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DOWN BELOW - Wildes Herz

VN:F [1.9.22_1171]
Artist DOWN BELOW
Title Wildes Herz
Homepage DOWN BELOW
Label PREMIUM RECORDS/ SOULFOOD
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
3.8/10 (6 Bewertungen)

Eigentlich ist es ja der Eurovision Songcontest, der für Schlager und Schmachtsound steht. Das ist der Ort, an dem große Inszenierungen dargeboten werden, ohne dass man notwendigerweise Sinn, Aufwand oder das Geschehen an sich nachvollziehen kann. Warum ich das Offensichtliche erkläre? Weil dies typisch für den Eurovision Songcontest ist – nicht jedoch für den Bundesvision Songcontest von Herrn Raab. Dennoch hat gerade bei diesem einheimischen Wettbewerb für DOWN BELOW der Weg nach unten endgültig begonnen. Vielleicht nicht in Punkto Verkaufszahlen. Aber was Herzblut und Seele angeht, schon.

Wer gehofft hatte, dass das theatralische „Sand in meiner Hand“ bei eben jenem Contest eine Ausnahme war, muss nun erleben, wie sich die Enttäuschung manifestiert – in Form des neuen Albums „Wildes Herz“. Um es gleich vorweg zu nehmen: Die Musik an sich ist nicht wirklich schlecht, sie hat ihre Momente. Aber sie ist schlecht für eine so begabte Band wie DOWN BELOW. Der Sound erscheint mittlerweile radiokompatiblen Seicht-Acts näher als den Anhaltinern selbst. Generischen Pop Bands mag dieser Sound auch stehen, ist es doch ihr eigener. Aber von den Jungs um Neo sind wir anderes gewohnt. Die Musik ist überinszeniert, drückt auf die Emotionsdrüsen – aber eben künstlich. Um es direkt zu sagen, die Band wechselt von Goth-Rock zu Goth-Schlager. Das gilt nicht nur dem Sound, sondern auch den Texten. Auch steht die nunmehr ausschließlich verwendete deutsche Sprache der Stimme von Neo nicht so gut wie einst der englische Gesang. Auch die einst unverkennbare Originalität von DOWN BELOW ist flöten gegangen. Wo mal orientalische Elemente und Gothic Rock zu hören waren, gibt es jetzt starke Einflüsse von CAMOUFLAGE oder auch BRONSKI BEAT. Ich will auch nicht ungerecht sein: Das Album bietet soliden Pop-Rock. Dass die Band gut ist, hört man immer noch raus. Aber sie berührt nicht mehr. Der derzeitige Sound könnte auch, trotz der charakteristischen Stimme, von einer anderen Formation stammen. Die harten Gitarren und das melancholische Grundgefühl gehören der Vergangenheit an. Das Hörvergnügen meinerseits leider auch.

Ich habe selten erlebt, dass eine Band so krampfhaft versucht, sich von der eigenen Vergangenheit zu entfernen. Waren doch die ersten beiden Alben von DOWN BELOW erstklassig, erwecken sie nun den Anschein, sich für diese hochkarätige Herkunft zu schämen. Klar kann man mir vorwerfen, dass ich den neuen Sound nicht verstehe. Tu ich auch nicht. Ich kann nicht verstehen, wie man so gedankenlos mit so viel Potential umgehen kann. Der Gänsehaut-Faktor, einst so stark, ist weg. Die Zeiten, in denen man mit DOWN BELOW den Ausblick vom höchsten Punkt aus genießen konnte, scheinen vorbei. Ich geh mal trauern.

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