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CLAUDIA BRÜCKEN - The Lost Are Found

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Artist CLAUDIA BRÜCKEN
Title The Lost Are Found
Homepage CLAUDIA BRÜCKEN
Label THERE MUSIC
Leserbewertung
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4.2/10 (33 Bewertungen)

Ich mag RIHANNA nicht. RIHANNA hat keinen Wiedererkennungswert, bei jedem neuen Song muss mir ein Radiomoderator erst mal erzählen, dass das die neue Single von RIHANNA ist, sonst würde ich glatt denken, das ist wieder irgendeine neue, wenig talentierte Sängerin, der man einen Plattenvertrag gegeben hat oder die über irgendein ach so grandioses YouTube-Video in die Schlagzeilen und damit ins Radio gekommen ist. Wie gesagt, ich mag RIHANNA nicht.

Warum ich das erwähne? Weil mich das Formatradio mit RIHANNA und all dem anderen sinnentleerten Müll bombardiert und mir weismachen will, dass das total gute Musik ist. Wenn im Radio gute Musik laufen würde, dann ich unter anderem ganz sicher regelmäßig CLAUDIA BRÜCKEN hören. Geht aber nicht. Bestenfalls wünscht sich irgendwer beim „80er Jahre Special“ den PROPAGANDA-Song „Dr. Mabuse“, und das war’s dann auch schon. Geht es nach dem Radio, dann endet CLAUDIA BRÜCKENs Karriere nach PROPAGANDA. Claudia im Duett mit Glenn Gregory von HEAVEN 17? Nie gehört. Claudia im Projekt ACT? Nie gehört. Claudia im Projekt ONETWO (mit Lebensgefährte und Ex-und-wieder-OMDler Paul Humphreys)? Nie gehört. Claudia als Solokünstlerin? Nie gehört.

Ich erwarte ja keine Sondersendungen zum Thema, aber irgendwie verfehlt der öffentlich-rechtliche Rundfunk seinen Auftrag, die Hörer zu informieren, indem er ihnen das alles vorenthält und ihnen stattdessen RIHANNA vorsetzt. So erfährt der interessierte Hörer natürlich auch nicht, dass Frau Brücken mal wieder ein Album veröffentlicht hat – und was für eines! Zugegeben, nichts auf „The Lost Are Found“ ist für das heutige Formatradio airplaytauglich, aber das spricht für eine gewisse Konsequenz der Künstlerin – warum sich verbiegen und um jeden etwas Poppiges auf CD bannen, wenn ja in den Musikredaktionen doch wieder kein Schwein hinhört? „The Lost Are Found“ ist zwar das, was man als Coveralbum bezeichnen darf oder muss (Letzteres, weil es in letzter Zeit inflationär viele Musiker dazu getrieben hat, ein Album mit all den Songs aufzunehmen, von denen ihre eigene Musik maßgeblich beeinflusst wurde), aber Frau Brücken packt nicht zehn oder zwölf Tracks auf ein Album, von denen man hoffen könnte, dass sie ein möglichst breites Publikum ansprechen, sondern sie geht einen ganz anderen Weg. Sie sucht sich Perlen der Popmusik aus, die quasi immer noch in der Muschelschale stecken, weil sie auf einem Album irgendwo weit hinten versteckt waren oder weil sie von einer Single stammen, die vom Publikum kaum noch wahrgenommen worden ist, und sie verleiht ihnen ihre ganz persönliche Note. BOWIEs „Everyone Says ‚Hi'“ oder „Kings Cross“ von den PET SHOP BOYS oder auch die wenig bekannte B-Seite „One Summer Dream“ vom ELECTRIC LIGHT ORCHESTRA klingen von Claudia interpretiert eigentlich wie Songs, die extra für sie geschrieben wurden, und beim wunderbar elegischen Eröffnungstrack „Mysteries of Love“ könnte man meinen, dass David Lynch und Angelo Badalamenti nur notgedrungen Julee Cruise das Original für Lynchs Film „Blue Velvet“ haben singen lassen, obwohl sie eigentlich Miss Brücken haben wollten.

So perfekt wie diese vier Songs sind auch die übrigen sieben Titel, weshalb man sich als Hörer sehnlichst wünscht, die CD wäre länger geraten als nur knapp 48 Minuten. Aber vielleicht kommt ja irgendwann eine Version mit mehr Titeln, zu hoffen wäre es jedenfalls. Wer nicht so lange warten will, kann sich übrigens auf das kommende OMD-Album „English Electric“ freuen, da wird ihre Stimme wieder zu hören sein – interessanterweise beim Song „Kissing the Machine“, den Andy McCluskey mit Karl Bartos geschrieben hat, seines Zeichens Ex-KRAFTWERKer, womit es nach fast dreißig Jahren doch tatsächlich noch gelungen ist, eine Verbindung zwischen den beiden Düsseldorfer Bands KRAFTWERK und PROPAGANDA zu schaffen.

Ähm … dass ich RIHANNA nicht mag, hatte ich schon erwähnt, nicht wahr? Und warum ich sie nicht mag, dürfte jetzt auch klar sein: Sie mag Millionenmal mehr CDs und Downloads verkaufen, aber ein Album wie „The Lost Are Found“ wird sie in hundert Jahren nicht vorlegen können.

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