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DESOLAT - Ückendorfication

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Artist DESOLAT
Title Ückendorfication
Homepage DESOLAT
Label DACKELTON RECORDS
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DESOLAT ist eine Garage-Grunge-Punk-Kapelle, die 2017 in Gelsenkirchen gegründet wurde. Mit „Ückendorfication“ steht das Debütalbum des Fünfers in den Startlöchern und für die Nicht-Ortskundigen sei erklärt, dass Ückendorf ein Stadtteil von Gelsenkirchen ist, dem eine multikulturelle und ambivalente Lebensqualität nachgesagt wird. Zentrum des Stadtteils, in dem gut 20.000 Menschen leben, ist der Ückendorfer Platz, an dem die Linie 302 hält.

Und mit den Öffis nehmen DESOLAT ihre Hörerschaft dank ihres Titeltracks „Ückerdorfication“ auch mit auf eine Reise durch den bunten, unterschätzten Stadtteil, dem sie eine wahre Grunge-Hymne verehrt haben, nachdem die Platte mit einem penetranten Weckerpiepen, scharfen Gitarrenlinien und schlagkräftigen Drums mit einem fast schon hardcore-punklastigen Opener namens „Verpass‘ nicht den Anschluss I“ wachrüttelt. Die temperamentvolle Singleauskopplung „Du schaust mich an, ich schau‘ hinein“ ist eine introspektive Nummer über die emotionale Achterbahn zwischenmenschlicher Beziehungen, während „Nie genug“ von der Band zu ihrem Sommerhit erklärt wurde und mit US-punkigen Gitarrenriffs und dynamischem Gesang die Unbeschwertheit eines ausgelassenen Kontrollverlust-Sommers feiert. Zweifellos ist diese Auskopplung ein geeigneter Kandidat für jede Festival-Campingground-Playlist und idealer Begleiter beim Flunkyball. Derweil setzt sich „Autos Autos Autos“ mithilfe rasender Gitarren und rhythmischer Bass- und Schlagzeuggewitter mit dem hohen Verkehrsaufkommen in dem kleinen Stadtteil und den ‚Fixern am Benzinzapfhahn‘ auseinander. „Angry“ zählt zu den härteren Stücken des Longplayers, das sich mit tiefen Basslinien und schroffen Vocals mit Gefühlen der sozialen Isolation befasst und gleichzeitig an Thrash-Metal-Combos wie die ebenfalls in Gelsenkirchen beheimateten SODOM erinnert. „Süße Aggression“ sieht sich im Spiegelbild sexueller Befreiung und persönlicher Individualität und entwickelt seine Intensität insbesondere durch den Zwiegesang von Lilly und Markus. „In a Van“ ist hingegen eine Erinnerung an zwei erfolgreiche Japan-Touren und nicht nur mit Sounds á la DINOSAUR JR. und THE BLOODHOUND GANG gespickt, sondern zusätzlich auch mit Gastauftritten von Menschen, die das Quintett im Land der aufgehenden Sonne kennenlernen durfte. Weiter geht’s mit dem balladesken „Verpass‘ nicht den Anschluss II“, das tiefer auf das Problem der sozialen Entfremdung und die absurden Seiten des modernen Daseins eingeht und sich stilistisch irgendwo zwischen „Where Is My Mind“ von den PIXIES und „Something In The Way“ von NIRVANA bewegt. Mein persönlicher Favorit des Silberlings! Bleibt noch „Davonpushen“, das mit monotonen, düsteren Melodien und plötzlichen musikalischen Ausbrüchen vom emotionalen Auf und Ab des Lebens berichtet.

DESOLAT widmen ihren Erstling „Ückendorfication“ Rudolf Arnold Rempel, der von 1859 bis 1893 lebte und in Gelsenkirchen-Ückendorf gestorben ist. Diese Widmung schlägt dann auch den Bogen zum Coverbild, denn der Chemiker und Erfinder hat das heute als Weck-Glas bekannte Einkochglas und die damit verbundene Einkoch-Prozedur erfunden. Ähnlich bahnbrechendes haben DESOLAT freilich nicht vorzuweisen, aber ihr Debüt überzeugt mit viel Spielfreude, handwerklichem Können und authentischen Texten. Das ist doch auch schon was!

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