Band Filter

DUSTMUFFIN & THE ALUMINIUM CANS - Essential Recordings 1984-2001

VN:F [1.9.22_1171]
Artist DUSTMUFFIN & THE ALUMINIUM CANS
Title Essential Recordings 1984-2001
Homepage DUSTMUFFIN & THE ALUMINIUM CANS
Label PUNCH RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Das italienische Punch Records Label gehört momentan sicher zu den wagemutigsten Vertretern seiner Zunft. Die Veröffentlichung geraten ausnahmslos avantgardistisch, wenn nicht sogar exzentrisch. Diese Attribute treffen auch auf die neueste Ausgrabung DUSTMUFFIN & THE ALUMINIUM CANS zu, die hier mit einer Werkschau ihrer „frühen“ Jahre auftreten, wenn man denn den mysteriösen und nicht sehr ergiebigen Presseinfos Glauben schenken mag. So handelt es sich wohl um eine Formation aus Boston, Massachusetts, die von besagtem „Dustmuffin“ angeführt wird, unterstützt von einer Backing Armee bestehend aus Hexen, Robotern und verrückten Wissenschaftlern. Möglicherweise aber auch nur von einem ganzen Arsenal elektronischer Geräte… Entdecker vorliegender Aufnahmen ist ein gewisser Thomas Nöla, welcher von der IMDB als Regisseur der beiden Experimentalfilme „Jack“ und „The Doctor“ geführt wird und der die „Essential Recordings“ Ende der 90er auf einem uralten Mixtape entdeckt hat. Fasziniert von den Sounds nahm er Kontakt zum Künstler auf und erschuf seitdem immerhin 5 Musikvideos zu den vorhandenen Kompositionen, diese zieren auch den hübsch verpackten Silberling.

Nun denn, dann mal rein ins Vergnügen. Dass wir hier keine Hochglanzproduktion erwarten können, dürfte bei der Vorgeschichte klar sein. Passt aber gut zum 80er Retro Charme der immerhin 19 Stücke. „Sounds like the future of the 1980s” steht auf der myspace-Seite zu lesen, und damit liegt der Verfasser gar nicht so daneben. Der Moog vibriert, die Beats schwirren, der Gesang jault und doch ist so etwas wie ein roter Faden zu erkennen. Die einzelnen Titel sind in sich geschlossen und besitzen beizeiten sogar etwas Hit-Charakter. Da hätten wir eine Bastard-Version von THE CURE („The Crumbs are the Cure“!), Anklänge an WERMUTs aktuelles Schaffen („Mr. Reverie“, mit stimmungsvoller Gitarre und weiblichen/ gepitchten? Vocals), pures Cabaret (wieder besagter „Mr. Crumb“) oder einen verwegenen Mix aus den DRESDEN DOLLS und MADNESS bei „Beat me“. Auch vor punkigen Gitarren oder Disco Funk wird an anderer Stelle nicht halt gemacht. Alles sehr minimalistisch, alles sehr analog, aber nicht ohne Liebe zum Detail und voller Wissen um neuzeitliche Musikgeschichte. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, dass Mike Patton hier seine Finger im Spiel gehabt hat: MR. BUNGLE meets Cold Wave im Heimstudio.

Dann wären da also noch besagte 5 Videos, die man sich auf dem heimischen Rechner zu Gemüte führen kann (Quicktime Files). Sehr professionell gemacht könnten diese technisch locker auf den bekannten Musikkanälen laufen, insbesondere der Track „U.S.A.“ sticht positiv hervor. Ein richtiger Hit mit markantem Refrain und systemkritischem Text, der mit ordentlich Promotion für Aufsehen sorgen könnte… wie wohl auch die Bilder von den brennenden Twin Towers im Clip. Der Einfallsreichtum der Bilder mit Stop Motion, Live Aufnahmen und Animationen korreliert gut mit den überbordenden Soundideen.

Ich muss sagen, ich bin überrascht: Nach näherer Beschäftigung mit dem doch recht obskur anmutenden Produkt werden Kreativität und Können in nicht geringem Ausmaße sichtbar, teilweise bewegt man sich gar nicht so weit abseits vom „Gothic/ Minimal Electro-Mainstream“, dem ganzen wird nur ein Zerrspiegel vorgehalten. Und das auch noch aus den Staaten, wo man ja so viel ironische Avantgarde eher selten vermutet. Insofern eine weitere Pflichtveranstaltung aus dem Hause Punch Records für alle Anhänger essentieller Underground-Klänge.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu DUSTMUFFIN & THE ALUMINIUM CANS