Band Filter

Request did not return a valid result

DEVILDRIVER - Pray For Villains

VN:F [1.9.22_1171]
Artist DEVILDRIVER
Title Pray For Villains
Homepage DEVILDRIVER
Label ROADRUNNER
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (22 Bewertungen)

Willkommen zu einer wahren Lehrstunde, einer Lehrstunde in Sachen „Perfekte Musikalische Weiterentwicklung“ – vorgetragen von niemand geringeren als den genauso göttlichen wie teuflischen DEVILDRIVER. Deren nunmehr vierter Emporkömmling „Pray For Villains“ zeigt nämlich eindrucksvoll, wie man sich ohne Stillstand treu bleiben und dennoch gleichzeitig einen Verbesserungsprozess vornehmen kann.

So fühlt man sich bei dem eröffnenden Titelsong direkt heimisch, als nach Gitarre und Double Bass der Mark- und Bein erschütternde Schrei von Mastermind Dez Fafara ertönt: Wer es im Vorfeld verpasst hat, sich anzuschnallen, wird umgehend erbarmungslos von der geballten Wucht weggefegt. Die noch im Ansatz an die COAL CHAMBER-Zeiten Fafaras erinnernden Nu Metal-Einflüsse des selbstbetitelten Debüt-Albums aus dem Jahr 2003 scheinen nun endgültig an den Rand gedrängt worden zu sein, so dass der Opener ohne weiteres seinen Platz auch auf der Vorgängerscheibe „The Last Kind Words“ (2007) gefunden hätte. Schnell, mächtig und schwer metallisch – mit dem Material macht man jeden auf Nacken spezialisierten Physiotherapeuten schwer reich! Gleiches gilt auch für das folgende „Pure Sincerity“, welches dabei zwar schleppend, aber nicht weniger druckvoll aus den Boxen schlägt. Die Rhythmusgitarre lässt vermuten, dass man sich ihn der Songwritingphase vielleicht das ein oder andere neuere METALLICA-Werk zur Entspannung gegönnt hat und der gute Dez beweist einmal mehr, dass er eine der bösesten Stimmen auf diesem Planeten hat. Vom tiefsten Punkt seines Herzens leitet seine Lunge die apokalyptischen Shouts durch die Gehörgänge des Rezipienten direkt in dessen Angstzentrum, welches aber gar nicht anders kann als seine Grundfunktion aufzugeben und stattdessen Begeisterung auszulösen. Doch im Vergleich zu den älteren Werken merkt man „Pray For Villains“ verstärkt an, dass Fafaras Ausnahmestimme nicht mehr den zentralen Kern der Kompositionen darstellt, sondern man bewusst die Aufmerksamkeit des Hörers auch mal auf andere Elemente lenken möchte. So stellt man beispielsweise bei „Resurrection Blvd.“ ein sehr prägnantes Riff in den Vordergrund, welches dem Stück trotz aller Kraft eine träumerisch-leichte Art verleiht und es damit erst so richtig interessant macht. Oder man haut mit „Bitter Pill“ ein wahres Monster an Eingängigkeit heraus – DAS ist abwechslungsreiches und interessantes Songwriting! Griffige Hooks, treibendes Riffing, dynamische Tempiwechsel und der erhöhte Grad an Substanz, das sind hier die Schlagworte! Egal ob Dampfwalzen wie „Forgiveness Is A Six Gun“, das durch ein wunderschönes Intro eingeleitete Geschoss „Wainting For November“ oder „Back With A Vengeance“, das lupenreines Clubhit-Potential und Tanzbarkeit aufweist – das Quintetts aus dem südkalifornischen Santa Barbara hat seine Hausaufgaben gemacht. Unterstützt wird dieses noch durch die wirklich beeindruckende Arbeit an den Instrumenten, an welchen man die wohl bisher versierteste Darbietung an Können der Bandgeschichte abliefert. Schmiedet man mit den Saiten wie bei „I’ve been sober“ noch pures Metal oder bläst bei „Fate stepped in“ mit der Rock-Variante jeden Highway frei, begeistert John Boecklin am Schlagzeug mit einer, wenn nicht sogar DER besten Leistung(en) an diesem Gerät in diesem Jahr! Unfassbar was der Mann da alles an Blasts, Double Bass-Salven, Groove-Passagen und was nicht noch alles auf die Welt loslässt – und das, ohne sich dabei in den Mittelpunkt zu rücken, sondern völlig für den Zweck der Sache arbeitet. Und daxs auch ein Herr Fafara weiß, was er tut, dürfte jedem Kenner des Genres ja wohl klar sein. Die beim erwähnten Debüt noch angedeuteten neumetallischen Rap-ähnlichen Einlagen sind wie schon auf den letzten Alben dem bekannten ultrabösen Schreigesang gänzlich gewichen, welchen der Frontmann aber versucht, weitestgehend abwechslungsreich zu gestalten und dabei auch mal auf Sprechgesang-Passagen zurückgreift oder es, wie zum Ende von „I’ve been sober“ hin, auch mal clean probiert. Auch textlich greift er wieder einiges an interessanten Themen auf, so zieht sich der Albumtitel „Schufte, Sünder und Schurken“ wie ein roter Faden durch die Lyrics von beispielsweise „In The Cards“ oder „Forgiveness Is A Six-Gun“, während Songs wie „I See Belief“, „Pure Sincerity“ oder „Back With A Vengeance“ sich inhaltlich mit Eigenverantwortlichkeit, harter Arbeit und positivem Denken beschäftigen. Für mich gehört der Mann einfach zu den Größten seiner Zunft.

Zu jenen Größen ihrer Zunft dürfen sich DEVILDRIVER wohl spätestens ab jetzt getrost zählen, denn „Pray For Villains“ ist die nahezu perfekte Mischung aus der Wahrung von „alten“ Tugenden und dem Drang zur Entwicklung und Verbesserung. Die Teufelsaustreiber stehen immer noch für schnelle, kraftvolle Metalgranaten, deren Durchschlagskraft nun durch eine erhöhte Beimischung von Groove und der einwandfreien Leistung an den Instrumenten nocheinmal um ein Vielfaches gesteigert und zudem von Ex-MACHINE HEAD-/ Ex-SOULFLY-Gitarrist Logan Mader (der sich in der jüngsten Vergangenheit durch seine Studioarbeit mit u.a. CAVALERA CONSPIRACY oder FIVE FINGER DEATH PUNCH einen guten Namen gemacht hat) auch produktionstechnisch sehr gut eingefangen wurde. Mit Ausnahme des etwas überladenen, abschließenden „I See Belief“ ist der neue Rundling gespickt mit zwölf Knallern wie dem großartigen „Teach me to whisper“ oder den schon erwähnten „Bitter Pill“, „Resurrection Blvd.“ und „Back With A Vengeance“. Letztgenannten widmet man all den bösen Zungen, Kritikern und Neidern, die das Quintett schon mit seiner Gründung für gescheitert erklärten oder als Eintagsfliege bezeichneten. All jene sollten spätestens nach den knapp 57 Minuten dieses Werkes endgültig verstummen, während Anhänger der Band und generell von kräftiger, handgemachter Musik umso größeren Grund zum Jubel haben. Der Teufel namens „schlechte Musik“ ist bei „Pray For Villains“ definitiv restlos ausgetrieben!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

DEVILDRIVER - Weitere Rezensionen

Mehr zu DEVILDRIVER