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CREMATORY - Antiserum

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Artist CREMATORY
Title Antiserum
Homepage CREMATORY
Label STEAMHAMMER/ SPV
Leserbewertung
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8.0/10 (1 Bewertungen)

Erfolgreiche Bands polarisieren immer, schließlich ist Musik eben Geschmackssache und was dem einen Ohr Engelschor-gleich schmeichelt, zerfetzt dem anderen die Gehörgänge. Ähnlich verhält es sich auch mit den musikalischen Ergüssen der Goth-Metal-Veteranen CREMATORY. Die Süddeutschen gehören zu den langlebigen Glanzlichtern im Gothic-Dunkel und begeistern besonders seit ihrem Comeback-Album von 2004 – „Revolutions“ – mit ihrer Mischung aus Goth, Metal und EBM eine treue Anhängerschaft.

10 unglaubliche Jahre ist das jetzt schon wieder her und CREMATORY werfen mit „Antiserum“ ein diesmal deutlich elektro-lastigeres Werk in das undurchsichtige Milieu zwischen anspruchslosem Düster-Pop und ernst gemeintem Death Metal. Ein Antiserum gegen allzu schwermetallische Elemente? Denn die Zusammenarbeit mit Elmar Schmidt (CENTHRON) spiegelt sich auf dem neuen Silberling in nahezu jedem elektronischen Partikel dieser Scheibe. Wohin jetzt mit dieser skurrilen Mischung der Goth-Urgesteine? Beim ersten jungfräulichen Hörversuch fällt auf: Einerseits sind da liebgewonnene und charakteristische CREMATORY-Züge wie Felix‘ tiefe Growls in Abwechslung zum anhörlichen Klargesang von Gitarrist Matthias. Andererseits überraschen die deutlich hörbaren Düster-Gleichschritt-Tanztempel-Elemente auf „Antiserum“. Das muss man mögen – oder auch nicht. Schön, dass der Opener „Until The End“ nach dem langen Intro „Apocalyptic Vision“ von knapp 2 ½ Minuten erst einmal zeigt, wo der CREMATORYsche eisenharte Hammer hängt und die künstlichen Spielereien einfach mal das sein lässt, was sie eigentlich sind, nämlich schmückendes Beiwerk. Mit elektronischem Firlefanz verbucht die nun folgende Singleauskopplung „Shadowmaker“ tatsächlich Ohrwurmpotential und wird damit zum ersten Highlight dieser Scheibe. „If you believe“ dümpelt im CREMATORYschen Mittelmaß, während „Inside your eyes“ eingängige Refrains melodisch in Clean-Vocals verpackt präsentiert und den gewöhnungsbedürftigen EBM-Sound hier unaufdringlich integriert. Kommt näher“ allerdings ist eher zum Davonlaufen geeignet, lassen CREMATORY hier nicht ein Klischee-Fettnäpfchen aus: Der monotone Chorus und beispiellos einfallslose Lyrics sind ein echt ärgerlicher Ausreißer nach unten, den auch das folgende „Irony Of Fate“ nicht retten kann. Mit „Virus“ und „Back From The Dead“ driftet der Silberling dann endgültig und insbesondere textlich ab in Gefilde des eigenen Musikarchivs, die man nie wieder aufdecken muss. Weitaus mehr (Live-)Potential bietet da beispielsweise das mitreißende „Welcome“. Nichts anderes erwartet doch der treue Langhaarschüttler und bisweilen Hüften-Schwinger: einfache (klischeebeladene) Stücke mit melodisch einprägsamen Refrains, die die CREMATORYsch musikalische Kompetenz unterstreichen. Auch der abschließende Titeltrack reißt glücklicherweise noch einmal das Ruder herum und begeistert auf wohlerwartet metallisch krachende Weise.

Licht und Schatten bietet „Antiserum“, erinnert stellenweise an beeindruckende Meisterwerke wie „Pray“ oder „Infinity“, demontiert sich jedoch auffallend mit „Kommt näher“ oder auch „Virus“ an zu vielen Stellen musikalisch einfach zu sehr, um in dieser Lichterliga zum weiteren Fixstern zu werden. Schade, dass CREMATORY es auch auf „Antiserum“ nicht schaffen, ihr Können konstant mit kompositorischen Highlights zu befeuern. Vielleicht beim nächsten Mal?

Anspieltipps: Welcome, Antiserum, Until The End
Absolute Weghör-Empfehlung: Kommt Näher, Virus

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