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DANIEL DECKER - Weißer Wal

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Artist DANIEL DECKER
Title Weißer Wal
Homepage DANIEL DECKER
Label TUMBLEWEED RECORDS
Leserbewertung
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8.8/10 (4 Bewertungen)

Fünf Jahre ist eine lange Zeit. fünf Jahre sind vergangen seit der EP „Enklave“, mit welcher uns DANIEL DECKER auf sein Debütalbum „Weißer Wal“ aufmerksam machen wollte, welches nun – endlich – erscheint. DANIEL DECKER ist vielbeschäftigt, als Labelchef, Blogger und Mitglied des PAWNSHOP ORCHESTRAS kann so ein Album schonmal ein paar Tage länger dauern.

Der Wahlberliner reiht sich mit „Weißer Wal“ ein in die Tradition deutscher Gitarrenpopmusik, welche bereits in Hamburg zur Schule ging. Melodien und Harmonien auf kratzigen Gitarrensaiten vorgetragen und dazu die schwermütige Melancholie eines an der Gesellschaft Verzweifelnden. Hoffnungslosigkeit kommt bei DANIEL DECKER relativ häufig vor, und ohnedies deuten Titel wie „Diese Stadt ist ein Scheißdreck“, „Wir müssen zerstören“ und „Wir werden uns rächen“ nicht gerade auf einen Lebensfröhlichen Menschen hin. DANIEL DECKERS Frust ist allerdings wohl verpackt – so lässt „Diazep“ das Gehör um die orgelnden Töne und DECKERs Sprechgesang kreisen. Wer hier “Ohrwurm” denkt liegt richtig, wer BLUMFELD assoziiert, kriegt einen Blumenstrauß. Irgendwie ist er ja schon bemitleidenswert der gute Herr, wenn er uns sein Leid klagt, welches Pianogetränkt als „Langsames Gift“ durch den Organismus beatlastig pulsiert. Als „Helden für einen Tag“ predigt er von der freien Liebe in monotonem Singsang, packt die 60s Beatgitarre aus, wenn er den Dreck in seiner Stadt als pure Angst identifiziert und verfällt zum Titeltrack letztendlich in Lethargie. Sinnlos die Jagd nach dem „Weißen Wal“, dem wir alle täglich nacheilen.

DANIEL DECKER greift auf deutsche Indiepoptradition zurück und zelebriert zerebrale Stimulation mit ausgefeiltem Textwerk und sonor eingängiger Stimmlage. Couchlastige Ohrwurmtauglichkeit wird ebenso geboten, wie Musik die man besser mit heruntergelassenen Jalousien hört. Auch wenn der „Weiße Wal“ nicht der große Fang ist, den man nach fünf Jahren auf rauher See erwarten könnte, ganz hoffnungslos ist DANIEL DECKERs Solowerk auch nicht.

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