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DEKADENT - Deliverance of the Fall

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Artist DEKADENT
Title Deliverance of the Fall
Homepage DEKADENT
Label PENTACLE MUSIC
Leserbewertung
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7.6/10 (5 Bewertungen)

DEKADENT legen mit „Deliverance of the Fall“ nach ihrem 2006er Output „Manifestation of Seasonal Bleeding“ ihr zweites Album vor. Die Slowenen wollen sich selbst nicht auf eine stilistische Ausrichtung festlegen, so dass das neue Werk folglich schwer einzuordnen ist. Insgesamt sehr episch mit vielen orchestralen Arrangements, tendenziell grob irgendwo zwischen Goth, Doom und einer Spur Black Metal anzusiedeln.

„DOTF“ dient als Soundtrack zum, wie es heißt, gleichnamigen „Black Metal-Film“, der auf einer dem Album beiliegenden DVD beigesteuert wird. Inhaltlich wird dabei eine dramatische Romanze vertont bzw. verfilmt, in welcher der Protagonist (Fronter Artur Felicijan) seine Herzdame auf tragische Weise verliert und zu Grabe trägt. Dieses Erlebnis erfüllt den Verlassenen mit Zorn und erschüttert seinen Glauben an Gott zutiefst. Felicijan hat aus dieser Idee eine Art musikalisches Opus geschrieben, was sich folglich in Form eines Konzeptalbums präsentiert.

So entpuppen sich der „Prologue“ und die beiden nachfolgenden Tracks als recht verträumt daher kommende Instrumentalstücke, die – wie alle anderen Songs auch – fließend ineinander übergehen. Wo zunächst ausschließlich minimalistische, kosmische Keyboardklänge zu vernehmen sind steigert sich das Repertoire an Instrumenten kontinuierlich, wobei die Gesamtstimmung durch die schläfrigen Drums noch unterstützt wird. Bei „Path of Lamentation“ werden die besagten sphärischen Keys dann alsbald von Blechblasinstrumenten (Horn und Tuba) unterbrochen, die sich insgesamt als großes Manko des Albums herausstellen, da sie überhaupt nicht zum Rest der Arrangements passen wollen – zwar partiell, aber dennoch viel zu oft eingesetzt. Auch missfallen mir insgesamt die vielen dominanten Gitarrenparts, die immer wieder Elanlos vor sich hin dudeln. Auch die stets sehr präsenten Keyboardlinien lassen bei mir häufig die Vision eines sich auf einem esoterischen Selbstfindungstrip befindlichen JEAN MICHEL JARRE aufkommen. Auch im weiteren Verlauf bin ich, das deutet sich an, äußerst unschlüssig, was ich von der Scheibe halten soll. Dies lässt sich noch einmal deutlich anhand von „A cry of revolt“ manifestieren: Der Song weist einige interessante Passagen auf, dazu zählen vor allem viele wirklich ansprechenden orchestralen Arrangements und interessante Drums. Aber dann erschüttern immer wieder störende Elemente das Hörvergnügen, wie etwa eine ganz gruselige Gesangslinie etwa bei der vierten Spielminute, die an den obskuren Refrain eines Kinderliedes erinnert oder die obligatorischen Bläser, die auch hier gegen Ende natürlich nicht fehlen dürfen. Ähnlich stellt sich die Situation mit „Breaking the wall“ dar, der ebenfalls Passagen weise richtig gute Klänge inkl. weiblichen Vocals vorzuweisen hat. Innovationsfreude immerhin kann man DEKADENT nicht absprechen, denn – wie eingangs schon angedeutet – wird hier lustig kombiniert und experimentiert, wie es Felicijan eben in den Sinn kommt. „The hand of truth“ bspw. startet mit Growls, die mit einem sehr prägnanten Widerhall versehen werden. Wenngleich dieser Effekt auch nach mehrmaligem Hören nicht zu überzeugen weiß. Track Nummer neun schließlich ist als „Epilogue“ gekennzeichnet und erneut stringent instrumental gestaltet. Allerdings ist die Aufmachung hier nun eine ganze Ecke dynamischer als bei den Anfangsstücken. Zusätzlich lässt sich noch ein als „Bonus“ deklarierte Song, „The Renaissance of purity“, finden; selbiger – das liegt nahe – befindet sich ganz am Ende der CD und stellt das absolute Highlight des Albums dar. Der Track fängt irreführend mit zaghaften Pianoklängen an, um dann endlich mal in ein druckvolles und stimmiges Songkonzept überzugehen. Die dominanten Drums nehmen den Gitarren und sphärischen Keys die zuvor häufig erlebte Penetranz. Nur ganz zwischendurch dudeln Erstere nochmals ungefiltert vor sich hin. Die Einsätze von Fronter Felicijan passen haargenau zur instrumentellen Umsetzung. Etwa in der Mitte des Songs setzen dann auch noch weibliche Vocals ein, die sich ebenso wie die deutlichen orchestralen Arrangements tadellos in das Gesamtbild einfügen. Da frage ich mich, warum das Album nicht voll ist von gleichwertigen Kompositionen. Der Track ist jedenfalls ziemlich überzeugend, so dass es fast scheint, als habe man das ganze Album lang darauf gewartet.

Abschließend noch einige schnelle Worte zur DVD: Im Endeffekt stellt sich der Film als ziemlich langer Videoclip dar, denn das komplette Album (ausgenommen der Bonustrack) mit einer Gesamtspielzeit von bald 40 Minuten wurde verfilmt. Die Bilder sind nicht in Echtzeit, sondern in Slowmotion aufgenommen. Stellenweise leider ein wenig langatmig, wenngleich ich die Idee an sich interessant finde. Qualitativ nicht zu verachten und mit diversen Effekten versehen. Neben vielen, häufig wirklich schönen Landschaftsaufnahmen und auch anderen gelungenen Bilder sieht man in erster Linie Fronter Felicijan, wie er wahlweise grimmig-schmerzerfüllt seine Textpassagen rezitiert oder sich selbst athletisch-durchtrainiert inszeniert (oder auch beides gleichzeitig). Das ist manchmal ein wenig zu viel des Guten.

Insgesamt weist „Deliverance of the fall“ auf jeden Fall eine Menge Potenzial auf, wenngleich ich mir viele Passagen anders gewünscht hätte. Man kann immerhin darauf hoffen, dass ein weiteres Album von DEKADENT genau dort anknüpft, wo „Deliverance of the fall“ aufhört, nämlich bei einem Song wie „The Renaissance of purity“. Übrigens: Der Trailer zur DVD kann auf der myspace-Seite des Labels Pentacle Music angeschaut werden.

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