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CHARLES LINDBERGH N.E.V. - Ueberall ist ueberall

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Artist CHARLES LINDBERGH N.E.V.
Title Ueberall ist ueberall
Homepage CHARLES LINDBERGH N.E.V.
Label SUBOPTIMAL-RECORDS
Leserbewertung
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8.0/10 (2 Bewertungen)

Schaut man einmal in die Diskographie des Hamburger Minimal Elektro-Projekts CHARLES LINDBERGH n.e.V., ist die vorliegende Veröffentlichung „Ueberall ist ueberall“ ein Quasi-Debut-Album. Zumindest aus Sicht einer CD-Pressung mag das stimmen. Die ganze Wahrheit ist aber, dass die Formation um Haiko Herden, Carol Stecker und Suntje Freier bereits auf eine ansehnliche Menge Vinyl- und CD-R-Veröffentlichungen zurückblicken kann und die Geschichte der Band bereits in den 80ern begonnen hat. Herr Herden ist durch weitere Band-Projekte wie ANTI TRUST, EVASION ON STAKE oder auch NEWS ON FRIDAY, sowie seine Labelarbeit bei NLW, SUBOPTIMAL-RECORDS und SCHALLPLATTEN AUS LURUP, bis hin zu seiner Autorentätigkeit (aktuelles Buch „Die rote Gefahr“) beileibe kein Unbekannter mehr.

„Ueberall ist ueberall“ bietet insgesamt 14 Stücke feinster Minimal-Elektronik, die sich durch hohe Eingängigkeit und enormen Wiedererkennungswert auszeichnen. Der Opener „An“ ist ein zauberhaftes Instrumental mit schwebenden Flächen und einer wunderschönen Melodie. „Warum“ ist gewissermaßen das Titelstück des Silberlings – stammen doch die Refrain-Zeilen „Ueberall ist ueberall“ aus dem Song. Dieser Track bietet einen treibenden Rhythmus und nistet sich mit seinem sehr seltsamen, aber coolen Refrain (die Stimme wurde gesungen „hochgepitched“) unweigerlich im Ohr ein. Auch „Zweisam“ hat einen sehr schönen Refrain – weibliche und männliche Vocals tragen hier einen sehr emotionalen Song vor. „Die Maenner von S.M.E.R.S.H.“, der die Spionageabwehr der Sowjetunion im zweiten Weltkrieg thematisiert, geht voll nach vorne los und gehört auf jeden Fall in die einschlägigen Clubs. Tatsächlich ein sehr gutes Stück zum Abzappeln. „Die Tochter der Sonnengöttin“ drosselt das Tempo wieder etwas und kann erneut durch einen eingängigen Refrain erzeugen. Mit „Muss das Nummer 10 sein“ folgt einer meiner Favoriten. Ich habe das Album enorm oft während des Autofahrens gehört und da war das Stück ein klasse Soundtrack. „Telstar“ ist eine Coverversion des gleichnamigen Hits der TORNADOS, der einer der erfolgreichsten Instrumentalstücke weltweit wurde. Wem die Melodie bekannt vorkommt – sie aber evtl. nicht einordnen kann: Auch WELLE: ERDBALL haben die Melodie schon in Ihrem Stück „VW-Käfer“ verwendet. „Der neue Himmel“ ist wieder etwas emotionaler und mehr in Richtung Synthi-Pop. „So weit“ und „Die letzte Sonne“ wirken experimenteller und aggressiver mit ihren Shouts und Vocodereinlagen. „Die letzte Sonne“ würde perfekt auf den Dancefloors funktionieren – da bin ich mir sicher. Bei „Mond der Wahrheit“ gibt es wieder einen gefühlvollen Ohrwurm mit weiblichen Vocals, im Refrain dann als Duett mit dem Gesang von Haiko. Das Instrumental „Aus“ beendet den Hauptpart des Silberlings. Es folgen noch die zwei Bonustracks „Ich hab gedacht es koennte“ und „Maerchenliebe“ , wobei der erste in einem experimentellerem Gewand daherkommt und der zweite sehr Ohrwurm-fokussiert ist.

CHARLES LINDBERGH n.e.V. liefern mit „Ueberall ist ueberall“ ein tolles, einprägsames Album ab, dass sehr viel Spaß macht. Um das Album genießen zu können, muss man jedoch bereit sein, sich auch einmal auf etwas anderes einlassen zu können. So überzeugt der Longplayer mit einem ganz eigenem Charme, vielen Ohrwürmern, interessanten Texten, die sich selbst augenzwinkernd und nie zu ernst nehmen. Fans von Minimal Elektro und abseits-des-Mainstreams-NDW sollten hier auf jeden Fall zugreifen.

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