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CHAMPAGNER GLOYSTEIN - Moderate Ekstase

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Artist CHAMPAGNER GLOYSTEIN
Title Moderate Ekstase
Homepage CHAMPAGNER GLOYSTEIN
Label DUSTBOWL SOUNDS
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CHAMPAGNER GLOYSTEIN sind ein Hamburger Quartett, das sich 2003 nach der Auflösung der Instrumental-Combo KAROSHI gegründet hat. Dem Elektro-Noise-Punk blieben Roman Vehlken (Drums) und Stefan Marter (Bass) nach dem Weggang von Hanno Pahl treu, holten sich mit Jan Gloystein (Gitarre) und Elmar Günther (Vocals und Gitarre) aber verstärke Gitarrenpräsenz und Gesang mit ins Boot. Nun legen die vier Herren von der Waterkant ihr Debüt „Moderate Ekstase“ vor.

Der Titel lässt hanseatische Zurückhaltung vermuten, aber Zurückhaltung wird beim Titelsong lediglich bei den Worten geübt. Es handelt sich beim Opener um eines von drei Instrumentalstücken, das jedoch mit den peitschenden Gitarrenakkorden und melodiösen Pausen wunderbar auch ohne Gesang auskommt. „Dolly“ erinnert anfangs gitarrentechnisch ein wenig an PLACEBO, findet bald seinen ganz eigenen Weg Richtung Indie-Rock. Sehr skurril der Text von „Tirana“. Er handelt von einem albanischen Schleusenwärter, der aus Ärger über den ihm verwehrten Alkoholnachschub die Tiraner Altstadt flutete. Knarf Rellöm fungiert als Reporter und Heiko Marn steuert dem Indie-Rock noch eine Saxophon-Impro bei. Auch „Verkantete Talentete“ wartet mit einem Gastmusiker auf. Robert Engelbrecht spielt bezaubernd knarzig Cello bei diesem Popsong mit Wave-Einschlag. „Gemeinschaft mit beschränkter gesellschaftlicher Haftung“ geht mehr ins Punkige, während „Karoshi“ ein kleiner instrumentaler Gruß und Abgesang aus/ auf KAROSHI-Zeiten ist. Ebenfalls aus KAROSHI-Zeiten stammt „Angela Davis Cup“, das sich nunmehr aber in neuem Gewand und mit Gastsängerin Gwendolin May präsentiert. Ein Kommentar zum Mainstream des 68er Bashings und der Diskreditierung aller gesellschaftlichen Errungenschaften der Studentenbewegung in genau der rhythmischen Vertracktheit wie sie von Indie-Rock-Studenten geliebt wird. Das letzte Instrumentalstück „Extra.March“ beginnt rockig, bewegt sich im weiteren Verlauf mehr Richtung Jazz, wozu auch die beiden Bläser des „Schwabinggrad Balletts“ beitagen, die ebenfalls als Gäste an „Moderate Ekstase“ teilhaben durften. „Ein Dach überm Querkopf“ rockt nach vorn, verfügt dabei aber auch über einen melancholischen Unterton. Zum Schluss gibt es noch etwas balladeskes. „Wiedersehen“ ist das ruhigste Stück der Platte, das zum Ende hin sein Wesen komplett wandelt und nach einer kleinen Pause textlich wie musikalisch kurz einen anderen Weg geht und wie PINK FLOYDs „Wish You Were Here“ klingt.

Keine einfache Kost, die CHAMPAGNER GLOYSTEIN uns da kredenzen, aber sehr vielschichtig und handwerklich gut gemacht. Schöner Electropunk versetzt mit schrammelnden Indie-Gitarren und ein bisschen Hamburger Schule: Man muss „Moderate Ekstase“ durch mehrmaliges Hören für sich entdecken und wird dann mit Sicherheit viel Freude an der Scheibe haben.

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