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DEFEATER - Travels (Re-Release)

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Artist DEFEATER
Title Travels (Re-Release)
Homepage DEFEATER
Label BRIDGE 9
Leserbewertung
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8.7/10 (3 Bewertungen)

Langsam gibt es ein Problem, wenn auch ein sehr wunderbares: Bezüglich Bridge 9 Releases gehen mir langsam die Superlative aus! Auch wenn es sich in diesem Fall um eine Wiederveröffentlichung eines bereits erschienenen Albums handelt (ähnlich wie bei den tollen POLAR BEAR CLUB), beweist Chris Wrenn selbst beim Einkauf sein sicheres Händchen, denn DEFEATER sind nichts anderes als der Heilige Gral des modernen Hardcores!

Letztes Jahr erschienen beim kleinen Topshelf Records (das vom B9 – Mitarbeiter Seth Decoteau betrieben wird), welches sich um die zeitgleiche Veröffentlichung des Vinyls kümmern wird, gedruckt auf 100% recycelten Material (Drummer Andy Reitz arbeitet zudem bei Greenvans, die Öko-Vans an Bands vermieten), handelt es sich bei „Travels“ um das spannendste, emotionalste, facettenreichste Hardcore Album der letzten Zeit! DEFEATER überflügeln mal eben so momentane Heroen wie VERSE (deren Shouter Sean Murphy Gast-Vocals beigesteuert hat) oder HAVE HEART und bringen allen „Nachwuchs-so-called-Hardcore-Bands“ das Fürchten bei!

Technisch vertrackt, dennoch treibend, MODERN LIFE IS WAR und BOTCH zitierend, klingen DEFEATER jederzeit authentisch und eigenständig. Hauptaugenmerk liegt beim Sänger und Gitarristen Jay Maas, dessen Vocals und Lyrics nichts anderes als phantastisch und Gänsehautverursachend sind. So erzählt „Travels“ eine durchgängige Geschichte eines Outcasts, der 1945 ungewollt zur Welt kommt und sich in seinem gesamten Leben Gewalt, Rückschlägen, Hass und Vergebung gegenüber stellen muss. Dieses ganze Konzept wird von atmosphärischen Bildern im wunderschönen Digipack getragen und zeugt von Ambition und Vision. Die Texte lesen sich spannend, die ganze Verzweiflung wird von Jay Maas kongenial in die Musik hinübergetragen. Selbst ein kleines, verstecktes Akustikstück wird in die Geschichte eingebaut, kann aber nur von dem gehört werden, der die CD am Stück hört, denn der Song ist (genauso wie einige andere instrumentale Interludes) zwischen den Tracks im Minus-Bereich des Silberlings versteckt. Wer den schnellen Kick braucht, bekommt nur die eigenständigen Tracks serviert, wer der Reise folgen will, muss das Album am Stück hören. Toll! Auch toll, dass Mr. Maas auf eben diesem Titel wie Conor Oberst zu „Lifted“-Zeiten klingt.

Selten hat mich ein Release aus diesem Bereich derart überzeugt, bringen DEFEATER doch Einflüsse der großen amerikanischen Novellen mit zeitlosen Poeten wie BOB DYLAN („No Direction Home“ aus „Like a Rolling Stone“ wird unter anderem zitiert) mit anspruchsvollem Hardcore zusammen. Wann gab es zuletzt ein „Quasi-Konzeptalbum“ in diesem Bereich? Jay Maas ist der Willy Vlautin der Hardcore-Szene, sowie DEFEATER dementsprechend die RICHMOND FONTAINE ebendieser sind. Fantastisch und einfach nur empfehlenswert!

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