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DIE! - Still

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Artist DIE!
Title Still
Homepage DIE!
Label NEO/ SONY MUSIC
Leserbewertung
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6.2/10 (9 Bewertungen)

Und wieder eine weitere Ausgabe von „Pressetexte aus einer parallelen Spiegelwelt“ – dieses mal das Thema: „DIE!“. Seit nunmehr 14 Jahren wummern sich die Bergisch Gladbacher nun durch den deutschen mehr oder weniger Underground und brachten es dabei nicht nur auf stolze vier Alben sondern auch eine Nominierung für den Bundesrockpreis. NDH oder auch German Industrial Metal, bei Zeiten etwas gothicmäßig angehaucht wie auf „Manche bluten ewig“ (2005) und somit in den Fahrwassern von Bands wie MEGAHERZ oder auch frühen OOMPH!, wenngleich nicht so erfolgreich. Besonders zu erstgenannten steht die Verbindung nicht nur durch die Musik und eine gemeinsame Tour, sondern vor allem nun auch durch die Beschäftigung von Ex-MEGAHERZ Sänger Mathias Elsholz. Mit ihm arbeitete man nun drei Jahre lang am fünften Werk „Still“, welches doch tatsächlich im „Beipackzettel“ als das Album angekündigt wird, mit dem sich die Band „respektvoll von artverwandten Bands wie KNORKATOR, RAMMSTEIN, EISBRECHER und OOMPH! abzusetzen“ vermag.

Doch genau so wie es sich mit dem Albumtitel „Still“ verhält, ist auch bei dieser Einschätzung exakt das Gegenteil der Fall. Kompositionen wie „Kadavergehorsam“ oder die musikalische Version von Dr. Heinrich Hoffmanns Kindergeschichte „Der Daumenlutscher“ erinnern neben der instrumentalen Wucht und Brachialität vor allem durch den Stimmeinsatz von Herrn Elsholz und die Thematiken an die Potsdamer Prügelkollegen LOCO, während „Alles in einen Topf“ phasenweise stimmlich an die neueren, „Herzlos“ dagegen eher an die frühen RAMMSTEIN gemahnt. Das Riffing, der Sprachgesang, die elektronischen Spielereien – all das wirkt schon fast wie eine Hommage an DIE Größe der deutschen Industrial-Rock Musik. Eher einer Persiflage ist dann die „Marmor, Stein und Eisen bricht“-Version mit dem Titel „Dam, Dam“, J.B.O.s „Ein bisschen Frieden“ lässt locker grüßen. Trotzdem ist die Nummer ganz lustig gewroden und lässt dabei bei den kurzen orchestralen Parts an die von DIMMU BORGIR denken – in wesentlich weniger epischen Bahnen natürlich. Dass man mit den Wolfsburgern OOMPH! dann mehr als nur das Satzzeichen im Namen teilt, wird einem bei den Strophen zu dem Titelsong „Still“ klar, wo ebenfalls das eine oder andere bekannte gemeinsame Element auftaucht. Bei dem Rest der äußerst abwechslungsreichen 14 Stücke schwingt dann stetig entweder RICHTHOFEN oder die MEGAHERZ-Zeit von „Jablonski“ Elsholz mit – Individualität sucht man vergeblich, es macht eher den Anschein, als wollte man fast 60 Minuten lang einen Querschnitt der deutschen Düstergitarrenmusik fabrizieren. Ob einem das nun gefällt oder nicht – lassen muss man [DIE!] dabei aber vor allem eins: Sie haben sämtliche Interpretationen (ob als solche gewollt oder nicht) drauf und setzen sie technisch ordentlich um. Vor allem beeindruckt dabei – und ich kann es nach dem MEGAHERZ-Album mit ihm kaum selber glauben, das zu schreiben – Sänger Mathias, der eine wirklich enormes Variantenreichtum an den Tag legt und damit wirklich punktet! Als tolles Bonbon entpuppt sich deswegen auch der 15. Track auf dem Album, eine Art Gedicht-Monolog, der sehr ausdrucksstark vorgetragen wird – eine wirklich feine Sache, die das Album genau so aufwertet wie das darauf enthaltene Video zu „Jeder mit jedem“.

Mit ihrem fünften Langspieler sind DIE! genau so wenig „Still“, wie sich von ihren Kollegen musikalisch entfernen – Einflüsse, Elemente oder Hommagen sind zweifellos – ob gewollt oder nicht – vorhanden. Man ist kraftvoller geworden, unbarmherziger als z.B. noch zu Zeiten von „Manche bluten ewig“, was auch bedeutet, dass man weniger eigenständig und persönlich wirkt. Das ist also der Weg, den man nach dem Abgang von Oliver Jung und dem Zugang von Herrn Elsholz weiter beschreiten will. Dabei bietet man jetzt durch sein technischen Vermögen und den variablen Sänger all das, was man am deutschen Industrial Metal mag – oder eben auch nicht. An deutscher/ deutschsprachiger Musik dieser Richtung scheiden sich ja nach wie vor die Geister.

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