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CORNAMUSA - s/t

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Artist CORNAMUSA
Title s/t
Homepage CORNAMUSA
Label BSC MUSIC/ SIXSTEIN
Veröffentlichung 18.11.1993
Leserbewertung
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6.0/10 (2 Bewertungen)

Grundsätzlich bin ich der grassierenden Mittelalterwelle ja durchaus nicht abgeneigt. Aber manchmal gibt es Trittbrettfahrer, die einfach nicht gehen. CORNAMUSA sind so ein Fall: Da faselt das Presseinfo etwas von einer Kombination aus „modernen Gitarrenriffs“, „keltischen Dudelsackklängen“ und „Synthiesounds“. Das hört sich ja an, als ob MACHINE HEAD mit CRUACHAN und MELOTRON zusammen eine Scheibe aufgenommen hätten und schon bei diesen drei renommierten Bands würde mir eine Kombination die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. CORNAMUSA aber sind keine renommierte Band und das Ergebnis möchte ich einmal wohlwollend als „jämmerlich“ bezeichnen.

Die Zitat „5 jungen Musiker voller Tatendrang“ mögen ja ihre Instrumente beherrschen, sie mögen auch mit den besten Absichten zu Werke gehen, aber sie wären besser auf den Mittelaltermärkten irgendwelcher Kleinstädte geblieben. Wobei sie eigentlich auch dorthin nicht passen, denn sie spielen antiquierten Hard Rock mit Simpel-Refrains, schlimmer englischer Phrasierung und noch schlimmeren Klischeetexten. Songtitel wie „Bad Boys“, „She’s a vixen“ oder „Shaverman“ (Der Rasiermessermann???) sprechen eine deutliche Sprache. Zu dieser ohnehin unterdurchschnittlichen Mucke wird dann noch ein unmotivierter Dudelsack addiert, der aber auch überhaupt gar nicht zum Rest passt und nur bei den Soloparts (wie zu Beginn von „Heart of Fire“) so etwas wie Atmosphäre ausstrahlt. Die Refrains haben einen so langen Bart, als ob sie seit dem Mittelalter nicht mehr frisiert worden wären und dem Songwriting fehlt jegliche Klasse. Und um den ganzen vollends die Krone aufzusetzen, wird sogar hin und wieder hip hoppiger Sprechgesang eingesetzt („Run from the Devil“), vielleicht ist das das beschriebene „moderne Element“, aber es gleicht eher dem Tatbestand der Körperverletzung: FÜRCHTERLICH! Wie man eine drittklassige SCORPIONS-Kopie mit CORVUS CORAX-Standards und englischem Sprechgesang unter jeder Würde verbinden kann, ist mir ein Rätsel. Möglicherweise habe ich aber auch nicht den nötigen Promillegehalt im Blut, um diese CD zu verstehen.

Mein ehrlich gemeinter Tipp: Entweder ihr spielt reinen Hard Rock und übt noch ein wenig, oder ihr reduziert euren Sound auf die Mittelalterelemente, ob ihr die nun keltisch oder serbokroatisch nennt. Eine wirklich krude Scheibe, die im Gegensatz zu vielen Black Metal-Veröffentlichungen den wahren Terror heraufbeschwört…
TK

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CORNAMUSA – ist das jetzt Mittelalter oder nicht? Laut ihrer eigenen Aussage auf der Homepage – nein, kein Mittelalter, aber sie werden gerne für Mittelalterfestivals gebucht. Und: Dudelsäcke allein macht noch keine mittelalterliche Musik aus. Jedoch unterstützt die Weise, wie CORNAMUSA sich auf der Bühne kleiden, vielleicht die Tendenz noch, sie der Richtung der Mittelalterwelle zuzuordnen.

CORNAMUSA sind 6 (gutaussehende) Männer – und alle können singen. Und damit meine ich nicht „sie haben Lieder, in denen sie singen müssen“ – nein, sie KÖNNEN singen. Gut, live habe ich CORNAMUSA noch nicht erleben dürfen, aber die CD hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Entstanden aus den „Brass-Rock-Tigers“ kristallisierte sich nach vielen personellen Wechseln das CORNAMUSA–Projekt heraus. Erster Song „Walk all over you“, erster Eindruck: Hat ein bisschen was von „Born to be wild“–Feeling, aber irgendwie auch ein was von gemütlicher Lagerfeuermusik. Der stete Einsatz von Gitarren gefällt einem Rockfan natürlich – und der Gesang, der ein wenig hinter der gut eingespielten Musik zugesetzt wird, rein tontechnisch, sowie der Refrain – geben zusammen genommen ein stimmungsvolles Lied, das zum tanzen und mitgrölen anregt. Der zweite Song unterscheidet sich dann schon sehr vom ersten – „Run from the devil“ ist temporeicher, und erzeugt eine ganz andere Stimmung als „Walk all over you“ – Anspannung, Gitarrenriffs, die live bestimmt noch energiegeladener beim Hörer ankommen als von der CD und der Gesang, der nicht von der Stimme, aber von der Art ein wenig an eine Mischung aus PLACEBO und ZERAPHINE erinnert, ist er weniger zum Mitsingen, aber absolut zum Abtanzen geeignet.

Und so könnte man weitermachen – die Mischung auf dem Album ist einfach grandios, und lässt sich auch nicht mit anderen Bands der Szene vergleichen. CORNAMUSA entwickeln einen Stilmix, der sie gleichzeitig auszeichnet und zu ihrem persönlichen Stil wird. Zwischen Mitsingen–Wollen und Abtanzen kann einen dieses Album sicherlich zu vielem verführen. Auch die etwas melancholische, romantische Seite fehlt nicht – so zum Beispiel ist der sehr melodische Song „Ebony Eyes“ ruhig und mit stimmungsvollem Text unterlegt. CORNAMUSA haben wirklich für fast jedes Gefühl die richtige Musik. Und das, obwohl auch bei diesem Lied die Gitarren im Einsatz sind. Ebenso „Gates of Eden“, welches musikalisch und auch gefühlsmäßig in dieselbe Richtung geht, und auch die Single vor diesem Album war. Um auf die Frage nach dem Mittelalter zurückzukommen – so kommt der Dudelsack zwar häufig zum Einsatz, vor allem am Anfang einiger Stücke und in den nicht mit Gesang unterlegten Teilen – aber der mittelalterlichen Musik zuordnen würde ich CORNAMUSA sicherlich nicht. Aber es muss ja auch nicht Mittelalter sein, um zu gefallen (wer wird denn so engstirnig sein) – und das betrifft sowohl Musik als auch Band. Wenn selbige auf der Bühne zur Musik die passende Party im Publikum anregt – dann möchte ich mal dabei sein.

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