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DANIEL ACHT/ ALI ECKERT - Video Kings (2-DVD)

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Artist DANIEL ACHT/ ALI ECKERT
Title Video Kings (2-DVD)
Homepage DANIEL ACHT/ ALI ECKERT
Label SPV VISION
Leserbewertung
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6.0/10 (1 Bewertungen)

Ein deutscher Indepedent Film. Halleluja. Das allein reichte für einige Medienkollegen, die schräg-liebenswerten „Video Kings“ in den Olymp der Filmunterhaltung zu schreiben. Andernorts hagelte es Verrisse. Die Wahrheit, wie so oft, liegt mal wieder in der Mitte. Daniel Acht und Ali Eckert drehten zusammen den Kurzfilm „Dark Ages“, bevor es mit wenig Geld und einigen Ideen in Richtung Berlin-Neukölln ging, wo Fabian Busch und Wotan Wilke Möring respektive ihre Filmfiguren als neudeutsche Slacker eine Videothek zugrunde richten. Der eine firmierte in „Der Untergang“ und der liebenswerten Selbstfindungskomödie „Liegen lernen“, der andere mittlerweile fast zur A-Riege deutscher Schauspieler zählend, beeindruckte als naiver Dorfpolizist in „Antikörper“. Weniger bekannt ist wahrscheinlich, dass er zusammen mit Gabi Delgado eine Weile als DAF Nachfolgeprojekt DAF/ DOS firmierte, welches 1996 ein Album mit dem schönen Titel „Allein, zu zweit, mit Telefon“ produzierte. Habe ich schon erwähnt, dass ich Querverweise liebe? Auch der Soundtrack zu den „Video Kings“ ist durchaus terroraffin und mit den BEATSTEAKS, EL*KE, MUFF POTTER etc. gut besetzt.

Wie überhaupt die Liste der namhaften Mitstreiter in Cameos beachtlich ausfällt, dieser Enthusiasmus, sich in kleinen Produktionen zum Affen zu machen, ist wirklich löblich. Mal ganz abgesehen von Wotans absurder Eisenherz/ Vokuhila-Frisur gibt es mehr oder wenige lustige Auftritte von Bela B. (als Kleinganove), Herrn Schweiger (gibt einen gewissen Captain Red Superhelden aus dem Werbefernsehen), den Comedians „Badesalz“ als Schutzengel oder Steffen Wink, der auf Pilawa-Moderatorenspuren wandelt, auf die Augen. Ganz zu schweigen von Oliver Korittke und Markus Knüfgen (der „Baise-Moi“ ausleihen will!), die natürlich für die deutsche Kultkomödie überhaupt stehen: „Bang Boom Bang“, Regisseur Peter Thorwarth ist in einer nicht unbedeutenden Nebenrolle gleich auch noch an Bord. Daneben gibt es weitere Parallelen zu „Clerks“ oder dem brandneuen „Abgedreht“, wobei man die Qualitäten lieber nicht miteinander vergleichen sollte. Die „Video Kings“ sind spielfreudig und engagiert, leider aber nicht immer pointiert und witzig. Wer wie ich auf eine Vergangenheit als Aushilfsvideothekar zurückblicken kann, wird dennoch seinen Spaß haben, insbesondere bei den vielen Anspielungen und Traumsequenzen.

Der Gag um den genialen „Memento“-Streifen als zu intellektuell für die Stammklientel zieht sich über die gesamte Laufzeit, daneben werden u.a. „Titanic“, „Das Schweigen der Lämmer“ und sogar der italienische Neorealismus erwähnt. Die Golfspiel-Szene auf dem Dach darf als direkte Hommage an das Hockeymatch in Kevin Smiths New Jersey-Debüt-Werk gewertet werden. Ansonsten spielt sich das meiste in dem schäbigen Laden und der Nachbarwohnung ab, wo eine vermeintliche Telefonsexdame ihrer Profession nachgeht, in die sich Tagträumer Flo prompt verliebt. Die Klientel des noch nicht dem DVD Zeitalter angeschlossenen Ladens setzt sich zusammen aus Hartz IV-Empfängern, Kleinkriminellen und gestrandeten Lebenskünstlern, die ein ums andere Mal ihre Weisheiten zum besten geben. Mit der Zeit gewinnt man das Protagonisten-Duo direkt ein wenig lieb, wenngleich sich die Personen nur unwesentlich weiterentwickeln. Das Ganze bleibt episodenhaft und auch das Ende kann nicht wirklich einen Spannungshöhepunkt setzen, trotz der eigens gegründeten PUSHBARS-Live Song-Einlage. Im Abspann werden übrigens alle Namen aufgeführt, die sich an der Webaktion von madhousepictures.de beteiligt haben. Erinnert natürlich an die „Herr der Ringe“-Special Editions…

Von der technischen Seite sollte man keine Wunder erwarten, das 1,85:1 Bild ist in Anbetracht der Aufnahmemöglichkeiten solide, ein paar Einfälle gehen über reines Fernsehniveau hinweg. Der Soundtrack ist wie bereits angedeutet ein großes Plus. Die DVD-Variante bietet auf Scheibe 1 noch ein paar Trailer (Herr Acht führt sein Schaffen mit dem Badesalz-Streifen „Das Baby mit dem Goldzahn“ fort), dazu kommt eine Bonus Disk, die mit Outtakes, Interviews, Musikvideos und dem bereits angesprochenen Kurzfilm reichhaltig bestückt ist.

Kann man sich also durchaus zulegen, wenn man bundesdeutschen „Loser Humor“ mag, wie er aber insbesondere in „Bang Boom Bang“ oder auch dem wunderbaren „Die Musterknaben“ noch wesentlich besser in Szene gesetzt wurde. Gibt aber ebenso wesentlich Schlechteres in dem Metier – gutes, zumeist unpeinliches Mittelmaß erreichen die Vidioten allemal!

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