Band Filter

E FOR EXPLOSION - Reinventing The Heartbeat

VN:F [1.9.22_1171]
Artist E FOR EXPLOSION
Title Reinventing The Heartbeat
Homepage E FOR EXPLOSION
Label EYEBALL RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Hinter E FOR EXPOSION steckt Mr. Jamison Covington, der als 18-jähriger bereits als eine Hälfte von JAMISONPARKER zu Major-Label-Ehren kam. Seit 2005 ist dieses Duo Geschichte und statt stressigem Majordeal macht Jamison jetzt lieber Musik, bei der ihm keine Plattenfirmen-Bonzen reinreden. E FOR EXPLOSION war geboren und inzwischen hat auch das Debüt „Reinventing The Heartbeat“ das Licht der Plattenläden erblickt.

Zu hören gibt es Indie-Rock mit klarer Singer-Sonwriter-Bodenständigkeit, unüberhörbaren New Wave-Einflüssen und melancholischen Shoegazing-Versatzstücken. Wer ordentlich was auf die Mütze haben möchte, wenn er den Riemen auf seinen CD-Player wirft, ist bei Herrn Covington definitiv falsch. Freunde von THE JESUS & MARY CHAIN oder MY BLOODY VALENTINE dürften am gefühlvollen Output des Amerikaners allerdings ihren Spaß haben. Mit E FOR EXPLOSION liefert der bekennende Kontrollfreak 13 Songs auf durchgängig hohem Niveau ab, die sich ganz langsam ins Hirn fressen. Fast sphärisch mutet der Eröffnungstrack „Sunday“ an, der eine ganz besondere Atmosphäre schafft. Mit der Titelnummer „Reinventing The Heartbeat“ geht es monumental und wavig weiter, während das eingängige „Behind Every Breath“ sogar in amerikanische Stadien passt. Mit „Echoes“ und „Lies Lies Lies“ schließen sich zwei sehr fragile Songs an, bevor „Paper Flowers Never Die“ wieder einen Gang zulegt. „See You Soon“ mag es lieber etwas dezenter, wohingegen beim folgenden „You Know Who You Are“ die verträumten Gitarren stärker in den Vordergrund treten. Schwermütiges Pianospiel dominiert „Unit 402“, dann darf bei „Antarctica“ beinahe hymnisch in wabernden Sounds geschwelgt wird. „I Explode“ schließt sich nahtlos an und auch „Saving Lives“ versteht sich auf hauchzarte Arrangements, die bei „I Ain’t Lost If I’m With You“ mit Gänsehaut-Streichern ausklingen.

Ganz großes Kino mit minimalistischen Mitteln liefern E FOR EXPLOSION mit „Reinventing The Heartbeat“ ab. Nahezu schwerelos schweben die Lieder durch den Raum und legen sich als sanfter Schleier auf den extrem entspannten Geist. Spart Zeit und Geld für teure Entspannungskurse!
ump

—————————————————————————————————————–

„Reinventing the Heartbeat“ ist Melodie pur, jede Pore atmet unvergleichlich schöne Harmonien. Zuletzt begegnete einem dieses Phänomen 1999 in Form von „Clarity“, dem dritten Album von JIMMY EAT WORLD. Zehn Jahre später packt Jamison Covington dreizehn Songs in einen Shoegazing-Kontext, die ansonsten ganz ernsthaft auch auf „Clarity“ stehen könnten.
 
Der große Unterschied zum besagten Album ist dann aber der Sound, die Art und Weise, wie die einzelnen Songs klingen, denn JIMMY EAT WORLD haben mit ihren frühen Werken einem ganzen Genre ihren Klang spendiert, ungefähr das, was damals Emo hieß und fast nichts mit dem zu tun hat, was heute unter dieser Bezeichnung kursiert. E FOR EXPLOSION zelebrieren die 80er Jahre-Version von „Clarity“, in Verwandtschaft zu Bands wie THE CURE, THE JESUS & MARY CHAIN und MY BLOODY VALENTINE, allesamt maßgebend für diese längst vergangene Dekade. Das dürfte nicht jedem schmecken, wiederum sind die Songs dann schon wieder zu glatt produziert und die Shoegaze-Einflüsse für viele Ohren sicherlich nicht sofort erkennbar, um Hörer nachhaltig abzuschrecken. Vieles klingt dabei geklaut, nicht, so wie es ja durchaus gewollt sein könnte, als Reminiszenz gedacht, sondern kopiert, aus dem Zusammenhang gerissen und wieder zusammengebaut, Hauptsache eingängig. „Reinventing The Heartbeat“ klingt dadurch geradezu unglaublich weichgespült, anders als z.B. THE JESUS & MARY CHAIN schaffen es die Amis zu keiner Zeit, auch nur ein wenig Spontaneität oder Improvisation aufblitzen zu lassen, anders gesagt: Überraschungseffekt gleich null.
 
Andererseits – um zum „Clarity“-Aspekt zurückzukehren – ist der überwiegende Teil der Songs (besonders der Titeltrack und „Sunday“) absolut hitverdächtig. Denn was seinerzeit JIMMY EAT WORLD spielend leicht hinbekommen haben, den perfekten Popsong in ein zeitloses Soundgewand zu hüllen, schaffen E FOR EXPLOSION zumindest ansatzweise. Sagen wir mal, das mit dem Popsong zumindest.
Hififi

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu E FOR EXPLOSION