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COLDPLAY - Viva la Vida or Death and all his Friends

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Artist COLDPLAY
Title Viva la Vida or Death and all his Friends
Homepage COLDPLAY
Label EMI
Leserbewertung
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7.7/10 (12 Bewertungen)

Vor 3 Jahren schreckte mein hochgeschätzter Kollege tocafi nicht einmal davor zurück, Chris Martin mit Gott zu vergleichen. Zumindest kann man den Vorgänger „X&Y“ mit Fug und Recht als göttliches Werk bezeichnen, so wie denn man samtenen Pop Rock mit Gänsehautfaktor schätzt. In der Zwischenzeit trug sich die Band mit Auflösungsgedanken, und das Label litt unter massivem Imageverlust inkl. Boykott-Androhungen der wichtigsten Pferde im Stall. Von einem enormen Druck zu sprechen, der somit auf dem Londoner Quartett lastete, sollte also in diesem Fall mal keine leere Worthülse sein. Zumindest beim sperrigen Titel konnte man sich nicht ganz für eine Richtung entscheiden, warum auch festlegen, wenn man beides haben kann. Den Tod und das Leben, Melancholie und Fröhlichkeit. Wobei letztere doch eine dominante Stellung einnimmt auf der Silberscheibe in der verkleinerten Vinyl-Kartonage.

Nach einem Intro täuscht „Cemeteries of London“ zunächst geschickt die Fortsetzung des X&Y-Stils an, man taucht sogleich in COLDPLAYs hypnotische Schwingungen ein. Danach allerdings werden einige neue Elemente in den Sound integriert, der musikalische Kosmos ist deutlich offener geworden. Während die Vorab Single „Violet Hill“ mit klassischem Prog Rock/ Pop der Marke SUPERTRAMP kokettiert, blitzen bei „Lovers in Japan…“ immer mal wieder U2-ähnliche Parts auf. Aber auch BIG COUNTRY und der ein oder andere THE MISSION-Track („Like a Child again“) drängen sich hier auf. „Yes“ integriert auf geschickte Art und Weise orientalische Parts, „Lost“ wirkt beizeiten recht sakral und „42“ beginnt als sanfte Begleitung eines Nouvelle-Vague-Films, bevor nach knapp Minuten ordentlich Dynamik ins Spiel kommt. Streicher Arrangements und Orgelklänge geben vielen Kompositionen gleichsam Wärme wie 70ies Flair.

Alles in allem wird die Ohrwurmdichte des megaerfolgreichen dritten Albums nicht erreicht, dafür wirken einige Songs und Parts zu sperrig, die Magie ist aber durchaus noch zu spüren. Als Mittelweg aus Anpassung und totaler Verweigerung sicherlich der richtige Weg für COLDPLAY, die ganz nebenbei noch 2 Hidden Tracks auf der Scheibe untergebracht haben. Vollkommene Begeisterung mag sich nach einigen Hördurchgängen bei mir noch nicht einstellen, ich bin mir aber relativ sicher, dass diese Platte wachsen wird, so klischeehaft das auch klingen mag. Chris Martin ist zur Erde zurückgekehrt, doch er kann immer noch über Wasser gehen…

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