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DEINE LAKAIEN & DIE NEUE PHILHARMONIE FRANKFURT - 20 Years Of Electronic Avantgarde (3-DVD/ 2-CD)

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Artist DEINE LAKAIEN & DIE NEUE PHILHARMONIE FRANKFURT
Title 20 Years Of Electronic Avantgarde (3-DVD/ 2-CD)
Homepage DEINE LAKAIEN & DIE NEUE PHILHARMONIE FRANKFURT
Label PREMIUM RECORDS
Leserbewertung
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7.7/10 (7 Bewertungen)

Wer in den vergangenen zwanzig Jahren sein Herz für die düstere Seite des Keyboards bzw. des Synthesizers entdeckte, kam an den „Lakaien“ einfach nicht vorbei. Ihre Hits waren in jedermanns Ohr – so er es dem Independent-Genre leihen mochte – und sind es noch immer. Wer aber denkt, Alexander Veljanov und Ernst Horn hätten sich seit dem unvermeidlichen und noch immer faszinierenden „Love me to the end“ nicht weiterentwickelt, der irrt gewaltig. Das einzige, das bei Auftritten der „Lakaien“ wohl niemanden mehr überrascht, ist Veljanovs altbewährte Frisur.

Die Souveränität, mit der die „Lakaien“ auch nach der erfolgreichen Akustiktournee noch aus dem Klischee des szeneverwachsenen Nur-Gruftie-Musikgrüppchens treten können (eine Schublade, die ohnehin noch nie wirklich gut zu ihnen gepasst hat) und die nun in dem gemeinsamen Projekt mit der Neuen Philharmonie Frankfurt gipfelt, nötigt wohl auch potentiellen Spöttern Respekt ab. Auf jeden Fall beweisen sie mit den drei DVDs zum Thema „20 years of electronic avantgarde“, wie unzeitgemäß die E- und U-Musik-Unterscheidung geworden ist. Die „Lakaien“ sind längst mehr als eine Band – sie sind moderne Klangkünstler.

Ernst Horn hat die Hits der „Lakaien“ für sieben Konzerte mit dem 30-köpfigen Orchester komplett neu arrangiert (es gibt übrigens noch ein Zusatzkonzert am 11. und 12. August auf dem M’era Luna), er dirigierte bei den Auftritten mit einer Hand die Instrumentalisten und bediente mit der anderen sein Equipment. Ein Tausendsassa, das trifft es wohl. Es muss eine enorme Herausforderung und gleichzeitig ein riesiger Spaß gewesen sein, die eigenen Lieder noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten, sie zu dehnen oder zu kürzen, mit neuem Leben zu füllen, ihnen andere Tonarten zu verpassen und die Melodien in neue, unbekannte Richtungen zu führen.

Die „alten“ Hits bekommen ein neues Gewand, Stimmungen werden kräftig überzeichnet, aber nie karikiert. „Slowly comes my night“, „Away“, „Dark Star“, „Return“, „Reincarnation“ werden durch den klanglichen Fleischwolf gedreht und dann von Neuem zusammengesetzt, ohne ihre Identität einzubüßen. Es ist ein Drahtseilakt, den die „Lakaien“ zwischen Kunst und den Ansprüchen des Publikums gehen, aber sie tanzen so gelassen über das Seil, als gäbe es den Abgrund nicht. Und das Publikum dankt es ihnen und lässt sich begeistern – auch das ist nicht selbstverständlich. Der „Lakaien“-Freund an sich scheint keine Allergien gegen Experimente zu haben. Träumen ist noch immer erlaubt bei der Jubiläums-Interpretation. Aber der Traum, die Romantik, das Spiel und das Mysterium werden ebenso zum Diskurs für die Macher des musikalischen Projekts wie die Aufführungssituation und das Selbst- und Fremdbild der „Lakaien“.

Die Konzerte waren aufregend, die DVDs (und zwei CDs, nebenbei) sind es auch. Mit zwölf Kameras wurde das dreistündige Konzert in der Oberhausener Arena gefilmt, und das gibt es in wirklich schöner Qualität zu sehen, plus einigen Videoclips und einer Bildergalerie als Schmankerl und einem 20-minütigen „Hinter den Kulissen“-Video, das Wenders-Schüler Marat Burnashev im Tourbus und beim Soundcheck gedreht hat. Auch ein Interview mit Veljanov und Horn ist zu sehen, in dem beide sogar Persönliches ausplaudern. Für die Menge an Material ist das Boxset auch gar nicht teuer. Dringende Kaufempfehlung!

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