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DREAM THEATER - Black Clouds & Silver Linings

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Artist DREAM THEATER
Title Black Clouds & Silver Linings
Homepage DREAM THEATER
Label ROADRUNNER
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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8.3/10 (16 Bewertungen)

Unter Proggies muss diese Band nun wahrlich nicht groß vorgestellt werden. „Black Clouds & Silver Linings“ ist das mittlerweile zehnte Studioalbum der fünf New Yorker, die mit großem Recht von sich sagen können, dass sie Musikgeschichte geschrieben haben. Bis heute ist ihr kometenhafter Einschlag in der Metalszene unvergessen. Legion ist die Zahl der Nachwuchsmusiker, die sie zum Aufhören (oder auch zum Weiterüben, je nach Ehrgeiz!) brachten. Unzählbar die Zigaretten, die verblüfften Konzertbesuchern aus offenen Mündern fielen beim fassungslosen Blick auf die technischen Fertigkeiten der studierten Musiker.

Solche Anerkennung führt aber auch schnell zur Zufriedenheit beziehungsweise zum Ausruhen auf der technischen Klasse, manch DREAM THEATER Song geriet leider zum farblosen Vehikel übermäßig ausgestellter Frickelei. Zudem führten wohl auch bandinterne Spannungen sowie die langjährige Alkoholkrankheit von Drumgott Mike Portnoy zu einigem kompositorischen Leerlauf. Vor diesem Hintergrund steht nun der zehnte Streich, der Band wird es mittlerweile klar sein, dass sie mit ihren Kabinettstückchen zwar nach wie vor Bewunderung und Respekt ernten, die Szene sich damit aber nicht mehr zu Begeisterungsstürmen hinreißen lässt. Diese bekommt auch eine Legende vom Traumtheaterstatus für die großen, die aufwühlenden und mitreißenden SONGS. Ähnlich hat sich Portnoy in einigen Interviews zum Albumrelease geäußert. Nach seinen Worten legte sich die Band den Gedanken vor, dass die Fangemeinde stets die großen Epen der Band am meisten liebte. Da lag es nahe, ein Album ausschließlich mit diesen Epen zu befüllen. Nun, die neue Scheibe misst knappe 76 Minuten und enthält dabei sechs (6!) Stücke. Zieht man nun die fünfminütige Ballade „Wither“ ab bleiben siebzig Minuten und fünf Songs. Mangelnde Konsequenz kann man DREAM THEATER also kaum vorwerfen. Wichtiger ist jedoch die Frage, ob die Kompositionen auch zünden und das Niveau der großen Bandklassiker wie „Change of Seasons“, „Metropolis“ oder auch „Six Degrees of Inner Turbulence“ halten kann.

Unverzüglich beantwortet der erste Sechzehnminüter „A Nightmare to Remember“ die dringlichsten Fragen. Volle Dynamik, ultraspannendes Songwriting, die Solo Einsätze zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Dosierung, dazu selbstverständlich ein glasklarer und messerscharfer Sound, oder in kurzen Worten: ein absolutes Masterpiece! Grandios!! Eine echte Demonstration!!! Wer mit einem solchen Brocken startet, legt aber auch gewaltigen Druck auf die nachfolgenden Stücke, insbesondere auf das direkt folgende „A Rite of Passage“. Das Schöne jedoch ist: Der Song fällt keinen Deut ab! Mit spannender, orientalisch anmutender Basslinie startend geht die Nummer über in einen harten, Keyboard betonten Industrialpart, um dann im Verlauf von 8:36 Minuten alle DREAM THEATER Register gezogen zu haben, inklusive einem fantastischen, sehr melodischen Refrain. Stilistisch ein Stück, das sehr an das (ebenfalls großartige) „Home“ vom „Scenes from a Memory“ Album erinnert. Ich wage die Behauptung, dass das Traumtheater nie mit einem besseren Doppelschlag in eine neue Scheibe gestartet ist, schon mit diesen ersten 25 Minuten besteht für JEDEN Fan Kaufpflicht!

Danach folgt das erwähnte „Wither“, das leider eine langweilige Ballade ist. So gut durchdacht der Plan ja auch ist, diesem famosen Beginn einen ruhigen Song entgegenzustellen: Dieses Teil bringt’s einfach nicht. Im Gegensatz dazu „A Shattered Fortress“, der letzte Teil von Portnoys künstlerischer Aufarbeitung seines Alkoholismus. Beginnend mit einer für DREAM THEATER bekannten Fusion aus bretthartem Rhythmusfundament und einem brillant führenden Keyboard ergibt sich ein famoses Zusammenspiel Petrucci/ Rudess, das in eine klassische Thrasheinleitung übergeht. Der einsetzende Gesang wird dann wechselseitig von harten Portnoy Shouts und aggressivem, aber melodischem Gesang La Bries bestritten. Insgesamt ein Song, dessen Atmosphäre sehr an den „Awake“ Doppelschlag aus „The Mirror“ und „Lie“ erinnert, der jedoch mehr Facetten als dieser aufweist. Auf jeden Fall und unbedingt ein weiteres Highlight von „Black Clouds & Silver Linings“! Kommen wir damit zu einer kleinen Trübung der großen Freude. Bei allem Verständnis für die persönliche Tragödie: „The Best of Times“, Portnoys Aufarbeitung des Verlustes seines Vaters ist mir doch etwas zu rührselig geraten. Zudem auch nach einer Granate wie „A Shattered Fortress“ auch einfach zu cheesy, mit zu wenig Wumms in der Gitarre. Insgesamt zwar kein schlechter Song, fällt jedoch etwas ab.

Das kann man vom würdigen Abschluss wahrlich nicht sagen: „The Count of Tuscany“ zieht in etwa zwanzig Minuten nochmals alle Register. Hier geht es rauf, runter und wieder rauf, bei höchster technischer Kunst (hier im Sinne von Können) und edlem kompositorischen Vermögen. Ein Hammer, der die gierigen Ohren der Fangemeinde noch lange fordern wird und der eben nicht bei der Demonstration des Könnens Halt macht, sondern der musikalisch exakt die Geschichte einer Begegnung der unheimlicheren Art beschreibt, die Petrucci in der Toskana hatte, als er durch einen Fremden mitgenommen wurde. Diesem gelang es offensichtlich, den Gitarristen nachhaltig zu beeindrucken, scheinbar hatte er Todesängste auszustehen. Diese emotionale Achterbahnfahrt wird durch ein völlig entfesseltes Traumtheater abgebildet, das diese tolle Scheibe mit einem zukünftigen Klassiker beschließt.

Insgesamt also ein sehr dynamisches und hochklassiges Album. Sollte Wikipedia Recht haben, ist es sogar auch kommerziell das bislang erfolgreichste Album der Bandgeschichte mit einem Top Ten Einstieg in die Billboard Charts sowie einer Rang 3 Notierung in Deutschland. Diesem guten Beispiel sollte Folge geleistet werden: Kauft die Scheibe und erzählt Euren Freunden davon, hier gibt es so Einiges zu bestaunen!

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