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DIE IRRLICHTER - Elfenhain

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Artist DIE IRRLICHTER
Title Elfenhain
Homepage DIE IRRLICHTER
Label EMMUTY RECORDS
Leserbewertung
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4.0/10 (3 Bewertungen)

Irrlichter sind bekanntermaßen kleine Geister, die ortsfremde Wanderer ins Moor und damit in ihren Untergang locken. Derartig faszinierend-hypnotischen Charakter würde ich „Elfenhain“, dem zweiten Album dieser fünfköpfigen Combo aus Bonn, allerdings nicht zugestehen wollen. DIE IRRLICHTER gründeten sich laut ihrer Homepage aus einer „LARP-Bardengruppe“ heraus. Die Fotos im Booklet von „Elfenhain“ zeigen vier edle Damen und einen hehren Recken – die Damen tragen angeklebte Elfenohren und Kleider, die sich nur schwer irgendwo zwischen Mittelalterlook und Renaissance-Stil einordnen lassen. Christoph Danielec, oder auch „Meister Argyll“ hat sich in einer Rüstung abbilden lassen. Eine ebenso krude Mischung sind auch die 15 Songs des Albums: Die Band verliert sich zwischen Folkelementen, Mittelalteranteilen, deutschen Fantasytexten, skandinavischen und französischen Traditionals. „Die Irrlichter“ scheinen mangelnden Entscheidungsfähigkeit durch einen umso größeren Enthusiasmus ausgleichen zu wollen.

Ein Goethe-Gedicht fehlt im Fundus ebenso wenig wie selbstgeschriebene Texte mit hartem Winnetou-Duktus („Roter Mond überm Silbersee“) und brutal zusammengezwängten Paarreimen („Der Spielleut´ wunderbare Klänge / füll´n den Marktplatz mit Gedränge“). Dazu kommt noch ein geradezu eiserner Willen, andauernd romantisch, verträumt und verspielt klingen zu wollen. Das ist zwar ambitionierte Musik für LARP-Conventions und, wenn keine Authentizitäts-Fanatiker anwesend sind, auch gerade noch so geeignet für das abendliche Lagerfeuer auf einem Mittelaltermarkt. Aber auf eine CD gehören nur gnädigerweise instrumentale Stücke „Branle des souris“ und „Ronde mon ami“, die sauber und einwandfrei gesetzt sind. Instrumental sind die Liedchen zumeist nicht übel gemacht. Besonders positiv fallen Stephanies Flötenkünste auf, und auch Christoph schlägt sich mit Dudelsack und Great Highland Bagpipe recht wacker. Doch das Leid kommt mit dem Gesang. Das mehrstimmige Absingen einiger Refrains durch Brigitta, Ulrike, Stephanie und Anna klingt zwar recht vielversprechend… doch manchmal ist der Gesang auch nur zweistimmig. Und dann fängt es an, peinlich zu werden.

Man stelle sich hoch engagierte, dennoch dünne, wackelige, ungestützte Frauenstimmen vor, die einen Text wie „Fünf lodernden Flammen gleich/ strahlten Zauberklingen im Elbenreich“ schmettern. Schlimmer ist es noch, wenn in Songs wie „Der Weg“ eine dieser Stimmen alleine singt, denn da kommt der extrem geringe Stimmumfang und die Unfähigkeit, irgend einen Ton zu halten, voll zur Geltung. Auch der knödelige, unsichere Gesang „Meister Argylls“ macht da leider keine Ausnahme. Im Titelsong „Elfenhain“ kommen sogar zwei Übel zusammen: Hier quietscht die Gitarre beim Bundwechsel völlig unpassend laut in den schlechten, lamentierenden Gesang hinein.

Alles, was recht ist, aber da wendet sich sogar eine dem Fantasybereich freundlich zugeneigte Person wie ich mit Grausen ab. Diese inbrünstige, unironische Art des Gesangs reizt geradezu zur Parodie. Ich fasse zusammen: Ein unorientiertes Stilgemenge trifft auf Songs, die entweder gehetzt oder langweilig wirken. Nein, wirklich nicht. Bei aller Liebe. Nein.

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