The Serpent’s Gold

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Artist CATHEDRAL
Title The Serpent’s Gold
Homepage CATHEDRAL
Label EARACHE
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Es gibt härtere, langsamere, dunklere und morbidere Bands. Doch selbst nach beinahe fünfzehn Jahre müssen CATHEDRAL, neben einigen wenigen Weggefährten, noch immer als Referenz herhalten. Es wäre ein einfaches, diese Position ausschließlich auf die Vorreiterrolle und Beständigkeit der Formation zu zurückzuführen, doch täte das ihrer Kreativität und Fähigkeit zur ständigen Selbsterneuerung Unrecht. Wenn die Krone nach fünfzehn hartumkämpften Jahren noch immer fest und sicher auf den Häuptern der Mitglieder dieser Institution ruht, können wohl nur Einfältige und Neider behaupten, dahinter stecke lediglich Ausdauer. Jetzt, wo sich die nach ihrem ersten Album über den schwarzen Klee gelobten REVEREND BIZARRE anschicken, das Zepter zu übernehmen (siehe die entsprechende Review auf diesen Seiten), kommt der Rückblick auf Werk und Karriere gerade recht: Wer regiert im Land des Doom?

Denjenigen, für welche dies die erste Begegnung mit der Band darstellt oder denen die sanft hauchende, grazil ondulierende Sphärenelektronik von SHAPE OF DESPAIR als das Maß der Dinge gilt, sei eine kleine Warnung ausgesprochen: Bei CATHEDRAL klingt eine Stimme noch wie eine Stimme, ein Schlagzeug wie ein Schlagzeug und Bass und Gitarre müssen sich ganz alleine, ohne Hilfe eines Tastenorchesters oder einer Kirchenorgel, um die musikalisch Ausfüllung kümmern. Härtetechnisch haben die alten Recken ohnehin wenig Chancen bei einem Sound, der analog und nach Konzertatmosphäre und eher wenig nach Knochengeklapper und digitalem Crunch klingt. Frontmann Lee Dorrian wechselt geschickt und je nach den Erfordernissen des Stücks die Stimmlage, beherrscht sowohl die SABBATH’schen Madcap-Vocals, als auch den hellen, doch zugleich blutig aufgerauten Stil eines Jaz Coleman. Bloß die inzwischen zum Markenzeichen einer ganzen Generation nachfolgender Musiker gewordenen, ins Unendliche gestreckten und kaum mehr zu dekodierenden Growls fehlen hier völlig und nur das tiefe Grunzen in „Autumn Twilight“ erinnert einen für einen kurzen Augenblick daran, dass dieser Mann einmal NAPALM DEATH vorstand. Auch tritt die Athmosphärik grundsätzlich gegenüber der Komposition zurück und verdient jeder einzelne Titel das Prädikat „Song“. Deren Basis wiederum bilden die grundlegendsten Elemente des Metal: Riffs, Riffs, Riffs. Auch schon mal der grobschlächtigeren Sorte, manchmal etwas arg banal, doch stets kräftig wie ein kalziumdurchflutetes Rückgrat und nie zu lange, als dass man ihrer überdrüssig würde. Musik für die Betriebsfeier ist das kaum, doch geht das Licht selbst in den betrübtesten Momenten nie ganz aus. Diese Klänge bilden weniger den akustischen Teppich, auf dem man sich im blinden Schmerz windet, sondern eher den Soundtrack für das eigene Versagen, der vor dem geistigen Auge abläuft. „Equilibrium“ ist so ein schmerzlich-schöner Moment, ihrem epochalen Debüt aus 1991 entnommen, klassischer Doom in seiner schönsten Form, doch auch der wesentlich temporeichere, zehn Jahre später entstandene „Melancholy Emperor“ weiß mit ultrafetter Produktion voll zu überzeugen. Dazwischen liegt Vieles, das eher in Richtung Stoner Rock tendiert und das vollkommen aus dem Rahmen fallende „Midnight Mountain“: „Oh Yeah“ intoniert Dorrian und: „C’mon!“ und die Band schlackert dazu in langen Hosen und Batik-shirts. Man meint sogar, jemanden in die Hände klatschen zu hören.

Darin liegt auch ein wenig das Problem dieser Compilation: Von Geschlossenheit kann keine Rede sein und so schön Abwechslung auch sein mag, so schwierig schwingt man sich auf die stets umschlagenden Gefühlslagen ein. Andererseits spiegelt diese Gebrochenheit eben auch recht gut die Geschichte der Unangepassten wider. Und gegeizt wird hier schon gar nicht: Auf CD zwei gibt es Seltenes und einen Abstecher in das Live-Archiv, darunter das zwölfminütige „Schizoid Puppeteer“. Damit wäre dann auch die Frage nach der Vorherrschaft im Doom beantwortet. Denn nur dem, der so tief in die Schatztruhe greifen kann, gehören die Schlüssel des Königreichs.

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