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DIE PERLEN - Szenenwechsel

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Artist DIE PERLEN
Title Szenenwechsel
Homepage DIE PERLEN
Label FIREZONE/ BLACK RAIN
Leserbewertung
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5.4/10 (9 Bewertungen)

Als ich im Jahre 2004 die erste EP der PERLEN besprechen durfte, hätte ich mir nie träumen lassen, dass das fränkische Duo dereinst bei Black Rain unterkommen würde. Ok, es ist „nur“ das Sublabel Firezone, doch damals standen die Chemnitzer wirklich nicht für Retro Minimal Elektro. Freut mich jedenfalls, nach „Telektroponk!“ ein weiteres Mal von Katja und Ferdinand zu hören, die auch das gutgemeinte aber eher verkaufsmindernde Cover zieren. „Szenenwechsel“ ist natürlich wie „Gedankenzüge“ wieder ein gelungen doppeldeutiges Subjektiv, das Spiel mit der Sprache beherrscht das Duo im Gegensatz zu einigen Epigonen ausnehmend gut. Musikalisch ist hingegen alles beim alten geblieben, wobei die Kompositionen nun noch etwas besser ausproduziert klingen. Für mich weiter die Underground-Version von SPILLSBURY.

Unter den 16 neuen Tracks finden sich einige kleine Club Hits, überwiegend in deutsch intoniert, aber auch mit anderen Sprachen gibt es keine Berührungsängste. Der Opener und gleichzeitig Titelsong geht ausnehmend gut ins Gebein und dürfte bei entsprechenden Szeneveranstaltungen seinen Weg auf den MP3-Teller finden. „Geiz“ steht dem kaum nach und karikiert inhaltlich den Werbespruch einer bekannten Elektrohandelskette, den man auch sinnbildlich für unsere ganze kranke Konsumgesellschaft anwenden kann. Den politischen Biss, der regelmäßig an die Oberfläche dringt, haben sich die Protagonisten erhalten und das ist gut so. Ein gesundes Misstrauen gegenüber dem Staat und den Auswüchsen medialer Überwachung ist jederzeit spürbar: Siehe „Wir hören mit“, eine sehr interessante Zusammenarbeit mit der WELLE:ERDBALL, die bei diesem Thema ja auch gerne ein Wörtchen mitspricht. Weiterhin erwähnenswert sind das Cover eines „uralten“ CHARLES DE GOAL Originals aus dem Jahre 1984, das durch Gitarreneinsatz recht wavige „5 vor 12“ sowie die recht kuriose „Booking Agency“. Kurios, weil DIE PERLEN hier ihren Unmut gegenüber den Wichtigtuern und Klugschwätzern der Szene Kundtun, die alles versprechen (Radioeinsatz, Auftritte) und nichts halten. Wollen wir hoffen, dass man in Zukunft von solchen Pleiten verschont bleibt.

Denn das Songmaterial fällt trotz der relativ engen Schublade sehr abwechslungsreich aus, wodurch man 2, 3 schwächere Titel locker verschmerzen kann. Wer auf Katjas etwas „schneidende“ Stimme kann und punkig angehauchten Minimal Electro Pop verehrt, darf sich diesen „Szenewechsel“ keinesfalls entgehen lassen!

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