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E-CRAFT - Electrocution (Re-Release)

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Artist E-CRAFT
Title Electrocution (Re-Release)
Homepage E-CRAFT
Label AUSFAHRT
Leserbewertung
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2.8/10 (4 Bewertungen)

Im schönen Ostwestfalen tummeln sich ja seit jeher zahlreiche elektronische Szenegänger und auch der eine oder andere dunkel-elektronische Musiker zieht hier seine Bahnen. Neben dem im EBM zur festen Größe gereiften Label NoiTekk, welches in Bielefeld ansässig ist, hat man in Halle auch noch eine größere Company nebst Vertrieb zur Hand: Ausfahrt Musikverlag. Auf besagtem Label erschien dieser Tage eine Wiederveröffentlichung des seit längerem vergriffenen Albums „Electrocution“ der EBM-Formation E-CRAFT.

Bei Freunden des härteren Electro stehen E-CRAFT ja nicht gerade an erster Stelle der Beliebtheitsskala, was sich mir allerdings nach dem Hören der Wiederveröffentlichung nicht ganz erschließen konnte. Sicherlich handelt es sich nicht um „weltklassigen“ EBM/ Elektro, aber dem geneigten Hörer und Käufer legt man ein durchaus hörenswertes und auch sehr tanziges Album vor. Knapp an der Nahtstelle zwischen tanzbarem Elektro, Old-School-EBM und Rythm ´n´ Noise (repräsentiert durch das äußerst hörenswerte Intro/ Outro im Stile von CONVERTER oder F5_55) gelingt es den drei Mannen Guido Henning, Mario Bernhardt und Andre Brummack ein neues/ altes Werk für die Clubs wiederaufzulegen. Deutlich zu hören ist die Ähnlichkeit im Stil verglichen mit alten FUNKER VOGT-VÖs, was Klang und Produktion der Soundelemente anbelangt. Ebenso deutlich meint man Anleihen an Projekte wie das der schwedischen EBM-Combo DUPONT (in alten Tagen) herauszuhören. Alles in Allem liefert man einen runden, leicht nostalgisch-blubbernden und treibenden Klangmix ab, der einen an die Szenetage Mitte der 90er Jahre erinnert. Nichts desto trotz klingt diese Melange doch erstaunlich aktuell gerade in der aktuellen Clubszene, die einen Siegeszug des Technoise erlebt (man denke nur an SOMAN, SHNARPH!, XOTOX etc.).

Musikalisch bewegen sich die 8 Tracks alle auf einem gleich bleibend hohen Niveau. Sie wirken rund, ausgewogen und aus einem Guss geschrieben und programmiert. Einzig die beiden Tracks „Treibeffect“ und „Biowar“ stechen noch aus dem restlichen Klang durch höhere Klasse hervor: regelrechte Ohrwurm-Tanztracks für lange Clubnächte! Gesanglich und textlich gibt es leider die eine oder andere Schwäche zu bemängeln. Einige der Texte klingen doch etwas zu sehr nach dem musikalisch-lyrischem Holzhammer. Gerade die deutschsprachigen Texte erinnern in ihrem Ausdruck und Klang an Vormärzlyrik des 19.Jahrhunderts. Auch damals waren den Dichtern Ausdruck und Kraft ihrer Äußerungen wesentlich wichtiger als der lyrische Klang ihrer Werke (z.B.:„Alle Räder stehen Still, wenn Dein starker Arm es will!“). Einzig dieser Wehmutstropfen stört das Gesamtbild der neuen alten CD von E-CRAFT, aber EBM und Elektro sind ja auch nicht gerade der höchste musikalische Hort der feingeistig-romantischen Lyrik und der empfindsamen Schöngeister.

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