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DWELLING - Ainda è Noite

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Artist DWELLING
Title Ainda è Noite
Homepage DWELLING
Label EQUILIBRIUM MUSIC
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Schon der erste Akkord von DWELLING ist ein intimer Moment, der es schafft, Schnelllebigkeit mit tiefer Melancholie zu vertauschen. So steht die portugiesische Formation DWELLLING in einer langen Tradition der landestypischen Fado-Folklore. Fado ist die portugiesische Bezeichnung für das Schicksal und gleichzeitig eine Darbietungsform von Musik und Wort. „Saudade“, zu übersetzen mit „Wehmut“, „Weltschmerz“ oder „Traurigkeit“, ist soziale Ungerechtigkeit, eine unerfüllte Liebe oder die Sehnsucht nach einer anderen und besseren Welt. In den Armenvierteln Lissabons und seinen Spelunken und Hinterhöfen entstand diese Kunstform, die es im neunzehnten Jahrhundert in die Salons mit ihren extravaganten Kreisen schaffte. So bezieht sich auch das ästhetische Gesamtkonzept von DWELLING auf die Lebensführung der Bohème, die sich in den Salons und der Welt der Kunst zu Hause fühlte. Die Rezeption eines Lebensgefühls, das irgendwo zwischen der Epoche der Romantik und dem Fin de Siècle beheimatet ist, begegnet einem immer häufiger. Dies zeigt, dass Musik zwischen Leiden und Leidenschaft zeitlos bleibt. Doch ist es auch immer eine Gratwanderung zwischen großer Oper und pubertärer Gefühlsduselei, und leider gelingt es bis auf wenige Ausnahmen wie DWELLING, nicht immer, ohne verkitschte Nostalgie auszukommen. Deshalb scheint es hier auch genau richtig, dass nicht zu dick aufgetragen wird.

Die fünf Musiker rund um das Gründungsmitglied NUNO ROBERTO stammen aus Lissabon und wissen somit, auf authentische Art und Weise portugiesische Melancholie zu verkörpern. Das seit 1998 bestehende Musikprojekt begibt sich bewusst auf die Gratwanderung, Elemente der Folklore mit modernen Musikideen zu verbinden: Die klassische Besetzung des Fado, die einer Sängerin, begleitet von zwei Männern an der Gitarre und einer Violine, wird von den Portugiesen um zwei Violinen und Bass erweitert. Dieses immense Aufgebot an Instrumenten, gemessen an der Intention, eine schlichte Atmosphäre fernab bombastischer Arrangements zu erschaffen, verleiht dem Ergebnis seinen neoklassischen Charakter. Durchaus virtuos ist das Zusammenspiel der Instrumente. Doch trotz Einsatz einer Portugiesischen Gitarre, die durch Stahlseiten scheppernder klingen sollte, es aber nicht tut, geht im Zusammenspiel mit der sanften Stimme der Sängerin der aufdringliche Charakter verloren. Mit „aufdringlich“ meine ich die im Fado traditionell vorkommenden höheren Tonlagen des Gesanges, dessen orientalischer Einfluss nicht zu leugnen ist.

„Ainda é Noite“ wird somit zum südeuropäischen Kammerspiel für nordeuropäische Ohren. Ich hätte mir (noch) mehr stimmlichen Ausdruck im Leiden gewünscht. Die Stimme von CATARINA RAPOSO fügt sich in das akustische Ambiente der Instrumente ein und bleibt somit dezent. Tendenziell ist „Ainda é Noite“ jedoch trotz geschliffener Aufnahme folkiger als die letzten Veröffentlichungen „Humana“ sowie „Moments“. Die Texte werden von CATARINA RAPOSO in englischer sowie in portugiesischer Sprache vorgetragen, vielleicht auch ein Eingeständnis an die weite Verbreitung ihrer Musik. Immerhin traten DWELLING bereits 2004 beim WGT auf. Die englischen Texte klingen, vielleicht auch aufgrund des Klanges der Sprache, mitunter etwas jazzig, die portugiesischen sind ein Stück der Poesiegeschichte des Landes. Florbela Espancas „Sou Eu!“ spiegelt viel einer femininen Erotik zwischen Leben und Tod wieder und „Fujo de Mi“ ist ein literarischer Erguss Vasco Mouzinho Quevedos.

Insgesamt lässt sich sagen, dass DWELLING mit „Ainda é Noite“ ein sehr schönes Album abliefern, das irgendwo zwischen gemäßigten ATARAXIA, Neoklassik und portugiesischer Folklore versucht, einen eigenen Weg zu beschreiten.

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