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CHANGÓ - Schneeblind

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Artist CHANGÓ
Title Schneeblind
Homepage CHANGÓ
Label OFFICE4MUSIC
Leserbewertung
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8.0/10 (2 Bewertungen)

Aus Österreich kommen gerade in letzter Zeit auffällig viele spannende Bands an die Oberfläche gespült. CHANGÓ aus dem Salzkammergut sind eine dieser Formationen. Und wie die weitaus meisten ihrer musizierenden Landsleute sind sie nicht ganz einfach in althergebrachte Schubladen einzusortieren.

Was die drei Herren, die in einem alten Kino in ihrem Heimatort Ebensee ihre ersten Gehversuche unternommen haben, auf ihrem neuesten, mit knapp 30 Minuten und 5 Songs recht kurz geratenen Release zum Besten geben, lässt sich grob irgendwo zwischen Stoner Rock und Alternative Metal einordnen. Beide Bezeichnungen hinken allerdings. Richtiger Stoner Rock ist es nicht, trotz der vielfach durchaus psychedelisch wabernden Gitarren (wie z.B. im Titelsong „Schneeblind“). Aber da, wo der gestandene Wüstenrocker sich tendenziell in hippiesken Jams verlieren würde, verfallen CHANGÓ lieber in das eine oder andere kraftvolle Riff und erinnern dabei streckenweise gar an THE OLD DEAD TREE, was wohl am durchweg melancholischen Grundtenor der Musik liegen mag. Letzterer kann CHANGÓ glücklicherweise jedoch nicht davon abhalten, stets ausreichend kraftvoll und vor Rock n’ Roll nur so strotzend um die Ecke zu kommen. Die 5 Songs sind alle für sich beeindruckend eingängig und eher simpel gehalten denn überfrachtet. Zwar gibt es den einen oder anderen unerwarteten Tempowechsel (z.B. in „Phantomschmerz“, in dem dann auch die obligatorische Reminiszenz an die heiligen BLACK SABBATH nicht fehlen darf), dies geht jedoch nicht zu Lasten der Nachvollziehbarkeit. Man spürt auf angenehme Weise die Direktheit und Ehrlichkeit in den Songs des Trios, wozu auch der sparsam eingesetzte Gesang beiträgt (2 von 5 Songs sind komplett instrumental), der obendrein in österreichischer Mundart vorgetragen wird, was allerdings gar nicht großartig auffällt, da Gesang im Kontext von „Schneeblind“ generell eher eine Nebenrolle zu spielen scheint und sich angenehmerweise nicht zu sehr in den Mittelpunkt rückt. Hier wird ganz offensichtlich Wert auf ein homogenes Gesamtbild gelegt anstatt einzelne Aspekte über Gebühr zu betonen. Der getragene Abschluss des Drehers „Liab“ ist dann noch ein netter Kontrast zum ansprechend rockenden restlichen Material, kommt jedoch eigentlich ein wenig zu früh, man wird das Gefühl nicht los, dass es noch ein paar Minuten mehr gebraucht hätte, um sich vollends mit CHANGÓ anzufreunden, bevor es schon wieder ruhig wird.

Fazit: „Schneeblind“ ist mit Sicherheit keine Weltsensation und noch viel weniger eine Neuerfindung eines Genres, aber doch ein ansprechendes (kurzes) Stück ehrlicher, handgemachter Rockmusik mit sowohl grünen Pflanzen als auch Bier im Haar. Live hat das bestimmt noch eine ganze Menge mehr Energie, aber bis dahin kann man sich auch die Konserve durchaus schmecken lassen.

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