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DENSE VISION SHRINE - Litanies of Desire

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Artist DENSE VISION SHRINE
Title Litanies of Desire
Homepage DENSE VISION SHRINE
Label BEAUTY & PAIN RECORDINGS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Sehnsucht ist ein großes Wort. Eine Welt voller Assoziationen, voller Gefühle und Erinnerungen. Ein Schattenreich, denn schon im Begriff selbst ist das sich Verzehrende und das Obsessive enthalten und ist die Sehnsucht nicht das, was entsteht, nachdem man etwas unerreichbar wähnt und ehe man es erlangt? Darum kann es keine optimistische Kunst zu diesem Thema geben und darum ist der Titel dieses Albums eigentlich eine unnötige Dopplung: Die unbeantwortete Liebe ist ein Vakuum, ist ein brennendes Loch, ist ein Schmerz. Ist ein Trauergesang.

Dennoch erhebt hier niemand die Stimme, ganz so, als fehle die Kraft dazu. Es ist ohnehin alles klar. Sicherlich gibt es verschiedene Interpretationsansätze, unterschiedliche Rezeptionsmöglichkeiten. Das gebrochene Herz, die Kippe und die Flasche. Das beschlagene Fenster, der kleine Spalt und der Betrug. Die einsame Nacht im Wald oder in einer gewitterumstürmten Kirche. Doch liegt allen die Isolation zugrunde, die Unfähigkeit, den Fakten aus dem Weg zu gehen, die Unausweichlichkeit. „Litanies of Desire“ bietet weder eine Oase des Friedens, noch die betäubende Morphiumspritze. Doch wenn man nicht mehr wegrennen möchte, kann man immer noch zu diesem Album zurückkehren. Es ist, neben dem ebenfalls kürzlich unter dem Projektnamen ARCANE ART erschienenen „KritaRan“ das zweite Album von Karsten Hamre innerhalb kürzester Zeit, doch obwohl er hier noch dezenter zu Werk geht, ist die Wirkung erstaunlicherweise eine konkretere. Und eine deutlich unkonventionellere: Weil die Musik in blubbernde und zischende Umgebungsgeräusche eingebettet daherkommt, ja beinahe hinter ihnen zurücktritt, erhalten die zunächst recht regulären Strukturen die Gelegenheit, sich in jede erdenkliche Richtung zu entwickeln. Übertrüge man das Gehörte aufs Notenpapier, hätte es auf keinem Kompositionswettbewerb eine Chance. Doch in diesem ambienten Moor zieht es einen gnadenlos in seinen Bann. Und ist bei weitem nicht so depressiv wie man dies erwarten sollte, vielmehr seltsam tröstend. Am deutlichsten wird das im Finale von „Hidden Memory“, bei dem die Puzzlestücke in einem Moment dunkel-ätherischer Schönheit zusammenfallen. Man weiß ja, dass die Töne aus dem Synthesizer kommen, doch so weich, so warm sind sie, als liege Filz auf den Tasten. Wenn es denn etwas Beängstigendes an „Litanies of Desire“ gibt, dann die Unfähigkeit, die Richtung der herannahenden Gefahr zu orten. Und die elektrisch aufgeladenen Keyboardflächen in „Time Lost“ erscheinen an einem dunklen Himmel gleichzeitig fixiert und von einer inneren Unruhe getrieben, wie die Säureströme eines Alien-Ei.

„Drifting“ entlässt einen mit Störgeräuschen aus dem Transistorradio wieder in den Alltag. War letztendlich alles nur ein Spuk aus dem Äther? Aber man wird dieses Gefühl, gerade etwas Besonderes erlebt zu haben, nicht los. Sehnsucht ist ein großes Wort. Doch nicht zu groß für DENSE VISION SHRINE.

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