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CIBORIUM - Overgrowing Human Void

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Artist CIBORIUM
Title Overgrowing Human Void
Homepage CIBORIUM
Label TWO FAT MEN
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Wie viele Melodic Death Metal Alben kann man vertragen? Selbst wenn sie gut sind? Selbst wenn sie eine eigene Handschrift aufweisen und sich nicht allzu sehr an bekannten Größen aufhängen? Man sollte wirklich etwas zu sagen haben oder das bereits Gesagte in neue Schläuche zu füllen im Stande sein, wenn man sich an eine Veröffentlichung wagt. Immerhin bietet das Genre viele Entwicklungsmöglichkeiten und ist ohnehin breiter aufgefächert als die meisten anderen: Mehr Socken passen nur in wenige Schubladen. Die von CIBORIUM riechen dabei angenehm frisch und kommen mit einem abweichenden linken und rechten Paar daher. Das eine trägt die Farben Portugals, das andere die des Feuers und der Nacht.

Dunkel nämlich sind sie, die Poeme, welche die Band verfasst hat und die ausnahmsweise auch neben der Musik Bestand haben dürfen: „Take a dive into the pool of black lights/ The absence of knowledge pleases all/ A restful clerical sleep“ Man kann mit Gewissheit sagen, dass Overgrowing Human Void“ nicht aus Zorn, sondern Zerknirschtheit entstanden ist. Schon der Titel deutet an, dass es um die Sinnsuche geht, um das Füllen eines klaffenden Loches und einer kalten Leere, welche sich über das Land legt. Um die eigene Bedeutungslosigkeit und scheinbare Unfähigkeit, mit dem Tempo der Veränderungen Schritt zu halten. Um den Rückzug ins Private. Wie eine Schnecke fühlt sich Joao Sequiera, träge und traurig, doch auch glücklich darüber, ein Dach auf dem Kopf zu haben. In den tiefen Grunts klingt er besonders diabolisch, in den gesungenen Strecken extrem verletzlich. Seine Stimme muss nicht mit den Instrumenten um Gleichberechtigung kämpfen, sondern steht mitten im Geschehen. Der schön dreckige Bass gibt verdammt effektiv den Ton an, doch wurden die melodiösen Gitarren bedeutend lauter abgemischt, woraus eine merkwürdig morbide Stimmung resultiert. Starkes und mittelmäßiges wechselt sich ab, doch behält das Gute die Oberhand: Die artistische Zirkusnummer „Nuclear Graft“ dürfte auch in Zukunft bei Prog-Rock-Kollegen besser aufgehoben sein, doch „The Neverending Glide“ ist eine wahre Fundgrube für Hooks und „Skyshaper“ wird von einem fast schon folkloristischen Thema geprägt. Manches Mal meint man, CIBORIUM werden gleich den großen Wurf landen. Doch es scheint, als verkrampften sie bei dem Gedanken, nachzulegen. Das Riff von „Walking on Razors“ ist schlichtweg brillant, doch kann der Song einfach nicht mithalten. Das passiert mehr als einmal.

Bedeutet aber nur, dass die Band noch am Anfang steht, nicht am Ende. Man muss ein Album schließlich nicht ausschließlich auf seine Unfertigkeiten hin prüfen. Sondern vielmehr nach dem Schönen suchen, nach dem, was einen berührt. Davon gibt es auf „Overgrowing Human Void“ genug. CIBORIUM haben auf jeden Fall etwas zu sagen. Jetzt geht es nur noch darum, die Gedanken in eine würdige Form zu gießen.

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