Band Filter

DER FAMILIE POPOLSKI - Der Popolski-Show – Live in Zabrze

VN:F [1.9.22_1171]
Artist DER FAMILIE POPOLSKI
Title Der Popolski-Show – Live in Zabrze
Homepage DER FAMILIE POPOLSKI
Label SONYBMG
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.1/10 (13 Bewertungen)

Es ist schon eine Schande, was der Familie Popolski aus dem polnische Zabrze widerfahren ist! Die hochmusikalische Sippe um Drummer Pavel Popolski wurde von einem windigen Gebrauchtwagenhändler namens Olek Priszewinski um sämtliche Rechte an ihren Songs gebracht, mit denen andere dann zu Weltruhm gelangten. Doch jetzt wollen die POPOLSKIS nicht länger schweigen und gehen mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit. Ein Zeugnis davon gibt das vorliegende Album „Live in Zabrze“, das wahrlich erschüttert…

Vor allem das Zwerchfell hat einige Erschütterungen auszuhalten, so unterhaltsam agieren die Pseudo-Polen, die mit ihrem Polka-Sound die Musikgeschichte neu schreiben. Nicht nur, dass Pavel die Hintergründe dieses infamen Diebstahls geistigen Eigentums eindrucksvoll schildert (es gibt in Polen übrigens das Sprichwort „Dieter Bohlen hat gestohlen alle Hits aus Polen“), endlich werden die POPOLSKI-Hits, die so unsäglich verunstaltet wurden, wieder in ihren ursprünglichen Versionen gespielt und wir erfahren unter welchen Umständen z.B. „We Will Rock You“ entstanden ist. Die stampfende Eingangssequenz für die QUEEN berühmt geworden sind, war eigentlich nichts anderes als das Zusammenspiel des Besenstiels mit dem die Nachbarin von unten, Frau Tripczewinski, gegen die Decke hämmerte, während der alkoholkranke Nachbar von nebenan leere Vodkaflaschen gegen die Wand schmiss. Der wenig musikbegeisterten Mitbewohnerin in der Plattenbausiedlung hat der blinde Danusz Popolski eine der schönsten Schmusenummern überhaupt geschrieben, nur um erleben zu müssen, wie TONY MARSHALL „Schöne Maid“ als Stimmungslied missbrauchte. Gleiches ist Tomek Popolski, dem Tiger von Zabrze, geschehen, der Jahrzehnte lang die polnischen Top Ten allein anführte und der nunmehr das wahre „Sex Bomba“ zum Besten gibt. Dagegen ist TOM JONES nicht mehr als ein zahnloser Tiger. Auch THE RASMUS sollten sich was schämen, dass sie „In The Shadows“ einfach so geklaut haben. Aber nur mit den „Famous Zabrze Singers“ offenbart sich die ganze Emotionalität des Songs. Große Gefühle haben auch bei „Crying In The Discothek“ eine Rolle gespielt. Es muss schlimm für Opa Popolski gewesen sein, seine eigenen wunderbaren Musikstücke völlig verhunzt in Zabrzes größtem Zappelschuppen hören zu müssen. Bitterlich hat er geweint in der Diskothek und zuhause einen weiteren Welthit geschrieben, den Cousine Dorota Popolski gemeinsam mit Cousin Isidor Popolski auf besonders eindrucksvolle Weise vorträgt und die Schmach vergessen lässt, den ALCAZAR über das wundervolle Lied gebracht haben. Und wer weiß schon, dass gar nicht die Amerikaner als erste auf dem Mond waren? Nein, es war Opa Popolski, der seine Erlebnisse auf dem Erdtrabanten im „Final Countdown“ verarbeitet hat. Weit entfernt vom unterirdischen Hairspray-Metal, den EUROPE dem Track verpasst haben, zaubert Dorota den ursprünglichen Barsound zurück. Eine tragische Lebensgeschichte hat Cousin Andrzej Popolski in „Porn To Be Alive“ und „Je t’aime moi non plus“ zu erzählen. Dass der schöne Andrzej so ziemlich jeder Polin den Kopf verdreht hat, will ich gern glauben, da kann ein PATRICK HERNANDEZ genauso einpacken wie Herr GAINSBOURG und Frau BIRKIN mit ihrem unmotivierten Rumgestöhne. Und dass es für „Insomnia“ gar keine Computerspielereien sondern nur ein Banjo braucht, ist jetzt auch kein Geheimnis mehr. Die Polka, bei der auch die Feuerwehrkapelle von Pyskowice mitwirkt, ist zweifelsohne eines der ganz großen Highlights der POPOLSKI-Diskografie, kein Wunder, dass sich FAITHLESS von der Genialität des Songs ein Stück abschneiden wollte. Wer bislang glaubte, Joints seien eine Erfindung irgendeines Rastamanns, sieht sich inzwischen auch eines Besseren belehrt. Tatsächlich ist Opa Popolski auch hier verantwortlich, genauso wir für den ersten Kiffersong überhaupt. Dass „Ganz in Weiß“ später von ROY BLACK so schändlich verunstaltet ist, schmerzt die POPOLSKIS natürlich sehr. Sorgen bereitet auch Janusz, der jüngste Spross der POPOLSKI-Familie, der neben dem „Lied der Schlumpfe“, „Schnappek, der kleine Krokodil“ und dem Karnevalskracher „Viva Polonia“ auch „Cheri, Cheri Lady“ zu Ehren der schönen Kirschenverkäuferin vom Gemüsemarkt in Zabrze geschrieben hat. Wer hätte gedacht, dass sich dahinter eine rockige Hommage an die anbetenswürdige Markfrau verbirgt und nicht die nichtssagende MODERN TALKING-Verunglimpfung des Liedgutes, wie wir jahrelang annehmen mussten?

Was für eine dramatische Familienvita mit der die POPOLSKIS leben müssen und wie gut, dass sie der Welt endlich die Augen öffnen und wir erfahren dürfen, was es tatsächlich mit all den Hits auf sich hat, die doch fast alle ihren Ursprung bei den POPOLSKIS haben! Schließlich hat Opa Pjotrek im Laufe seinen Lebens 128.000 Top-Ten-Hits geschrieben, d.h. 90% aller Chartstürmer stammen aus seiner Feder. Zu der unglaublichen Ungerechtigkeit, die den POPOLSKIS widerfahren ist, dürfen auch wir nicht schweigen! Kauft die Platte und geht vor allem in die Shows, in denen die Familie mit vielen Gästen, Dias und Filmeinspielungen die ungeschminkte Wahrheit ans Licht holt!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

DER FAMILIE POPOLSKI - Weitere Rezensionen

Mehr zu DER FAMILIE POPOLSKI