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DER FEUERKREINER - s/t

VN:F [1.9.22_1171]
Artist DER FEUERKREINER
Title s/t
Homepage DER FEUERKREINER
Label Runes And Men & Misty Circles
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Aus der Kategorie „verborgene Schätze“ stammt diese schon im letzten Jahr erschienene aber nur äußerst schwer erhältliche Scheibe der italienischen Formation DER FEUERKREINER. Bei dieser Namensgebung wird so mancher möglicherweise gleich an DER BLUTHARSCH denken, und zum Teil kommt man dem auch in klanglicher Hinsicht nahe, wobei allerdings die Reduzierung auf etwaige Parallelen eine zu eindimensionale Betrachtungsweise abgeben würde. Stattdessen weisen die im atmosphärischen Industrial verwurzelten acht Stücke mit Verästelungen in die Bereiche Orchestral, Ambient, Elektro, Folk und eben Military mehr Bestandteile auf als in nur eine Schublade passen würden.

Diese Vielschichtigkeit, die sich auf der anderen Seite aber als homogene Einheit präsentiert, folgt nicht zuletzt daraus, dass bei DER FEUERKREINER seit Ende 2000 die Erfahrungen und Vorlieben aus den bisherigen musikalischen Ergüssen der beiden Protagonisten aufeinandertreffen und miteinander vermengt werden. Bei Valentina Castellani war das unter anderem eine klassische und polyphone Gesangsausbildung, während Federico Flamini, welcher sich für Komposition und ebenfalls Gesang verantwortlich zeichnet, zuvor bereits die Projekte Kunst Mork und Commotus Ingenio mit Augenmerk auf Industrial respektive Ambient betrieben sowie sogar in der symphonischen Death Metal Band Lumen Moritur aufgespielt hat.

So dauerte es nach einem Demo auch nur kurze Zeit bis zum vorliegenden selbstbetitelten Debut. Auf diesem halten sich ruhigere Tracks und mehr von härterem und dennoch nicht unbedingt noisigem Industrial geprägte Stücke halbwegs die Waage, wobei anfangs eher feierliche, aber düster-orchestrale Instrumentierung im Vordergrund steht und sich in der zweiten Hälfte vermehrt Industrialelemente, Loops mit maschinellen Soundfragmenten sowie elektronische Rhythmen anstelle gezielt eingesetzter Perkussion ihren Weg bahnen. Im einzelnen sieht das dann so aus, dass sich unter anderem vom ruhigen, atmosphärischen Opener „Die Weste“, welcher ein wenig an Arcana erinnert, jedoch martialischer wirkt, über die von einem elektronischen Pulsieren untermalten prägnanten Reime bei „Der Würfel“ bis zum dunkel vor sich hin brodelnden Ambient-Hintergrund in „Sophie“ ein breitgefächertes Klangbild bietet. Erwähnenswert ist auch „Oder Schrei“ mit seinem folkloristischen Beginn, erzeugt durch festliches Violinenspiel in der Art des irischen Traditionals „The march of Brian Boru“, dem sich Blood Axis einst angenommen hat, welches sich im Verlauf einen intensiven Kampf mit stampfenden Maschinengeräuschen und Sirenengeheul liefern muss.

Auffällig und verwunderlich aufgrund der Herkunft aus Italien sind die deutschen bzw. scheinbar deutschen Texte. Der Grund hierfür und zugleich auch Erklärung für die ausnahmslos deutschen Songtitel liegt in der Verwendung von Gedichten des Poeten Christian Morgenstern (1871-1914), welche sich durch groteske Sprachspielereien auszeichnen und überwiegend seinem wohl bekanntesten Werk „Galgenlieder“ entstammen. Diese wurden wiederum einer ganz eigenen Behandlung unterzogen, indem man die Aussprache der jeweiligen Melodie des Liedes angepasst hat und die Lyrik daher oftmals nur einen phonetischen Zweck erfüllt, also eingesetzt wird um bestimmte Laute erzeugen zu können.

Wie weit die künstlerischen Motive bei DER FEUERKREINER ausgeprägt sind, zeigt sich auch an den weiteren Merkmalen ihres Handelns: Zum einen werden bei Liveauftritten häufig unterstützend Videos des befreundeten und mehrfach Kurzfilm-prämierten Regisseurs Michele Senesi verwendet (kürzlich durfte man übrigens in London die Bekanntschaft von Deutsch Nepal, Raison d´être und Bocksholm machen und mit ihnen das dortige Publikum erfreuen), mit dem man darüber hinaus neben einigen anderen Mitglied in der neo-dadaistischen Künstlerbewegung Lupinaria ist. Und schließlich zeugt auch das Booklet im Übergrößenformat mit historisch anmutenden Momentaufnahmen des städtischen Lebens circa zu Beginn des letzten Jahrhunderts von Klasse.

Bei einer Auflage von lediglich 250 nummerierten Exemplaren, die natürlich offiziell ausverkauft ist, müsste es allerdings schon mit dem Teufel zugehen, noch eines hiervon ergattern zu können, aber mit etwas Glück ist ja vielleicht bei einem gutsortierten Mailorder irgendwo da draußen noch was zu machen. Ansonsten jedenfalls der Hinweis auf die Bandhomepage, die zumindest mp3-Ausschnitte aller Songs im Angebot hat, und auf die als nächstes anstehende Veröffentlichung eines 12″-Vinyls, an dem zur Zeit noch gearbeitet wird.

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