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DER BLUTHARSCH - The Philosopher’s Stone

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Artist DER BLUTHARSCH
Title The Philosopher’s Stone
Homepage DER BLUTHARSCH
Label WKN/ TESCO
Leserbewertung
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6.5/10 (10 Bewertungen)

“Uniforms are always changing – Rock ’n’ Roll will stay forever” – Wer mit solch einem Motto hausieren geht, kann kein schlechter Mensch sein! Ganz nebenbei sagt das auch einiges über das Selbstverständnis von Albin Julius aus, trotz Bandcharakter immer noch „DER Blutharsch“ unter der Sonne. Von einigen bis heute stigmatisiert konzentriert sich der Österreicher schon lange (nur noch) darauf, gute Musik zu veröffentlichen. Musik fernab von Konventionen und auch von dem, was das Projekt ursprünglich einmal ausmachte. Spätestens mit der Veröffentlichung des Vorgängers „When did Wonderland end?“ stehen Gitarren, steht der ROCK im Vordergrund der Alpenländer, wenngleich in einer bastardisierten Version. Wieder mit der Hilfe von Jörg B. an den Äxten, Bain Wolfkind sowie Marthynna, die einiges an Vokalarbeit übernommen hat, erschafft der Austro-Elvis psychedelische Klangwelten zwischen CAN und SIGUR RÓS garniert mit einem Schuss Wahnsinn. Vom Sound her übrigens nicht sonderlich weit entfernt von der ALBIN JULIUS & FRIENDS Performance im Londoner Slimelight, über die wir vor kurzem berichteten.

Was geblieben ist, sind die fehlenden Songtitel, was eine Rezension wahlweise erschwert oder vereinfacht, je nachdem, wie tief man in die Materie einsteigen will. Zu Beginn der 55:55 Minuten dominiert jedenfalls schwerer Psych Rock mit hippiesken Zügen und drogengeschwängerter Aura. Das Ganze bewusst dumpf und ein wenig undifferenziert produziert, dass sich die hypnotischen Klangfolgen so richtig feist ins Hörer-Gehirn einbrennen können. Eine Prise Folk im Stile religiöser Schamanen ist ebenfalls nicht von der Hand gewesen, man mag es sich so richtig ausmalen: Albin mit seinem Kollektiv bei Sonnenuntergang auf einem Hochplateau, irgendwelche bewusstseinserweiternde Drogen konsumierend, auf den Spuren von Jim Morrison. Stück 5, bei dem der „Rock ’n’ Roll“ auch lyrisch im Vordergrund steht, wandelt gar ein wenig auf den Spuren von JOHNNY CASH, was insbesondere der Stimme geschuldet ist. An einigen Stellen meine ich auch Anklänge an Italo Western Soundtracks zu erkennen, insbesondere die aufpeitschenden Scores zu den klassischen Revolutions Epen Ende der 60er haben ihre Spuren hinterlassen. Später kommt dann auch noch Matt Howdens Violine zum Einsatz, man kann aber eine gewisse Gleichförmigkeit nicht von der Hand weisen, die im hinteren Teil der Platte den Faszinationspegel etwas senkt. Dafür bietet der letzte Song (formal über 21 Minuten lang) nach etwa der Hälfte noch eine düster-elektronische Coda. Mit Loops wird zwar immer wieder mal gespielt, hier aber läuten sie im Vordergrund stehend den Abgesang der pechschwarzen Reise ein.

Den „Stein der Weisen“ hat DER BLUTHARSCH mit diesem Langspieler vielleicht nicht gerade erfunden, doch der Art und Weise, wie sich Julius und Co. im Laufe der Jahre immer wieder neu definiert haben, gebührt Respekt! Freunde aus den Anfangstagen mögen nichts mehr mit den nunmehr rockig-schrägen Klängen anfangen können, der rebellische Geist ist aber in all der Zeit niemals versiegt, ganz im Gegenteil. Mit anderem Namen könnte man gar ganz neue Zielgruppen erobern, die sich aber ob der „bösen“ Historie wohl nicht die Finger verbrennen wollen. Den offenen Musikfreund aber erfreut die innovative Gradwanderung genauso wie die für 2009 geplante Tour mit BAIN WOLFKIND, DEUTSCH NEPAL und DERNIÈRE VOLONTÉ. Der Rock ’n’ Roll lebt!

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