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DESIDERII MARGINIS - That which is tragic and timeless

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Artist DESIDERII MARGINIS
Title That which is tragic and timeless
Homepage DESIDERII MARGINIS
Label COLD MEAT INDUSTRY
Leserbewertung
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Eine Leckerei aus dem Hause Coldmeat Industry steht heute auf der Speisekarte. Johan Levin veröffentlicht über seine schwedischen Landsmänner sein neuestes Werk „That which is tragic and timeless“, bei dessen Titelgebung er sich vom russisch-amerikanischen abstrakten Expressionisten Mark Rothko hat inspirieren lassen. Der forderte nämlich, Kunst solle das Tragische und Zeitlose darstellen. Googelt man als Ignorant moderner, bildender Kunst im Netz nach Werken von Rothko, wird man schnell fündig und zumindest ich war überrascht. Ich weiß nicht, was ich erwartet habe, aber irgendwie keine geometrisch inspirierten, rechteckig wirkende bunte Flächen. Trotzdem fand ich gerade diejenigen faszinierend, die in düstereren Farbnuancen gehalten waren – ob sich hier Tragik und Zeitlosigkeit verbinden, überlasse ich den jeweiligen Betrachtern (darüber hinaus weiß ich zu wenig über den Maler: sieht er sich selbst überhaupt als Künstler und wenn ja, denkt er, dass er seinen eigenen Vorgaben gerecht wird?). Aber: ich schweife ab. Immerhin wollen wir etwas über die Musik von Levin erfahren, der sich durch Rothkos Zitat inspiriert fühlt.

Wir haben mit dem aktuellen Album, das etwas über 55 Minuten Spielzeit vorzuweisen hat, feinen Dark Ambient vorliegen, den ich mindestens unter gehobenes Mittelmaß einstufen würde. Warum aber so „schlecht“ für meine beinahe schon Cold-Meat-fanatischen Verhältnisse? Verstehen wir uns nicht falsch: „That which is tragic and timeless“ ist wirklich sehr gut – wunderschöne Klangsphären entstehen vor meinem geistigen Auge, die verwandten Rhythmen erinnern mich an regelmäßiges Atmen und machen es somit einfach, das Album gut zu finden, sich hineinzufühlen. Nachdem ich mich aber zeitlich sehr intensiv mit ihm auseinandergesetzt habe (das nenne ich mal Euphemismus, was Herr Chefredakteur?), ist mir eines aufgefallen: es plätschert so vor sich hin. Nach ein paar Takten setzt zum Beispiel mal eine Akustikgitarre ein, was an sich ein lobenswertes Auflockern der Atmosphäre bedeutet, aber diesen Effekt kann (! – ich sage nicht, dass es hier soweit kommt) man auch überstrapazieren. Es ist einfach gut, aber das befriedigt mich so wenig, wie profane Schönheit an sich: so sind allgemein als „schön“ bezeichnete Menschen eigentlich auch nur der durchschnittlichere Durchschnitt, wenn ihr versteht.

Es plätschert und plätschert also so vor sich hin – und dann werde ich hellhörig: „Where I end and you begin“ (manchen vielleicht vom CM-Sampler „Flowers Made Of Snow“ bekannt) wird intoniert. Für mich stellt der Track definitiv den Höhepunkt dar, und wohlwollend ausgedrückt darf man auch gerne sagen, dass sich das Album quasi auf diesen zu bewegt, sich also immer weiter steigert. Den Abschluss bildet „Freedom’s captive“, der den Hörer relativ seicht und unaufgeregt wieder aus der Welt hinauswirft, die man als nach der Grenze strebender (mein Schullatein hat hierfür beinahe gereicht) gesucht hat. Die einzelnen Stücke kann man unabhängig voneinander sehen, wirken aber durchaus homogen. Es ist nicht einfach, Ambient zu komponieren, der nicht langweilig ist – und das ist Levin gelungen. Vielleicht ist es gar kein Plätschern sondern sehr subtile Manipulation und die Auswirkungen zeigen sich erst in Wochen, Jahren, Dekaden. Wer weiß?

Erwähnenswert finde ich trotz aller verhältnismäßig negativer Kritik die wunderschöne Homepage von DESIDERII MARGINIS, das tolle Artwork von Victor Kvant, sowie die schönen Titelbezeichnungen („The love you find in hell“, „The weight of the world“ neben den schon in anderem Zusammenhang genannten), auf die sich Jeder seinen eigenen Reim machen kann und darf.

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