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DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER - Musik für selbstfahrende Autos

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Artist DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER
Title Musik für selbstfahrende Autos
Homepage DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER
Label IT SOUNDS
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Martin Schmeing scheint sich hinter Pseudonymen ganz wohl zu fühlen. So kennt man ihn als Tastenmann Dr. Ignatz Ignaz von den ANGEFAHRENEN SCHULKINDERN und auch als Dr. Martin Haseland, seines Zeichens Begleitmusiker von CHRISTIAN STEIFFEN und in Personalunion gar das komplette ORIGINAL HASELAND ORCHESTER. Der studierte Musiker betreibt jedoch auch zusammen mit Marcus Praed ein Tonstudio, das den schönen Namen ‚Mühle der Freundschaft‘ trägt. Dort ist auch die erste Solo-Platte der Ein-Mann-Kapelle entstanden. „Musik für selbstfahrende Autos“ heißt es und versteht sich als vielschichtiges Konzeptalbum, das während der vergangenen zwei Jahre in einem On/Off-Prozess entstanden ist.

Der Vintage-Orgel-Sammler und Studiotüftler hat mit Kompositionen wie „Seltsame Fahrt durch die Nacht“ oder „Wanderbaustelle“ eine eigene Kunstform geschaffen. „BRIAN ENO hat sich um Flughafen-Sounds gekümmert, ich übernehme mit diesem Album jetzt eben die autonomen Autos“, sagt er mit einem Lächeln und tatsächlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass sich ausgerechnet ein Mitglied der ANGEFAHRENEN SCHULKINDER dieses Themas annimmt. DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER spielt die große Bandbreite der auto-musikalischen Traditionen und Bezüge derweil wahrlich gekonnt aus. Entstanden ist zweifellos eine Electro-Langrille, doch das Digitale wird hier analog intoniert – und umgekehrt. Man fühlt sich von der Technik abgeholt, wie einst von der Weltraum-Atmosphäre der Comic-Familiensaga ‚The Jetsons‘. Direkt im Auftaktsong „Discodriving To The Beach“ spielen die Beats Ping-Pong mit Dancefloor-Pionier GIORGIO MORODER. Die Stimmung ist beschwingt und durch eine lasziv-lässige Vocoder-Stimme aufgeladen. Es folgt ein Temperaturwechsel zur „Seltsamen Fahrt durch die Nacht“. Eine Fingerübung an der analogen Orgel, die gleichwohl für den retro-futuristischen Charakter des Longplayers steht. DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER wird dabei zu einem Fernfahrer zwischen den Welten. Zwischen DAFT PUNK und Trap, zwischen der elektronisch wabernden „Ladestation“ und der Piano-Meditation „Halbschlaf“. Das Orchester gleitet versiert durch den Genre-Kosmos und findet seinen eigenen Swing. Es prophezeit eine versöhnlich heitere Autozukunft, die in „Wanderbaustelle“ im Shuffle-Rhythmus an eine funky Avantgarde andockt und sogar eine muntere Begleitmusik für die „Waschstraße“ in petto hat.

„Musik für selbstfahrende Autos“ ist ähnlich experimentell wie das autonome Fahren selbst. So weit weg ist es gar nicht mehr und doch fühlt es sich manchmal nach echter Zukunftsmusik an. Bzw. nach Sounds, die es in den Siebzigern und Achtziger schon mal von Bands wie KRAFTWERK, CAN und dem bereits erwähnten GIORGIO MORODER gab. DAS ORIGINAL HASELAND ORCHESTER beweist deren Zeitlosigkeit und leistet mit den zehn Songs des Silberlings auf geniale Weise Starthilfe.

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