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DEEP PURPLE - SPLAT!

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Artist DEEP PURPLE
Title SPLAT!
Homepage DEEP PURPLE
Label EAR MUSIC
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Bei DEEP PURPLE muss ich ja sofort an den Song „Child In Time“ denken, der nicht nur absolut großartig ist, sondern auch eine Art sich steigernden Schreigesang von Ian Gillan innehat. Auf der Polterei eines Freundes wurde dieser Song zu vorgerückter Stunde auch gespielt und der Bruder des Bräutigams, der für den Thekendienst eingeteilt war und wähernddessen seinem alkoholischen Getränkeangebot selbst ordentlich zugesprochen hatte, kreischte die Melodie noch, als der zehnminütige Track längst vorbei war. Der Gute hatte sich regelrecht in der Nummer verloren. Die Feier ist über 30 Jahre her, DEEP PURPLE gibt’s (mit einer Unterbrechung von 1976 bis 1984) seit fast 60 Jahren. Die Entstehung von DEEP PURPLE war fast so etwas wie eine Auftragsarbeit, denn die beiden Londoner Geschäftsleute Tony Edwards und John Coletta beschlossen 1967, in eine Rockband zu investieren, und beauftragten Jon Lord mit der Gründung einer Rockgruppe. Neben im bereits verstorbenen Lord (Tasten), gehörten Richtie Blackmore (Gitarre), Ian Paice (Schlagzeug), Nick Simper (Bass) und Rod Evans (Gesang) zur Combo. Die beiden letztgenannten Musiker schieden bereits 1969 wieder aus und wurden vom bereits genannten Ian Gillan und Roger Glover ersetzt. Nach Lords Tod 2002 übernahm Don Airey Hammondorgel und Keys, den Job am Sechssaiter macht seit 2022 Simon McBride, zwischenzeitlich hatten diese Position Glenn Hughes, Tommy Bolin und Steve Morse inne. Hinterm Mikro stand in den Siebzigern zudem für ein paar Jahr David Coverdale statt Mr. Gillan. Sieht man mal vom 47-jährigen McBride ab, ist der Rest der Truppe bereits über 80 (Gillan & Glover) oder kurz davor (Airey & Paice). Davon unbeeindruckt gehen die Herren jedoch immer noch ziemlich regelmäßig ins Aufnahmestudio und scheuen auch nicht die Strapazen einer Tour mit immerhin 86 Shows in 28 Ländern.

Anlass für die ausgedehnte Konzertreise ist „SPLAT!“, das 24. Studioalbum von DEEP PURPLE, das die Band gemeinsam und schon zum fünften Mal mit dem renommierten Produzenten Bob Ezrin (KISS, PINK FLOYD, LOU REED, ALICE COOPER) eingespielt hat. Gleich der Opener „Arrogant Boy“ steckt voller Energie und spiegelt das typische DEEP-PURPLE-Songwriting mit facettenreichen Harmonien und natürlich dem typischen Orgelspiel wider. Selbiges findet seine Fortsetzung im nachfolgenden „Diablo“ – als gelungenes, leicht entschleunigtes Wechselspiel zwischen Hammondorgel und Leadgitarre. Eine gewisse Altersweisheit bringt „The Only Horse In Town“ ins Spiel, denn der Protagonist in diesem tiefenentspannten Lied checkt in einem Nobelhotel ein, freut sich über die Präsidentensuite, um dann feststellen zu müssen, dass der Ort komplett ausgestorben ist – bis auf einen altersschwachen Gaul, mit dem er sich allerdings bestens versteht. In „Jessica’s Bra“ ist da deutlich mehr los: die Herren Musiker lassen es ordentlich krachen, sogar ein Solo mit einem stilechten Barroom-Piano findet sich hier. Mein persönliches Highlight ist das rockige „Scriblin‘ Gib’rish“, mit dem die Senioren einmal mehr beweisen, dass sie keinesfalls zum alten Eisen gehören.

Okay, älter geworden sind die Jungs natürlich auch. Die hohen Töne von „Child in Time“ sind für Ian Gillan heute sicherlich eine größere Herausforderung als bei der Veröffentlichung des Klassikers vor mehr als 50 Jahren. Aber DEEP PURPLE spielen auf „SPLAT!“ mit einer solchen Leichtigkeit und Finesse, dass der Altersheim-Tanztee definitiv noch ganz weit entfernt ist. Vielleicht wirkt Simon McBride auch als eine Art Jungbrunnen, auf jeden Fall passt er sich hervorragend ins Bandgefüge und bringt zudem seine eigene Handschrift ein. Überhaupt kopieren DEEP PURPLE, die mit mehr als 120 Millionen verkauften Alben zu den erfolgreichsten Rockbands der Welt gehören, sich nicht einfach, sondern ergänzen ihrem Sound um weitere hörenswerte Details. Ian Gillan beschreibt es so: „Die jetzige Inkarnation von DEEP PURPLE fühlt sich sehr wie eine heutige Version von DEEP PURPLE aus den siebziger Jahren an.“

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