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COPPELIUS - Extrablatt

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Artist COPPELIUS
Title Extrablatt
Homepage COPPELIUS
Label F.A.M.E.
Leserbewertung
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5.3/10 (12 Bewertungen)

Sie sind wieder da, die 6 Herren aus dem 19 Jahrhundert. Rund zwei Jahre sind seit dem Album „Zinnober“ vergangen, die aber sinnvoll mit einer ausgedehnten und vielumjubelten Konzertreise ausgefüllt wurden. Da blieb dann doch noch Zeit, ihr „Extrablatt“ vorzubereiten. Die Vorgängeralben wurden mit der ungewöhnlichen Instrumentierung Klarinette, Kontrabass, Schlagzeug, Cello und abwechselnden Gesang eingespielt und das ergab so den Sound, mit dem sich COPPELIUS landesweit eine große Fangemeinde erspielt haben. Die meisten Songs der letzten drei Alben klangen meiner Meinung allerdings doch recht ähnlich und auswechselbar, ist man jetzt aus diesem doch recht dürftigen Instrumentierungskorsett ausgebrochen und hat den Mut bewiesen, etwas Neues auszuprobieren?

Beim Lesen der Trackliste wird aber klar, da bleibt alles beim Alten: „Spieldose“, „Reichtum“, „Glaubet ihr“ oder „Mitten ins Herz“, das hört sich an, als hätten diese Tracks genauso gut auf der „Zinnober“ oder „Tumult!“ Platz gehabt. Egal, erst mal rein in den Player und sich selbst überzeugen und schon beim ersten Durchlauf bin ich angenehm überrascht. Das neue Werk ist eindeutig COPPELIUS, aber doch irgendwie anders. Comte Caspar (Klarinette,voc),Sissy Voss (Kontrabass), Nobusama (Schlagzeug), Butler Bastille (voc), Max Coppella (Klarinette, voc) und Graf Lindorf (Cello, voc) setzen zwar weiterhin auf ihren selbstbetitelten Kammer-Core, aber es würde mich wundern, wenn die Herren bei einigen Songs nicht richtige E-Gitarren und Gesangsverzerrer eingesetzt haben. Und nicht nur das, ihren schwarzen Humor haben die Herren beibehalten und bei „Welt Im Wahn“ und „Reichtum“ halten sie der heutigen Gesellschaft schonungslos einen Spiegel vor. Auch „Bitten, Danken, Petitieren“ befasst sich mit unserer schnelllebigen Zeit und vom Thema her gibt es durchaus einen Bezug zu DEICHKINDs „Bück Dich Hoch“. Auf ihren Konzertreisen wird dieses Stück mit Sicherheit eines der Highlights werden. Das kitschig schöne „Butterblume“ gönnt den Ohren ein wenig Pause, denn mit dem zweite Teil des Werkes zeigen COPPELIUS mit den Songs „Glaubtet Ihr?“, „Mitten ins Herz“ und „Glanz und Eleganz“ ihre morbide Seite. Gerade der letzte Track könnte auch aus der Feder von RAMMSTEIN stammen und auch die Interpretation orientiert sich an Till Lindemann und Co.

Wie bei den bisherigen Veröffentlichungen darf auch auf diesem Werk das obligatorische IRON MAIDEN-Cover nicht fehlen. Dieses Mal wurde „Running Free“ auserwählt und ins coppelianische musikalische Gewand gepackt. Dabei fällt auf, das COPPELIUS ausnahmslos Songs von den ersten beiden Alben der Briten bearbeiten, bei denen noch Paul Di’Anno für den Gesang verantwortlich war. Hat die Band für Bruce Dickinson nicht viel übrig? Neben dieser Coverversion sind mit „Locked Out“ und „I‘d Change Everything“ zwei eigene englischsprachige Kompositionen auf den Silberling gelangt. Es ist ja kein Geheimnis, dass es in den letzten Jahren immer wieder zu Zusammenarbeit mit SUBWAY TO SALLY gekommen ist, in welcher Form auch immer. So eröffneten COPPELIUS schon einige Shows für die Potsdamer oder Frau Schmitt und Eric Fish sind als Gastmusiker auf den letzten Alben zu hören. Dieses Mal wurde „Maria“ von den SALLYs gecovert und beendet nach 50 Minuten das „Extrablatt“.

Eine richtig gute Weiterentwicklung der Berliner, die auf diesem Werk auch einiges neues ausprobiert haben. Bestes Beispiel ist „I‘d Change Everything“, das ein Crossover Stück der besonderen Art ist. Da geht Metal in Swing über und teilweise sind auch Krautrock Anleihen rauszuhören. Das Digipack ist nicht so opulent ausgefallen wie bei den Vorgängern, sondern eher schlicht gehalten, wie eine Zeitung eben. Auf jeden Fall sollte man sich eine ihrer spektakulären Shows ansehen, denn diese Herren wissen, wie man das Publikum rockt.

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