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DIN [A] TOD - Westwerk

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Artist DIN [A] TOD
Title Westwerk
Homepage DIN [A] TOD
Label OUT OF LINE
Leserbewertung
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6.8/10 (4 Bewertungen)

Um es schon mal vorweg zu nehmen, das Album „Westwerk“ ist ausnehmend gut gelungen, aber bis zu dieser Erkenntnis hat mir unser Berliner Trio doch einige Stolpersteine in den Weg gelegt. Bislang hatte ich immer nur über die Band gelesen und sämtliche Infos hörten sich gleichermaßen vielversprechend wie verwirrend an, umso mehr war ich an dem neuen Album von DIN [A] TOD (übrigens ein geiler Name) interessiert. Als es schließlich eintraf, trat zunächst ein eher befremdliches befremdlich Gefühl ein, denn als kreativ kann man das Cover nicht gerade bezeichnen und die Symbolik erinnerte mich an einige Sachen aus dem Neofolk Bereich, dem ich eher ablehnend gegenüber stehe. Ich versuchte aber, über dieses Thema nicht weiter nachzudenken und mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen. Was dachte man nicht alles über JOY DIVISION Anfang der 80er?! Und somit sind wir auch schon bei den größten Vorbildern bzw. Einflüssen von DIN [A] TOD angelangt, bereits ab dem ersten Song „Some Kind of Hate“ hört man praktisch den Stil der Kultband heraus. Guter, solider Wave-Rock mit dezentem Synthesizereinsatz schallt aus den Lautsprechern und macht tierisch viel Spaß – selbst der schlechte englische Akzent des Sängers wird bald als Merkmal akzeptiert und nicht störend wahrgenommen.

Der Herr ist gesanglich sicherlich kein Kaliber in der Größe des Ian Curtis, aber nach mehrmaligem Durchhören akzeptiere ich ihn als eigenständigen Sänger, aber wie es halt bei Menschen mit ihrem typischen Schubladendenken ist: Man hört den JOY DIVISION Touch und hat gewisse Erwartungen im Hinterkopf. Es ist schade, dass die Scheibe erst langsam zu ihrer wahren Stärke findet und auch einen musikalischen Wandel vollzieht, wodurch meine bisherigen Erläuterungen Stück für Stück an Bedeutung verlieren. Die Gewichtung von elektronischen Klängen und Gitarren ändert sich, hier klingt es mal mehr nach alten analogen Instrumenten, dann doch vermehrt nach Electro Clash. Aus dem Hintergrund rückt auch langsam Sängerin Claudia mehr in den Vordergrund, was für die Kompositionen eine enorme Wertsteigerung bedeutet, denn wer hat schon mal LADYTRON mit den STRANGLERS gepaart gehört, einfach genial. Ab und zu werden auch noch Erinnerungen an PHILLIP BOA, THE CURE oder NEW ORDER wach, aber es ist sicherlich nicht von Nachteil mit solch hervorragenden Musikern verglichen zu werden. Durch diesen stetigen Reifeprozess bzw. durch die beschriebene Wandlung gewinnt die Band aus meiner Sicht sehr stark an Qualität, denn gleichermaßen wird die Musik eigenständiger, schade, dass man sich nicht von Anfang an so präsentiert. Dadurch hätte man viele potenziell Interessierte mit ins Boot ziehen können, so glaubt man nach der ersten drei Songs nur einen Klon zu hören.

Und nach diesem großen weiten Bogen sind wir wieder beim ersten Satz angelangt, das Album „Westwerk“ empfinde ich persönlich als fantastisch, es geht aber nicht so schnell ins Blut über wie andere Tonträger, aber wenn sich nur ein wenig Zeit und Ruhe nimmt, um das Gesamt-Potenzial zu erkennen, wird man ein ausgezeichnetes Kunstwerk im CD-Player finden, das von mal zu mal mehr Spaß macht. Meine persönlichen Favoriten sind „Spartakus“, „The Clockwork“ und „Flames on Calvary“, hier kommt die perfekte Symbiose aus Gitarren und digitalen Klängen am besten zu Geltung, so etwas Harmonisches werdet ihr so schnell nicht noch mal antreffen. Hier dürfte jeder etwas finden, nur für Electroclasher könnten es insgesamt zu wenig analoge Klänge sein.

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