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CATTLE DECAPITATION - Humanure

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Artist CATTLE DECAPITATION
Title Humanure
Homepage CATTLE DECAPITATION
Label METAL BLADE
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Der Titel “Humanure” (Menscheisse) verspricht schon einiges, doch das Cover toppt alles, was uns in den letzten Monaten zuteil wurde (WHORE) und noch auf uns zukommt (CLITEATER) – BSE war gestern, baby! Ein weiterer Fall für die Abteilung „Geschmacklose Provokation“, das schmutzige Kapitel, das PINK FLOYD auf „Animals“ schamvoll verschwiegen? Keineswegs!

Denn wer bereits den optisch zumindest ein kleines bisschen appetitanregender daherkommenden Vorgänger „To serve Man“ serviert bekam, weiß um das gutmenschliche Anliegen des kalifornischen Vierers: Eine Kampfansage an die Massentierhaltung und die betriebswirtschaftliche Nutzung von lebenden Wesen soll es sein, ein Appell an die Moral und den Verstand – oder wie MORISSEY es einmal recht plakativ, doch treffend formulierte: Meat is Murder. Damit spricht die Band natürlich jedem anständigen Bürger aus der Seele. Doch statt sich auf die Vegetarier dieser Welt und ein potentielles Zielpublikum von einer Milliarde Indern zu verlassen, verstellen sich CATTLE DECAPITATION dann mit ihrer unverschämt eigensinnigen musikalischen Melange selbst den Weg zu Ruhm und Reichtum. Dass das motivische Material eher einfältig sei, hat man schon bei Gustav Mahler gesagt, doch „Humanure“ treibt die Sache dann noch ein wenig mehr auf die Spitze: Manche Riffs klingen wie Kinderreime, andere so, als habe man Kühen und Pferden die Gitarre in die Pfote gedrückt, gelegentlich fühlt man sich an um die Hälfte entschleunigten Grind erinnert. Dann wiederum gibt es Stellen mit geradezu genialischen Einfällen, von links nach rechts rasendem Feedbackpiepsen, wahnwitzigen Soli und unmenschlichen Saitenkünsten. Auf „Lips und Assholes“ bleiben in der Mitte des Songs nur noch das polternde Schlagzeug und der Bass stehen, über dem eine wie die gepeinigte Kreatur heulende Axt schwingt und das als Outro gekennzeichnete „Men before Swine“ ist in Wahrheit ein unheilvoller, zehnminütiger Industrial Ambient Track erster Güte. Und bei aller Heterogenität und Abgedrehtheit schafft es die Band irgendwie, dass das Ganze geschlossen und gar nicht wie ein Flickenteppich wirkt.

Das alleine ist schon eine Leistung und vielleicht klingt man ja so, wenn man sich ausschließlich von Nüssen und getrockneten Papayas ernährt. Bestehende Schubladen bleiben bei soviel bizarrer, aber konkurrenzloser Kreativität selbstverständlich geschlossen, doch schlagen wir folgende Neuschaffungen vor: Stench Grind, Animattle, bzw. Death Cattle. Nur die Hülle, die werde ich in Zukunft lieber mit der Rückseite nach vorne aus dem Regal nehmen.

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