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CHRIS CAFFERY - Faces/ God Damn War

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Artist CHRIS CAFFERY
Title Faces/ God Damn War
Homepage CHRIS CAFFERY
Label BLACK LOTUS RECORDS
Leserbewertung
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Was hat dieser Man für eine Wut im Bauch! In „Pisses me off“, dem heimlichen Hit des Sommers, sitzt CHRIS CAFFERY fest im Sattel des tobenden Stieres, schreit beinahe wie Zack de la Rocha und zählt genüsslich tobend auf, was ihn alles ankotzt: „eMail, Starbucks, „the war“. Sogar das Glück und die lachenden Gesichter der ihn umgebenden Menschen regen ihn bis zum Schilddrüsenbruch auf. Derart cholerisch ist der Gitarero, dass er zwei randvolle CDs mit Musik eingespielt hat, vollgestopft mit Hasstiraden und wüsten Unmutsäußerungen.

Davon ist „Faces“ das legitime und offizielle Debüt des SAVATAGE-Mitglieds. Und obwohl CAFFERY bereits 24 Jahre im Zirkus namens „Showbusiness“ dabei ist, hat er sich offensichtlich die besten Stücke dafür aufgehoben: 16 Tracks, 74 Minuten Metal vom Feinsten. Dabei ist die Scheibe durchaus nicht als reine Sammlung von potentiellen Singles angelegt, sondern begeistert gerade aufgrund des 100% stimmigen Albumaufbaus. Doch man kommt nicht umhin, die Songs zu loben. „Fade in the X“ bremst das Riff von Rammsteins „Heirate mich“ (das übrigens auch EVANESCENCE auf „Whisper“ spazierenfuhren) auf das Tempo einer alles plattbügelnden Dampfwalze herunter, während die Bauarbeiter „Ah-hah, Ah-hah“ singend in die Hände spucken. „Bag o’ Bones“ ist in Titel und Musik eine ausnahmsweise gelungene Ode an ALICE IN CHAINS und in „Life, crazy life!!!“ blickt man – nicht nur der drei Ausrufezeichen wegen – verstört auf: Der Mann benutzt doch gar keinen Haarspray! Während er die Balladen mit Fingerspitzengefühl behandelt, werden die schnellen Titel mit dem Vorschlaghammer malträtiert: Das Riffing ist jedenfalls näher am Death, als an den Powermetal Schemata. Und während gerade die Soli so zahlreich wie streckenweise austauschbar bleiben (Ausnahme: „Never“), behauptet sich CAFFERY in der Vokalkunst mehr als passabel. Eine nicht zu schrille, druckvolle und variable Stimme, die mühelos von rauem Schreien über energischen Gesang bis hin zu sanfter Intonation wechselt. Bei letzterer ist eine eher unerwartete Parallele zu Jon Anderson (ja, dem von YES!) auszumachen – kein Pluspunkt in Sachen Coolness, aber sicherlich keine Schmach. Während „Faces“ also alles auffährt, was uns im Rock lieb und teuer erscheint, ist „God Damn War“ nur noch böse. Auf Bush, die Heuchler, die Männer an die Macht. Die Saitenarbeit ist womöglich noch überzeugender, der Titelsong ein Juwel, „I“ eine ergreifende Anklage an diejenigen, die bedenkenlos das individuelle Schicksal der Soldaten zu einem kollektiven umdeuten. Nur gehen die Ansätze nicht über die tobenden und wirklich grandiosen Riffs hinaus. Eine perfekte Platte zum Headbangen und Frust ablassen. Eher weniger eine zum bewussten Hören.

Die Kombination macht es auch in diesem Fall: Die beiden Alben kommen in verschiedensten Materialvarianten, aber immer als doppeltes Lottchen daher. Und wer das ganze Theater um ICED EARTH nicht verstehen konnte, dem sei gesagt, dass CHRIS CAFFERYs Debüt mehr ist als nur eine gute Platte und viele schöne Worte. Es ist der persönliche Triumph eines sich ansonsten so zweckdienlich gebärenden Musikers. Es müsste schon komisch kommen, wenn es nicht auch ein kommerzieller wird. Doch kotzt ihn das wahrscheinlich schon jetzt an.

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