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D-PRESSIV - Rückblick

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Artist D-PRESSIV
Title Rückblick
Homepage D-PRESSIV
Label DARK WINGS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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6.0/10 (14 Bewertungen)

Ehrlich gesagt weiß ich nicht, was ich meinem Chefredakteur angetan habe, das den Auftrag rechtfertigt, eine Rezension dieses Albums erstellen zu müssen. Ich könnte es kurz und relativ schmerzlos machen und sagen, „schlecht,“ und das war’s, aber selten habe ich eine Veröffentlichung vorliegen, die wirklich zu 100% mies ist. Dieser Umstand ist definitiv bemerkenswert, also soll das Duo aus Schwedt auch eine ausführliche Kritik vorgelegt bekommen.

Aber wo anfangen? Eventuell schon beim absolut einfallslosen Bandnamen, der wirklich übel ist, aber da hätte man vielleicht schon bei der Gründung vor zehn Jahren mal nachhaken sollen. Schlimmes ahne ich also schon, als ich die CD dem Umschlag entnehme, und ich hatte ganz üble Synthie-Pop-Alpträume im Vorfeld und mich nicht getraut, die Platte anzuhören. Ich klappe das Digi auf und mir wird beim Durchblättern des Booklets fast schlecht, da ich mir tatsächlich sämtliche Texte vor dem Anhören auf der Zunge zergehen lasse. Kostprobe aus „Weine nicht“ gefällig? „In stillen Stunden/ bei Kerzenschein/ so tief die Wunden/ vom schwarzen Wein/ Genährt von Tränen/ von meinem Blut/ Aus meinem Leben/ in des Asches Glut.“ Aua. Schon hier bahnt sich mein nächstes Problem an: da ich D-PRESSIV vorher nicht kannte, war ich quasi dazu gezwungen, den beigelegten Promo-Sheet-Roman zu lesen. Gute Güte, mir ist klar, dass man wohl in den seltensten Fällen Germanistikstudenten zum Verfassen von solchen Texten verdonnert, aber kann sich das wirklich nicht noch irgendjemand durchlesen, bevor man diese Aneinanderreihung von Buchstaben in Druck schickt?! Ich empfand es als eine Zumutung sondersgleichen und keine Verfehlung in einem meiner früheren Leben, die nach Sühne schreit, kann mir hierfür eine hinreichende Rechtfertigung bieten.

Auf der anderen Seite sind hier natürlich echte Knaller versteckt (wer möchte, dem kann ich das mal kopieren und in echt düsteren Stunden zur Aufheiterung vorbei schicken). „Michael’s brachialer, gänsehaut erzeugender Gesang ergänzt sich perfekt mit der engelhaften, lieblichen Stimme von Katharina.“ (Originalzitat; ich habe es mir nicht gestattet, orthographisch einzugreifen.) Brachialer Gesang? Selten so gelacht, wirklich. Meine Herrschaften, wir reden hier nicht von AMON AMARTHs Johan Hegg zu (seligen) „The Avenger“-Zeiten, oder Mr Urteaga von VILE, sondern von einer ganz profanen Männerstimme, die in einer völlig normalen Tonlage wirklich schlechte Lyrics rezitiert. Und wenn ich schlecht sage, dann mein ich das auch so: ich habe keine Ahnung, wer sich von diesen pseudogesellschaftskritischen, -philosophischen und einfach nur lächerlichen Ergüssen beeindrucken lässt, allerdings bin geneigt, sogar 13-jährigen Gruftkiddies ein höheres Niveau zuzumuten. Vom engelsgleichen Gesang möchte ich an dieser Stelle gar nicht erst anfangen – dieses ausgelutschte Männer- vs. Damengesang-Konzept ist einfach nicht meine Baustelle.

Jedenfalls war ich in einer außerordentlich experimentierfreudigen, toleranten Phase, als ich mit dann eben doch mal getraute, reinzuhören. Beim ersten Versuch blieb es bei zwei, evtl. drei Minuten – dann ging es nicht mehr. Den nächsten Versuch startete ich in einer relativ düsteren Stimmungslage: die ersten drei Lieder, allerdings auch nur, weil ich gerade Geschirr spülte und zu nasse Hände zum Wechseln des Tonträgers hatte. (Noch einen Takt mehr und ich hätte wohl das Kabel durchgebissen – ungeachtet aller gesundheitlichen Konsequenzen.) Sorry, es geht nicht. Es ist mir völlig schleierhaft, wie das Duo einen Plattenvertrag zustande gebracht hat, geschweige denn seit zehn Jahren … Sachen veröffentlicht. Das ultra-billige Synthiegeplänkel ist nicht nur belanglos, sondern auch extrem nervig. Zeigt mir, wo man ein Keyboard einschaltet und ich drück auch ein bisschen auf den Tasten herum, damit das jemand aufnimmt, der sich meiner erbarmt und dann auch noch veröffentlicht. Im Booklet werden Freunde und Bekannte gegrüßt und sich bei ihnen dafür bedankt, dass sie die Band all die Jahre unterstützt und begleitet haben – hat sich niemand von ihnen getraut mal zu sagen, „hm, passt auf, das klingt jetzt nicht so wirklich super“?

Tatsächlich können Leute, die eine Lanze für Michael und Katharina brechen wollen, noch einwenden: Moment, vielleicht ist es nicht richtig, einem Fan eher härterer Klänge diese Platte zuzuschicken. Allerdings höre ich sehr viel querbeet – und selbst, wenn ich mal nichts mit der Musik aufgrund meiner persönlichen Vorlieben anfangen kann, weiß ich sehr wohl Qualität von überflüssigem Müll zu unterscheiden, weiß Kreativität und Engagement zu würdigen. Jedoch ist dies in diesem Fall beim allerbesten Willen nicht gegeben. „Rückblick findet mit Sicherheit in fast jedem CD Regal Platz…“ (wieder ein naturbelassenes Originalzitat) – Ausnahmen bestätigen ja die Regel, also bei mir ist schon mal kein Platz für „German Romantik Electro Pop“, eine Beschreibung, bei der mir sich schon der Magen krümmt. Ich kann niemandem „die Größe“ seines Regals vorschreiben, aber hiermit wurde mir vor Augen geführt, dass man sich tatsächlich für manche CDs schämen kann und sollte, wenn man sie hat. Ich brauch jetzt erstmal ´ne Runde GROINCHURN, danke.

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