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DEMENTOR - God Defamer

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Artist DEMENTOR
Title God Defamer
Homepage DEMENTOR
Label OSMOSE PRODUCTIONS
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Von wegen die Franzosen sind Chauvinisten! Auf Anhieb mag einem keine einzige Band aus dem Land von Wein und Käse einfallen, die auf dem Vorzeigelabel Osmose aus dem mit einem stimmungsvollen Namen, doch wohl kaum mehr als einer Croissanterie und einer Kneipe gesegneten Beaurainville unter Vertrag steht. Dafür finden Musiker aus aller Welt und zum Teil für Metalbegriffe exotischten Nationalitäten eine neue Heimat: Mexikaner, Australier, Polen, Niederländer. Und seit bereits drei Jahren auch die Slowakei, die allerdings ein deutsches Studio in Beschlag nahmen (das Stage One von Andy Classen).

2001 nämlich veröffentlichten DEMENTOR ihr drittes Werk „Enslave the Weak“ im Rahmen eines Zwei-Album Deals über diese tonangebende (und phonangebende!) Institution im Dschungel des extremen Metals. Mit „God Defamer“ wird nun die vorerst letzte Verpflichtung der kontraktuellen „Bilogie“ eingelöst, danach wird man zählen, wie viele Schäfchen man im Trockenen hat. „Make or Break“ also und ganz so, als versuche man den dunklen Horden der Entscheidung zu entkommen, legt die Band ein Tempo vor, das Michael Schumacher sogar in dieser Saison in arge Bedrängnis bringen könnte. Mit einer Besetzung von zwei Gitarren und Schlagzeug war natürlich ohnehin wenig Platz für Momente kontemplativer Bassseligkeit oder Ausflüge ins Land der Melodien, doch unternehmen DEMENTOR nicht einmal den Versuch, aus dem Schema von trappelnder Double-Bass, garstigen Rifffetzen und infinitesimal kleine Thrash-Einwürfen auszubrechen. Was den Puristen entzücken wird, dürfte für Zartbesaitete leicht zur unverdaulichen Henkersmahlzeit geraten, doch kennt man dieses Auf-die-Spitze-Treiben und in-die-Lager-spalten bereits von den Höllenhunden ABOMINATOR, deren letzte Scheibe so manchen Kritiker auf die Palme brachte und den inzwischen aufgelösten RAVAGER, dessen breakinfizierter mexikanischer Noise-Death eigentlich nur für Taube und Besitzer von Ohropax genießbar war – beides Osmose-Bands selbstverständlich. „God Defamer“ passt auch in dem Sinne in diese Reihe, als dass es schwer wird, einzelne Songs hervorzuheben oder wenigstens strukturelle Fragmente zu entdecken. „Harvester of Christian Souls“ hat Ansätze zu einem Refrain (der dann nicht wiederholt wird) und die beiden einleitenden Tracks hauen einem mit ihrer konzentrierten Faust aus Wut und Wucht voll in die Fresse, danach muss man selbst seinen Weg finden.

Keine Spur von Menschlichkeit, kein Friedensangebot und keine Kompromisse: Man meint die züngelnden Flammen des Fegefeuers bereits unter dem eigenen Sessel zu spüren. Und irgendwie ist diese Alles oder Nichts dann doch ein wenig französisch: Gauloises statt Chesterfield, schwarzer Kaffee statt Latte Macchiato.

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