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CYNIC - Traced in Air

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Artist CYNIC
Title Traced in Air
Homepage CYNIC
Label SEASON OF MIST
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Auch wenn man es nicht glauben mag: Dies sind wirklich die CYNIC, die anno 1993 mit „Focus” ein ebenso legendäres wie grenzüberschreitendes Album veröffentlicht haben, das bis heute nur mit größtem Respekt und fast ehrfurchtsvoll in der Szene gehandelt wird. Auch wenn man einwenden mag, dass die Legendenbildung nicht ganz unerheblich durch das Mittun der beiden Bandköpfe Sean Reinert und Paul Masvidal bei einigen der nicht minder legendären DEATH-Spätwerke entstanden ist – unstrittig bleibt der Status dieser so ungewöhnlichen Musik. Und jetzt: 15 Jahre später erscheint das Zweitwerk und bietet 34 Minuten Musik. Keine Hidden Tracks. Keine Bonus Tracks. Nix. Nada. Rien. Aber schlicht und ergreifend 34 Minuten vollendete Musik jenseits aller Klassifizierungen, die ich im folgenden natürlich dennoch versuchen muss und an denen ich genau so scheitern werde wie allen anderen Rezensenten, die sich auch mit diesen Versuchen zu Vollbernds machen.

Also: CYNICs Musik enthält einen einfach auszumachenden Death Metal Anteil: Die Growls. Immer wieder wird auf den jazzigen Aspekt verwiesen, den die Musik wohl haben muss. Andererseits finden sich keine Improvisationen in den Songs, allesamt wirken sie sehr klar strukturiert. Jedoch könnte man sagen, dass die Struktur palimpsestartig vielfach im Entstehungsprozess überschrieben wurde, entsprechend schwierig sind die Grundstrukturen der einzelnen Stücke nicht auf den ersten Hördurchgang eingängig (übrigens auch nicht auf den zweiten oder dritten). Beispielhaft zeigt sich das in den Vocals, wo cleane Passagen und Death Growls fast ständig über und untereinander gelegt wurden, ein Trademark, das von „Focus“ noch in guter Erinnerung ist. Komplexer zeigt sich dieser Ansatz im Artwork, das vor einem düsteren Hintergrund das Bild eines menschlichen Körpers zeigt, jedoch in dematerialisierter Form, quasi als spirituelle Hülle und selbst in dieser Abschwächung (falls man das so sagen kann) noch abgeschwächt, denn die Hülle wird in mehreren Bewegungsstadien abgebildet, insgesamt also eine doppelte Lösung/ Überschreibung. Wer sich mit Derridas Begriff der Spur auskennt, mag sich hier sehr inspiriert fühlen, auch der Albumtitel weist auf die Spur ja hin.

Spätesten jetzt dürfte jedem aber auch klar geworden sein, dass es sich hier nicht um eine Band handelt, die wir auf der nächsten AC/DC Tour als Special Guests zu erwarten haben. Hier wird nicht in Richtung Bauch gerockt, hier wird gefrickelt und hier ist Kopf- und Kopfhörermusik angesagt. Sozusagen Intellektuellen Death Metal. Von mir jedenfalls gibt es eine ganz dicke Kaufempfehlung (schließlich möchte man sich ja auch mal intellektuell fühlen!) und als Anspieltipps zum Warmwerden die Riffbrecher „The Unknown Quest“ sowie das ruhig startende „The Space For This“. Viel Spaß mit dieser akustischen Lektüre und an alle Zweifler: Ja, unsere Szene braucht diese Band wirklich!

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